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26.01.2010

22:36 Uhr

Technikkonzern

Siemens spart sich zum Rekord

VonAxel Höpner

Gute Nachrichten für die Aktionäre, schlechte für die Mitarbeiter: Der Technikkonzern Siemens fährt trotz Krise das höchste operative Quartalsergebnis der Firmengeschichte ein und wappnet sich mit einem Jobabbau für ein weiteres Jahr mit wenig Aufträgen. Insgesamt wackeln 10 000 Arbeitsplätze. Unter die Siemens-Korruptionsaffäre zogen die Aktionäre am Abend mit einem Vergleich einen Schlussstrich.

Siemens-Chef Peter Löscher verkündete gute Nachrichten für die Aktionäre und schlechte für die Arbeitnehmer. dpa

Siemens-Chef Peter Löscher verkündete gute Nachrichten für die Aktionäre und schlechte für die Arbeitnehmer.

MÜNCHEN. Siemens hat mitten in der Konjunkturkrise das bisher höchste operative Quartalsergebnis der Firmengeschichte vorgelegt. Das Plus ist vor allem auf Einsparungen zurückzuführen, einen breiten Aufschwung sieht der Konzern noch nicht. „Es wäre verfrüht, von einer nachhaltigen Erholung zu sprechen“, warnte Vorstandschef Peter Löscher am Dienstag. Damit begründete er weitere Sparanstrengungen, die in einigen Bereichen Arbeitsplätze kosten. Betriebsbedingte Kündigungen will der Konzern nicht ausschließen. Ein sektor- oder gar unternehmensweites Stellenabbauprogramm werde es nicht geben, sagte Personalvorstand Siegfried Russwurm. Als eines der ersten Unternehmen kündigte Siemens an, Geschäfte mit Iran zu stoppen.

Die Nachrichten für die Aktionäre waren auf der Hauptversammlung in München hingegen positiv. Der operative Gewinn stieg im abgelaufenen Quartal stärker als von Analysten erwartet um elf Prozent auf erstmals 2,3 Mrd. Euro. Die Ergebnisse seien angesichts des schwierigen Umfelds „extrem stark“, sagte Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. Die Siemens-Aktie war nach Vorlage der Zahlen zeitweise Tagessieger im Dax.

Gewinntreiber sind allein Einsparungen in Verwaltung und Einkauf, denn der Umsatz brach um zwölf Prozent auf 17,4 Mrd. Euro ein. Immerhin hielten sich die Auftragseingänge im Quartalsvergleich inzwischen stabil. Verglichen mit dem Vorjahr lagen die Neubestellungen mit knapp 19 Mrd. Euro aber noch immer 15 Prozent niedriger.

Vergleich zugestimmt

Die Aktionäre stimmten auch über Vergleiche mit der alten Führung wegen des Schmiergeldskandals ab. Für die außergerichtliche Einigung gab es breiten Zuspruch. Zwar sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre: „Die Summen, die dabei rausgekommen sind, sind lächerlich gering.“ Insgesamt bekommt Siemens von neun Ex-Managern und -Aufsichtsräten knapp 20 Mio. Euro, fünf Mio. davon vom Ex-Chef Heinrich von Pierer. Aktionärsschutz-Vereinigungen wie Vertreter von Fonds begrüßten, dass nun ein Schlussstrich unter den Skandal gezogen werden kann. „Wir halten es nicht für sinnvoll, jahrelang Prozesse in Kauf zu nehmen“, sagte Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS. Dies gelte auch für die Einigung mit den D&O-Versicherungen. Diese zahlen im Rahmen eines Vergleichs 100 Mio. Euro an Siemens aus der Manager-Haftpflichtversicherung.

Als eines der ersten deutschen Unternehmen stellte Siemens sein Vergütungssystem zur Abstimmung. Der Konzern kommt damit den Vorgaben des neuen Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung nach. Aktionärsvertreter begrüßten die Transparenz, äußerten aber Kritik im Detail. So müsse die Haltefrist für Aktienoptionen von drei auf vier Jahre erhöht werden, forderte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Entlohnung von Vorstandschef Löscher erscheine ihr zudem sehr hoch. Der Österreicher hatte im vergangenen Geschäftsjahr 7,1 Mio. Euro verdient, der gesamte Vorstand 27 Mio. Euro. Letztlich stimmten aber gut 89 Prozent dem Vorschlag der Verwaltung zu.

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