Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.04.2012

08:55 Uhr

Teile und Fahre

Ein Dienstwagen zum Teilen

Car-Sharing boomt. Nach den Privatkunden will die Autoindustrie jetzt auch Firmen ködern. Sie lockt mit geringeren Kosten und hofft, so auch Elektroautos loszuwerden.

Car2go-Kunden können mit ihren Handys die Autos nicht nur buchen und finden, sondern auch starten und bezahlen. AFP

Car2go-Kunden können mit ihren Handys die Autos nicht nur buchen und finden, sondern auch starten und bezahlen.

MünchenSeit ein paar Wochen sind die Münchener Taxifahrer eine hübsche Standardtour los. Gut 70 Euro brachte bislang eine Fahrt von der Infineon-Zentrale im Süden der Stadt zum Flughafen weit im Norden. Ausgaben, die sich der Konzern jetzt spart. Denn seit Anfang Februar setzen sich die meisten Mitarbeiter lieber in ein Mini-Cabrio oder einen BMW X1 und steuern selbst. Am Flughafen bleibt das Auto einfach stehen – für den nächsten Kollegen. Der findet seinen Dienstwagen nach der Landung per Smartphone im Parkhaus.

„Einfach und genial“ preist die Firmenbroschüre das hauseigene Car-Sharing, durch das die Mitarbeiter Zeit sparen sollen und der Halbleiterkonzern Geld. „Der Start war ein großer Erfolg“, sagt Jörg Gerhardt, Leiter des Mobility Service Managements des Konzerns. 600 Infineon-Mitarbeiter haben sich in der Konzernzentrale in Neubiberg bereits für das Projekt angemeldet. Wer will, kann die Autos nach Feierabend oder am Wochenende gegen eine Gebühr mit nach Hause nehmen. „Die Fahrzeuge sind für Geschäftsfahrten und auch für die Privatnutzung gut ausgelastet“, heißt es bei Infineon. Nach einer Pilotphase will der Konzern im Sommer über eine Ausweitung entscheiden.

Autos mit dem Handy buchen, starten und bezahlen

Auch bei BMW ist man von dem Konzept „Alphacity“ überzeugt, denn das Angebot soll neue Türen öffnen. „Wir gehen davon aus, dass wir zehn bis 15 Firmenkunden in diesem Jahr gewinnen können“, sagt Marco Lessacher, Deutschlandchef der konzerneigenen Flottentochter Alphabet. „Die Unternehmen sparen Administration, Abrechnungen und Reisekosten.“ Die Zeiten im Leasinggeschäft haben sich gewandelt: „Früher verlangten die Kunden Fahrzeuge, heute vor allem Mobilität und Nachhaltigkeit.“

Mit immer neuen Angeboten versuchen Autohersteller wie Daimler (car2go) oder BMW (DriveNow, Alphacity) sowie Mobilitätskonzerne wie die Bahn (Flinkster), ihren Kunden entgegenzukommen. Die können mit ihren Handys die Autos nicht nur buchen und finden, sondern auch starten und bezahlen. Während sich die Angebote bisher besonders an Privatkunden richteten, geraten nun auch die Firmenflotten in den Fokus der Anbieter.

Bei Infineon haben alle Beteiligten das Modell möglichst einfach gehalten: Ist der Mitarbeiter registriert, muss er das Auto nur über das hauseigene Intranet buchen. Ein auf den Führerschein aufgeklebter Chip sichert den Zugang ohne Schlüssel. Das kleine elektronische Bauteil berechtigt auch, den Motor zu starten. Ist der Tank nur noch ein Viertel voll, verlangt das Auto einen Tankstopp, damit der Kollege nicht auf der Autobahn liegenbleibt. Bei einer Dienstfahrt bucht das System automatisch auf die Kostenstelle, bei privaten Fahrten auf die Kreditkarte.

„Car-Sharing-Angebote für Firmen haben Zukunft. Autohersteller, Vermieter und die großen Leasinganbieter kommen an solchen Modellen nicht mehr vorbei“, sagt Ralf Landmann von der Beratungsagentur Roland Berger. „Alle großen Firmen müssen heute nachhaltig und innovativ operieren. Auf Firmenflotten liegt ein besonderes Augenmerk“, sagt Landmann mit Blick auf die zum Teil drastischen CO2-Vorgaben, die sich Unternehmen wie Siemens, Allianz oder die Deutsche Post für ihre Flotten gegeben haben. „Gerade in den Metropolen sind innovative Mobilitätskonzepte gefragt, nicht nur, um Verkehrsengpässe zu lösen, sondern auch, weil hier Marken etabliert werden“, sagt Landmann.

Kurze Wege, häufige Nutzung, hohe Markenpräsenz. BMW und seine Flottentochter Alphabet schätzen den Trend zum Car-Sharing noch aus einem anderen Grund. Mit Hochdruck arbeitet der Autohersteller an der Einführung seiner Elektroautos, in deren Entwicklung und Produktion die Münchener bereits jetzt mehrere Hundert Millionen Euro investiert haben. Doch für Privatkäufer wird der für das kommende Jahr geplante Stadtflitzer „i3“ mit seinen kurzen Reichweiten (weniger als 200 Kilometer) und hohen Preisen (um die 40000 Euro) wenig attraktiv sein.

„Wir sehen im Car-Sharing ein interessantes Modell für die Elektromobilität“, sagt Alphabet-Manager Marco Lessacher. „Für Elektroautos braucht man ein ganzheitliches Konzept, das können wir bieten.“ Gut möglich, dass die Dienstfahrten bei Infineon demnächst an der hauseigenen Stromtankstelle beginnen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×