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09.03.2012

20:07 Uhr

Tepco-Chef Nishizawa

Japans oberster Atomlobbyist kämpft unbeirrt weiter

VonMartin Kölling

Toshio Nishizawa übernahm erst nach der Katastrophe von Fukushima das Zepter beim Energiekonzern Tepco. Dennoch steht er auf der Abschussliste der Politik. Nishizawa fordert Staatshilfe, will aber keine Macht abgeben.

Tepco-Chef Toshio Nishizawa (Mitte) ist der oberste Atomlobbyist Japans. Reuters

Tepco-Chef Toshio Nishizawa (Mitte) ist der oberste Atomlobbyist Japans.

TokioToshio Nishizawa hat ein kantiges Gesicht und kantige Ansichten. Die Ruinen des Atomkraftwerks Fukushima 1 verstrahlen die Umgebung noch immer, in der Öffentlichkeit wird der Betreiber der Meiler, Tokyo Electric Power (Tepco) verdammt. Doch Tepco-Präsident Nishizawa kämpft seit Monaten unbeirrt gegen eine Nationalisierung des Stromkonzerns. Der 61-Jährige muss ein dickes Fell haben, um das zu tun. Denn um ihn herum ist es einsam geworden.

Japans große TV-Sender und Zeitungen, einst gut mit Werbung dotierte Sprachrohre von Japans starker Atomlobby, rücken von Tepco ab, um es sich mit ihren Lesern nicht zu verderben. Und ausgerechnet einer der Politiker, die der Stromkonzern über Jahre durch den Kauf von Party-Tickets generös unterstützt hatte und auf seiner Seite wähnte, will nun als Gegenleistung für staatliche Hilfe den Stromkonzern verstaatlichen.

Zum Unglück für Tepco handelt es sich ausgerechnet um Yukio Edano, der als Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie die Atomindustrie reguliert. Er war während der Atomkrise der Sprecher der Regierung. Und die Erfahrung hat ihn anscheinend nachhaltig in einen Gegner Tepcos verwandelt.

Nur der Unternehmensverband Keidanren wirft sich in der Person seines bulligen Vorsitzenden Hiromasa Yonekura schwergewichtig für Tepco in die Bresche. Eine Verstaatlichung, und sei sie zeitlich begrenzt, sei überflüssig, wird er nicht müde zu betonen. Denn nicht Missmanagement, sondern eine Naturkatastrophe sei schuld am Atomunfall gewesen.

Doch auch der Keidanren findet wenig Gehör. Zum einen ist das Eigeninteresse seiner Mitglieder allzu offensichtlich. Konzerne wie die Kraftwerksbauer Toshiba, Mitsubishi Heavy oder Hitachi gehörten bisher zu den großen Profiteuren der lokalen Strommonopole. Sie schlugen den Stromkonzernen satte Preise für Kraftwerke, Bauteile und Material vor und die Konzerne zahlten. Schließlich konnten die Stromerzeuger die Kosten auf ihre Kunden umlegen.

Kommentare (6)

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satori

09.03.2012, 20:21 Uhr

Niemand wollte das: Erdbeben, eine vollkommen verwüstete Nordregion in Japan.
Niemand wollte das.
Aber alle haben das inkauf genommen.

sgk_10

09.03.2012, 20:41 Uhr

Oberrheingraben - Region Freiburg - jährlich Erdbeben mit Richter 5-5.5 - durchschnittlich einmal in fünfzig Jahren >Richter 6 - AKW Fessenheim direkt an der dt.Grenze ist bis 6.7 sicher - das letzte Richter-6-Beben gab es 1911 - die Zeit ist ran - hoffentlich noch nicht...

stalker

09.03.2012, 21:03 Uhr

wie abstrus das wirkt: es gab keine Straßenbauerteams seit dem Unfall.

das Gebiet ist einfach tot.

Das wissen die und stellen sich hin wie die Superschlauen.

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