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01.06.2015

10:15 Uhr

Tesla-Visionen

Elon Musk taugt nicht zum Heiligen

VonLukas Bay

Tesla-Chef Elon Musk wird von seinen Anhängern verehrt wie ein Guru. Jede Präsentation wird zur Show, Anleger geben ihm bereitwillig Geld für seine Visionen. Dabei taugt der Kalifornier bisher nicht zur Erlöserfigur.

Der Unternehmer hat beeindruckende Visionen – muss jetzt aber liefern. Reuters

Tesla-Chef Elon Musk

Der Unternehmer hat beeindruckende Visionen – muss jetzt aber liefern.

Die Berichte überschlugen sich in ihrer Euphorie, der Börsenwert von Tesla legte um mehrere hundert Millionen Dollar zu. Und das alles nur wegen eines Tweets. Tesla-Chef Elon Musk hatte per Kurznachrichtendienst ein neues Produkt angekündigt.

„Kein Auto“, wie es Musk bewusst schwammig formulierte. Wenige Wochen später war man schlauer: Das neue Geschäftsfeld von Tesla sind Elektrospeicher. Systeme, die technisch nicht sonderlich revolutionär sind – und im Keller nicht mal als Statussymbol taugten. Bis Elon kam.

Der Tesla-Chef inszenierte den Energiespeicher in einem Vorort von Los Angeles wie das nächste große Ding. Nach einer beeindruckenden Show mit rauchenden Fabrikschloten auf riesigen LED-Wänden und Kunstnebel war der Wertzuwachs der Tesla-Aktien höher als der gesamte weltweite Umsatz, der derzeit mit Elektrospeichern erwirtschaftet wird. Und natürlich ist der Start nach Selbstauskunft von Tesla ein voller Erfolg. Man sei bereits auf zwei Jahre ausgebucht. Und die beste Zeit stehe dem Unternehmen ja noch bevor, spätestens wenn die neue Giga-Factory für Batterien eröffnet werde. Dann sinke deren Preis um rund ein Drittel – dann, ja spätestens dann.

Musk beherrscht das Spiel mit den Hoffnungen. Er verkauft nicht nur Autos oder Elektrospeicher, sondern den Traum einer neuen, besseren Welt. Dafür baut er das Model S, dafür entwirft er Pläne für einen Schnellzug oder schießt Raketen ins All. Irgendwann will er auf den Mars fliegen. Ihm geht es nicht nur darum, die Welt zu retten, sondern auch darum, neue zu entdecken. Es ist diese Vision, die insbesondere auf seine jungen Anhänger faszinierend wird. Nicht umsonst sind seine Produktpräsentationen aufgebaut wie Messen, Erlösungsversprechen inklusive. Musk geriert sich damit als der Prophet der neue Zeit. Und Propheten kritisiert man nicht.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Sein Image als aufgeschlossener Visionär, dem es nicht um den eigenen Geldbeutel, sondern um die Weltrettung geht, pflegt Musk. Er schafft es immer wieder, die Etablierten alt aussehen zu lassen. Groß war das Echo auf seine Ankündigung, die Patente von Tesla freizugeben. Das klang nach open source und so selbstlos. Dabei behielt Tesla den Kern der eigenen Patente für sich. An allen anderen Tesla-Patenten hat bis heute kein anderer Hersteller Interesse bekundet. Daimler-Chef Zetsche nannte die Aktion gar einen „PR-Gag“.

Wie unterschiedlich die Unternehmen wahrgenommen werden, musste Zetsche am eigenen Leib erfahren. Die Ankündigung, dass Daimler nun auch ins Geschäft mit den Elektrospeichern einsteigen wolle, ging fast unter.

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

01.06.2015, 10:30 Uhr

Musk ist wie die ganze Energiewende = sog. Erneuerbare Energiewelt gestrickt...Glaube, Hoffnung und zum Schluss falsche und enttäuschende Versprechnungen.
Die einzige zuverlässige und wirtschaftliche Energiequelle der Zukunft wird an ihrer Energiedichte gemessen. Und mit dem Energieträger Uran und Thorium hat die Reale Wirtschaftswelt bereits einen Energieträger der tausend mal effiizienter und damit wirtschaftlicher ist, als jeder Speicher/Batterie es je sein könnte.

Novi Prinz

01.06.2015, 10:30 Uhr

Ich sehe mal eine Pleite wie bei Prokon, nur größer !

Doro Mann

01.06.2015, 10:58 Uhr

Es ist doch klar, wie lange es die Firma noch geben wird. Die einzigen Erfolge in Kalifornien, wo das ganze Jahr die Sonne scheint. Der Rest ist Missbrauch durch die Jünger der angebeteten "Energiewende", die sich erhofft hatten mit einem Messias genug Dumme zu "bekehren". Aber zum Glück sind nur wenige Menschen so naiv.

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