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29.09.2015

17:06 Uhr

Tesla setzt ein Zeichen gegen VW & Co.

Model X feiert Premiere

VonLukas Bay

Das Model X soll bei Tesla die nächste Stufe zünden. Die Elektropioniere setzen große Hoffnung in das erste elektrische SUV der Automobilgeschichte. In Zeiten der VW-Krise könnte die Premiere kaum besser terminiert sein.

SUV ohne Auspuff. Das Tesla Model X soll der erste vollelektrische Geländewagen des kalifornischen Elektropioniers werden.

Model mit X

SUV ohne Auspuff. Das Tesla Model X soll der erste vollelektrische Geländewagen des kalifornischen Elektropioniers werden.

DüsseldorfVielleicht kann Tesla-Chef Elon Musk an diesem Dienstagabend sogar ein bisschen froh sein, dass er den Start des Model X mehrfach verschieben musste. Denn besser könnte der Zeitpunkt für die Präsentation des ersten vollelektrischen SUVs der Automobilgeschichte kaum gewählt sein. Während die Branche über manipulierte Diesel-Abgaswerte diskutiert, zeigt Tesla nahe dem Firmensitz in Palo Alto den ersten Stadt-Geländewagen, der lokal völlig emissionsfrei unterwegs ist.

Für Musk selbst ist der Diesel-Skandal bei Volkswagen eine Bestätigung für eigene Argumentation. „Wir haben die Grenzen der Physik erreicht“, sagte Musk erst vor wenigen Tagen im Interview mit dem Handelsblatt. Der Verbrenner lasse sich nicht mehr wesentlich verbessern. „Um Fortschritt zu erreichen, mussten sie offenbar betrügen“, so Musk über den Konkurrenten VW. Mit dem Model X präsentiert Tesla nun den Anti-Diesel. Ein SUV ohne Auspuff. Ein Geländewagen für die Stadt, bei dem die Kunden kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie damit einen halben Kilometer zum Bäcker fahren.

Das elektrische SUV ist für Tesla ein längst überfälliger Schritt. Zum einen, weil die Kalifornier bisher nur ein Modell im Angebot haben – und damit eine Nische in der Oberklasse besetzen. Auch am Model S gibt es mittlerweile kaum noch etwas zu verbessern. Die Kundschaft, die für sich selbst in Anspruch nimmt, zur automobilen Avantgarde zu gehören, braucht langsam etwas Neues.

Zum zweiten aber auch, weil Tesla mit dem Model X spät dran ist. Ursprünglich war geplant, das Modell schon 2013 auf den Markt zu bringen. Probleme bei der Entwicklung verschoben den Start immer wieder - während andere Hersteller mit dem SUV-Trend gutes Geld verdienten. Schuld an der Verspätung sollen die augenfälligen Flügeltüren des Model X sein, die aufwendig konstruiert werden mussten, um auch alltagstauglich zu sein.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Trotz der Verspätung dürfte das Model X auch dem Absatz des Elektropioniers einen neuen Höhenflug bescheren. Zuletzt musste Tesla die eigenen Absatzziele noch etwas nach unten korrigieren. Im ersten Halbjahr hatte der Elektropionier mit rund 21.500 Fahrzeugen weniger verkauft als ursprünglich angekündigt. Seitdem dümpelt auch der Aktienkurs vor sich hin. Das Model X soll für neuen Rückenwind sorgen.

Kommentare (37)

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Frau Annette Bollmohr

29.09.2015, 17:20 Uhr

"In Zeiten der VW-Krise könnte die Premiere kaum besser terminiert sein."

Das kann man wohl sagen.

Letzten Endes zählt für den nachhaltigen Erfolg aber, ob unterm Strich tatsächlich ein Mehrwert für unsere "globale Gemeinde" (Stichworte: Klimawandel, knappe Ressourcen, infrastrukturbedingte Realisierbarkeit allerorten etc. pp.) dabei herauskommt.

Adolf Schickelgruber

29.09.2015, 17:28 Uhr

Alles ganz großartig aber wer hat die Akkus ?

Herr Franz Paul

29.09.2015, 17:40 Uhr

So ein Zufall aber auch! Seht alle her, AMERIKA baut die richtigen Autos!

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