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05.05.2016

10:19 Uhr

Tesla-Zahlen

Warum Elon Musk in der Fabrik schläft

VonAxel Postinett

Tesla will bis 2018 die Produktion von Elektroautos auf 500.000 pro Jahr verfünffachen. Elon Musk plant den ganz großen Wurf, um die Konkurrenz abzuschütteln. Doch es gibt da ein riesiges Problem.

Elon Musk muss verstärkt Überzeugungsarbeit leisten, um Investoren bei Laune zu halten – und zu finden. AP

Persönlicher Einsatz

Elon Musk muss verstärkt Überzeugungsarbeit leisten, um Investoren bei Laune zu halten – und zu finden.

San FranciscoSein Schreibtisch steht am Ende der Fertigungslinie, und in einem Konferenzraum hat er einen Schlafsack deponiert, den er auch „regelmäßig nutzt“. Milliardär und Firmengründer Elon Musk lässt nichts unversucht, um die Probleme anzugehen, die dem Autobauer Tesla im ersten Quartal 2016 das Ergebnis verhagelt haben. Statt wie versprochen 20.000 Autos konnten nur rund 15.000 ausgeliefert werden.

Musk nimmt die Schuld auf sich, sprach von schweren Versäumnissen und Selbstüberschätzung, die dazu geführt hätte, dass man zu viele technische Spielereien auf einmal in das neue Tesla Model X einbauen wollte. Die Quittung kam in Form von elend langen Produktionsverzögerungen des Elektro-SUV bis hin zu Rückrufaktionen. Nun werfen noch zwei von Musks wichtigsten Produktionsmanager das Handtuch und gehen zu einer Zeit, in der nichts dringender  gebraucht wird als eine reibungslose Fertigung.

Tesla: Verlust steigt - Aktie auch

Tesla

Verlust steigt - Aktie auch

Der Elektroautobauer Tesla hat seine Quartalszahlen vorgelegt: Der Verlust ist weiter angeschwollen – aber nicht so stark wie erwartet. Das honorieren US-Anleger. Ein Grund zur Euphorie liegt auch in den Bestellungen.

Also fährt der Milliardär jetzt persönlich Sonderschichten im Werk im kalifornischen Fremont und schaut sich Autos vor der Auslieferung an. Der Meister ist immer da, wenn es brennt, soll die Geste zeigen, solche groben Schnitzer passieren nicht noch einmal. Musk muss das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen. Denn der Mann, der mit seiner Firma Space X auch zum Mars fliegen möchte, will nicht nur den Produktionsrückstand wieder wettmachen, sondern auch noch eines seiner ehrgeizigsten Ziele früher als geplant erreichen. Bereits 2018 will er 500.000 Tesla pro Jahr produzieren, kündigte er am Mittwoch an, nicht erst 2020, wie zuvor versprochen. Die enorme Nachfrage nach dem angekündigten Model 3 habe zu dieser Revision geführt. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr wurden gerade einmal 50.000 Tesla verkauft. Das Ziel für das laufende Jahr liegt bei 80.000 bis 90.000 Model S und Model X zusammen.

Die Begeisterung der Aktionäre über diese Ankündigung hält sich allerdings in Grenzen. Man kennt das mittlerweile: Musk will zum Mars, Musk will eine unterirdische Super-Rohrpost für Menschen bauen, jetzt will er eben in zwei Jahren die Autoproduktion verfünffachen. Das Problem dabei: Tesla hat noch nie seine ursprünglichen Terminplanungen eingehalten. Das Model X etwa kam mit fast zwei Jahren Verspätung und dann fehlerbeladen. Nachbörslich zog die Tesla-Aktie zwar um gut fünf Prozent auf knapp 230 Dollar an. Aber das machte gerade die Tagesverluste aus dem Börsenhandel wett.

Denn die kurzfristigen Probleme werden immer sichtbarer, und das Schielen auf immer neue Wunder in ferner Zukunft verliert seinen Charme. Es ist der enorme Kapitalbedarf, den der Aufbau einer Autoproduktion erfordert, der verunsichert. In Zahlen: Der Nettoverlust nach Bilanzstandard GAAP stieg im 1. Quartal 2016 gegenüber Vorjahr weiter auf nunmehr 282 Millionen Dollar und liegt damit weit über allen Befürchtungen. „Die Verfünffachung der Produktion in zwei Jahren ist eine echte Herausforderung“, schreibt Musk seinen Aktionären. Aber das sei „unser Ziel und wir arbeiten hart daran“.

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