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27.10.2016

02:07 Uhr

Tesla

Historischer Schritt mit schwarzen Zahlen

VonThomas Jahn

Zum ersten Mal seit drei Jahren schreibt Tesla einen Gewinn. Der Elektroautopionier hält Lieferversprechen ein und verbraucht weniger Bargeld als erwartet. Die Aktie steigt nachbörslich.

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Pionier auf Erfolgskurs: Dieses Auto fährt wie durch Geisterhand

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New YorkDer Appell scheint gefruchtet zu haben. In einer E-Mail vom vergangenen August spornte Elon Musk seine Mitarbeiter an: „Wir sind haarscharf davor, ein gutes drittes Quartal zu erzielen“, schrieb der Tesla-Chef. Dafür müssten nun so viele Fahrzeuge wie nur möglich gebaut und ausgeliefert werden, während „wir gleichzeitig alle nicht unbedingt notwendigen Kosten kürzen“.

Der Aufruf kam an: Für die Monate Juli bis September verkündete Tesla gute Zahlen: Der Umsatz schnellte im Vergleich zum Vorjahr von 937 Millionen auf 2,3 Milliarden Dollar hoch. Auch wandelte der Autobauer einen Verlust vom Vorjahr in Höhe von 230 Millionen Dollar in einen Gewinn von 22 Millionen Dollar um. Damit schrieb Tesla zum zweiten Mal in seiner Geschichte schwarze Zahlen, das letzte Mal gelang dies Anfang 2013. Auch im vierten Quartal will Tesla einen Gewinn ausweisen.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Die Aktie stieg nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts um rund vier Prozent. Die Ergebnisse wischten einige Befürchtungen von Anlegern vom Tisch. Bob Lutz, ehemaliger Vize-Chairman von General Motors, brachte die Kritik wenige Stunden zuvor vor der Veröffentlichung der Zahlen in einem Fernsehinterview auf den Punkt. Die Fans von Tesla seien wie „Mitglieder einer religiösen Sekte“. Musk habe „nichts geliefert, außer einen größeren negativen Cash Flow, ein größeres Gewinnminus und mehr und mehr Kapitalausgaben“.

Vorwürfe, die der Tesla-Chef mit dem abgelaufenen Quartal nun entkräften konnte. Der Elektroautopionier kommt auf einen Börsenwert von rund 30 Milliarden Dollar, während es Konkurrent General Motors auf 49 Milliarden Dollar bringt – obwohl der Autoriese aus Detroit 30 Mal so viel umsetzt wie Tesla.

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Musk hatte in der Vergangenheit des Öfteren Versprechen nicht eingehalten, etwa bei Produktionszahlen oder bei der Menge an Fahrzeugen, die ausgeliefert werden sollten. Diesmal jedoch zeigte sich die 2003 gegründete Firma diszipliniert, die Auslieferungen von 24.821 Model S und Model X verdoppelten sich im Vergleich zum Vorjahr. „Tesla brauchte den Erfolg dringend“, sagte Rebecca Lindland, Analystin von der Branchenberatung Kelley Blue Book.

Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

27.10.2016, 10:06 Uhr

Tesla ist ein Unternehmen grosser Versprechen und Visionen. Vielfach bedient sich das Unternehmen ökoreligiöser Visionen*. Ein profitables Geschäftsmodell habe ich noch nicht erkennen können.

Amerikanische Kritiker suchen gerne Diskrepanzen zwischen Aussagen von Tesla und anderen Quellen. Beispielsweise gibt es grosse Differenzen bei den Aussagen zur Giga Factory.

Deshalb stellt sich die Frage inwieweit das gute Quartalsergebnis auf der Verschiebung von Ausgaben, Wartung Reparaturen, Schulungen... in das Vor- und das Folgequartal beruht. Beispielsweise kann ein gutes Quartal zur Aufnahme von Kapital, z.B. Begebung Anleihen, genutzt werden.

*Ökologische Visionen sind häufig mit Lug und Betrug verbunden. Man denke an Solarenergie, Biofutter, Bioenergie .....

Account gelöscht!

27.10.2016, 10:15 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Moritz J. Mueller

27.10.2016, 10:40 Uhr

Man muss sich doch nur die Zahlen ganz nüchtern ansehen. Bei einem KBV von über 28 (will heissen die Teslaaktie ist 28 mal so hoch bewertet wie der Buchwert der Firma) zudem Gesamtverbindlichkeiten von 6.961 Milliarden USD, die einem Eigenkapital von nur 1.089 Milliarden USD gegenüber stehen, sagen doch alles. Herr Elon Musk ist ein Blender dem zumeist heuchlerische und selbstgerechte Wohlstandsbürger (unverdientermassen), die meinen den Rest der Menschheit bekehren zu müssen, selbst aber mindestens 3-4 mal mit dem Jet in den Urlaub fliegen, auf den Leim gehen. Quelle: http://www.finanzen.net/bilanz_guv/Tesla

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