Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2011

11:04 Uhr

Telenor

Russland bootet Norwegen aus

VonFlorian Willershausen

Der norwegische Telekom-Riese Telenor besitzt zwar schon seit längerem Aktien am russischen Vimpelcom-Unternehmen. Erfreulich für beide ist auch, dass der Markt stattlich wächst - aber dennoch darf Telenor trotz der Beteiligung an Vimpelcom bei Zukäufen nicht mitreden.

Telenor: Aus dem sonst eher ruhigen Norwegen gibt es Widerstand gegen die Übernahme eines ägypischen Milliardärs. gms

Telenor: Aus dem sonst eher ruhigen Norwegen gibt es Widerstand gegen die Übernahme eines ägypischen Milliardärs.

MOSKAU. Wenn sich ausländische Investoren auf ein Joint Venture in Russland einlassen, schielen sie auf den dortigen Wachstumsmarkt. Das gilt auch für den norwegischen Telekom-Riesen Telenor, der seit 1998 Aktien an Russlands Branchenzweiten Vimpelcom hält. Der Markt wächst auch stattlich - den russischen Telenor-Partnern ist das aber nicht genug.

Der Oligarch Michail Fridman, dessen Moskauer Alfa-Gruppe Vimpelcom über das Investment-Vehikel Altimo kontrolliert, setzt auf Zukäufe jenseits der Landesgrenzen. Jetzt drückt er die Übernahme der Wind Telecom des ägyptischen Milliardärs Naguib Sawiris durch - gegen den erbitterten Widerstand der Norweger.

Das Angebot sieht Folgendes vor: Vimpelcom zahlt die Aktionäre der Wind Telecom mit 1,5 Milliarden in bar aus, dazu erhalten sie über eine Zusatzemission 20 Prozent der Vimpelcom-Anteile. Da es sich dabei um Vorzugsaktien handeln soll, würden Sawiris und Co. künftig gut 31 Prozent der Stimmrechte besitzen. Der Wert dieser Anteile beläuft sich auf rund fünf Milliarden Dollar. Allerdings soll den Alt-Aktionären bei Wind Telecom der Zugriff auf das operative Geschäft verwehrt werden.

Über Nacht würde Vimpelcom also zur weltweiten Nummer sechs im Mobilfunkgeschäft aufsteigen. Die Russen hätten rund 173 Millionen Abonnenten in 19 Ländern - darunter vor allem Schwellenländer mit 838 Millionen Einwohnern, was Wachstumsfantasien weckt.

Die Norweger sehen eher die Risiken des Deals. Dabei spielt der Schuldenberg der ägyptischen Tochter Orascom eine Rolle, der sich auf fünf Milliarden Dollar belaufen soll und den Schuldenstand von Vimpelcom vor Steuern auf 25,7 Milliarden Dollar erhöhen würde. Um die Refinanzierung zu stemmen, müsste das Unternehmen am Kapitalmarkt Anleihen emittieren.

Telenor stößt sich auch daran, dass der Einfluss auf Vimpelcom durch die Zusatzemission schwinden würde. Nach dem Deal würden die Anteile an Vimpelcom von derzeit 40 auf 32 Prozent schrumpfen, die Stimmrechte von 36 auf 25 Prozent sinken. Die Neujustierung der Machtverhältnisse bei Vimpelcom müssen allerdings die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 17. März noch beschließen.

Bei Telenor heißt es, der Mega-Deal ergebe weder strategisch noch ökonomisch Sinn. Ein Telenor-Sprecher kommentierte, mit dem Angebot gewähre Vimpelcom den Verkäufern "unverhältnismäßig viele Stimmrechte für zu viel Geld". Einmal mehr müssen die Norweger im Russlandgeschäft Zeit und Nerven opfern. Erst Ende 2009 hatte Telenor einen fünf Jahre währenden Streit um die Ukraine-Strategie verloren. Fridman setzte seine Expansionspläne durch. So wie immer.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×