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01.06.2016

22:01 Uhr

Testturm von Thyssen-Krupp

Das neue Weltwunder von Rottweil

VonMartin Wocher

Thyssen-Krupp baut in Rottweil einen Riesen-Zylinder, um dort seine modernsten Aufzüge zu testen. Auch die schwäbische Kleinstadt setzt auf den Turm, der schon beim Bau zum Publikumsmagneten wurde.

Von Ende 2016 an sollen in der 40 Millionen Euro teuren XXL-Röhre die Aufzüge getestet werden. dpa

Aufzugtestturm von Thyssen-Krupp

Von Ende 2016 an sollen in der 40 Millionen Euro teuren XXL-Röhre die Aufzüge getestet werden.

RottweilNach gut 700 Jahren ist der Kapellenturm im historischen Zentrum von Rottweil seinen Rekord los: So lange thronte er als einer der schönsten gotischen Kirchtürme Europas mit 70 Metern Höhe über der ältesten Stadt Baden-Württembergs. Doch jetzt ist die Ausnahmestellung als höchstes Gebäude der Stadt dahin. Thyssen-Krupp hat hier in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut, der alles überragt.

Stararchitekt Helmut Jahn, für Konzeption und Design mitverantwortlich, nennt ihn schon das „Weltwunder von Rottweil“. Der Clou: Ummantelt wird der Turm von einer Hülle aus beschichtetem Glasfasergewebe, die ihm die Gestalt einer überdimensionierten Schraube gibt.

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Thyssen-Krupp kommt langsam voran, doch Marktturbulenzen setzen dem Konzern zu: Der Gewinnzuwachs speist sich vor allem aus Einsparungen, Firmenverkäufe führen zu zu hohen Sonderabschreibungen. Der Thyssen-Chef erwartet ein schwieriges Jahr.

Doch während der mittelalterliche Kapellenturm vor allem aus kulturhistorischer Sicht seit Jahrhunderten entzückt, dient der Riesenzylinder des Industriekonzerns ganz profanen Zwecken. Hier will Thyssen-Krupp ab Ende des Jahres seine modernsten Aufzüge testen. Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Damit das auch so bleibt, hat der Konzern 40 Millionen Euro für den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert.

Hier kann er seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen in neun Schächten überprüfen. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger — ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Viele Wolkenkratzer haben ein solches Pendel, das vom Wind ausgelöste Schwingungen ausgleichen soll. Bis zu 70 Zentimeter kann ein Hochhaus zu beiden Seiten schon mal schwanken. Diese Schwankung soll der Block auch im Thyssen-Turm ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

„Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator am Mittwoch in Rottweil. Denn je höher die Gebäude sind, umso anfälliger sind sie für den Wind. Aufzüge diesen realen Bedingungen zu unterwerfen und zu schauen, wie sie reagieren, ist zunächst einmal eine Frage der Sicherheit. Es ist aber auch eine des Komforts: „Das ist wie bei hohem Seegang“, sagte Schierenbeck. „Den Menschen wird einfach schlecht.“

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