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26.09.2012

10:35 Uhr

Teile fehlen

Opel-Produktion in Bochum steht

Nicht etwa geplante Kurzarbeit, sondern stockender Nachschub von Bauteilen zwingt Opel in Bochum zum Stopp der Bänder. Bis kommenden Montag haben die Mitarbeiter frei.

Ein Mitarbeiter des Autobauers Opel betritt in Bochum das Werksgelände zum Schichtwechsel. dapd

Ein Mitarbeiter des Autobauers Opel betritt in Bochum das Werksgelände zum Schichtwechsel.

Bochum/KölnVor dem Hintergrund von Produktionseinschränkungen an anderen Opel-Standorten stehen in dieser Woche auch im Bochumer Opel-Werk die Bänder still. Die Produktion werde am kommenden Montag wieder aufgenommen, kündigte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am Mittwoch an. Den Stillstand müssten die Mitarbeiter mit Freizeit ausgleichen. Es handele sich dabei nicht um Kurzarbeit. Der Schritt sei notwendig geworden, da derzeit Zulieferteile aus anderen Werken fehlten.

Nach Angaben des Bochumer Opel-Betriebsrats sollen in der kommenden Woche die Gespräche über die Zukunft des Standorts fortgesetzt werden. Bis Ende Oktober wolle man zu einem Ergebnis kommen, sagte Einenkel.

Der US-Autobauer Ford hatte zuvor ein Sparprogramm für seine europäischen Werke angekündigt. Ziel sei es, die Personalkosten zu reduzieren, hieß es.

Die europäischen Opel-Werke im Überblick

Die Ausgangslage

Opel leidet unter sinkendem Absatz und teuren Überkapazitäten. Nun will der Autobauer in seinem Werk in Bochum keine Autos mehr bauen. Eine Übersicht über die Fertigungsstätten.

Bochum

In Bochum laufen der Astra Classic und der Zafira Tourer vom Band. Ende 2014 läuft die Produktion aus. Danach soll die Autoproduktion eingestellt werden.

Rüsselsheim

Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. 13 800 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, davon 3500 in der Produktion und 7000 im Bereich Entwicklung und Design.

Eisenach

In Eisenach bauen knapp 1600 Beschäftigte den Corsa.

Kaiserslautern

In Kaiserslautern bauen knapp 2700 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.

Gleiwitz (Polen)

In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in Polen sind rund 3500 Menschen beschäftigt.

Saragossa (Spanien)

Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo. Ab 2014 soll auch der Mokka in Spanien gebaut werden.

Ellesmere Port (England)

Etwa 2100 Mitarbeiter bauen für die Opel-Schwester Vauxhall in Ellesmere Port Astra-Modelle. Dort konnte das Management zuletzt rigide Sparmaßnahmen durchsetzen.

Luton (England)

In Luton wird der Transporter Opel Vivaro von 1100 Beschäftigten gefertigt.

Sonstige

Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthárd (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1700) sowie in einem Joint Venture in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.

Bereits geschlossen wurde das Werk Antwerpen mit zuletzt mehreren tausend Mitarbeitern.

Am vergangenen Samstag hatte sich der Autobauer eine Auszeit von der Krise gegönnt und am Stammsitz in Rüsselsheim das 150-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Die Bänder liefen auf Hochtouren, eine Live-Band spielte Oldies, Kinder fuhren begeistert Kart und Tausende Opel-Fans haben ihre Lieblingsautos getestet.

Auch Interims-Chef Thomas Sedran, der derzeit einen Knochenjob hat und vor schmerzhaften Entscheidungen steht, ließ sich an diesem Samstag die gute Laune nicht nehmen: „Wir alle bei Opel können stolz sein auf unser Unternehmen und unsere Autos.“ Fraglich ist nur, wie viele Jubiläen Opel noch feiern wird. Denn die Krise in Südeuropa hat den ohnehin seit Jahren defizitären Autobauer erneut auf Talfahrt geschickt. So leidet Opel schon wieder unter Überkapazitäten - obwohl die Rüsselsheimer vor nicht einmal zwei Jahren ein Werk geschlossen und 8000 Stellen abgebaut haben.

Längst feilt das Management am Zukunftsplan „Drive Opel 2022“, der Wachstum fördern und Kosten senken soll. Doch so einfach ist das nicht. Denn um etwa die Personalkosten zu drücken, muss sich das Management mit der mächtigen Gewerkschaft und dem Betriebsrat einigen. Dabei geht es auch um die Zukunft des Werks Bochum, für dessen Fortbestand der Betriebsrat mit aller Macht kämpfen wird.

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Jedes neue Automodell ist für Opel fast wie ein Endspiel. Beim Zafira Tourer waren die Erwartungen besonders hoch. Aber auch der Kompakt-Van konnte das Werk in Bochum nicht retten. Eine Ausfahrt.

Zwar soll auch die Verwaltung verschlankt werden, Experten sind aber davon überzeugt, dass das nicht reichen wird. Opel müsse die Kraft haben, unschöne Entscheidungen zu treffen, um langfristig überleben zu können, betont Autoexperte Stefan Bratzel. Er schätzt, dass der Autobauer mindestens ein, eher zwei Werke schließen müsste, um die Kapazitäten der Nachfrage anzupassen.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

26.09.2012, 11:12 Uhr

Mit dem amerikanischen Management wird Opel nicht mehr an die Spitze der Autobauer zurück kehren können. Zuviel setzen die US-Manager auf den schnellen Dollar und schielen damit auf ihre Aktionäre und zu wenig wird auf auf Qualität und Nachhaltigkeit geachtet.

Account gelöscht!

26.09.2012, 11:16 Uhr

Hahaha, auch so kann man Erfolglosigkeit erklären.

Schlaumeier

26.09.2012, 11:21 Uhr

Opel = m.E. tolle Autos, aber mit den fehlenden Teilen?
Abteilung Propaganda. Absatz dürfte eingebrochen sein.

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