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09.11.2016

16:12 Uhr

Teure Medikamente

Pharmabranche gewinnt mit Donald Trump

VonSiegfried Hofmann

Pharmaaktien gehören zu den wenigen Profiteuren des Trump-Sieges. Die Branche setzt darauf, dass der neue Präsident weniger Preisdruck auf Medikamente auslöst als seine Konkurrentin.

Für die Pharmahersteller ist der US-Markt besonders wichtig und ertragreich. dpa

Medikamente

Für die Pharmahersteller ist der US-Markt besonders wichtig und ertragreich.

FrankfurtDer überraschende Wahlsieg von Donald Trump sorgt für große Unsicherheit bei Unternehmen und Investoren. Aber zumindest eine Gewinnerbranche hat die Börse identifiziert: Gesundheits- und insbesondere Pharmaaktien profitierten am Mittwoch zum Teil deutlich vom Ausgang der US-Wahl. Die Anteilsscheine von Pfizer lagen nach dem Start der US-Börsen gut acht Prozent im Plus, Merck & Co fünf Prozent, Amgen und Lilly jeweils mehr als vier Prozent. Bereits am Vormittag hatten die Aktien von Bayer und Merck um jeweils mehr als drei Prozent zugelegt, ähnlich den meisten europäischen Pharmawerte. Die dänische Novo Nordisk gewann sogar sieben Prozent.

Die Erleichterung der Investoren ist berechtigt. Denn Pharmaunternehmen stehen wegen ihrer Preispolitik bei Medikamenten immer wieder in der Kritik. Und ein amerikanischer Präsident Donald Trump gilt vielen im Vergleich zu Hillary Clinton als das kleinere Übel.

Zudem zeichnet sich ab, dass die Branche bei einer Volksabstimmung in Kalifornien einen Vorschlag abwehren konnte, der wohl auf deutliche Preissenkungen bei Medikamenten im Bereich staatlicher Gesundheitsprogramme hinausgelaufen wäre.

Unter dem Eindruck von drastischen Preiserhöhungen bei einigen älteren Produkten hatten sowohl Clinton als auch Trump im Wahlkampf die Preisstrategien der Pharmafirmen aufs Korn genommen. Allerdings fielen die Vorschläge von Trump in dieser Hinsicht weniger drastisch und detailliert aus als die seiner Konkurrentin. Seine konkreteste Forderung mit Blick auf Pharmapreise: Amerikaner sollten Zugang zu preiswerten, importierten Medikamenten erhalten, was ihnen bisher verwehrt ist. Anders als Clinton hat sich Trump aber zum Beispiel nicht konkret dafür ausgesprochen, staatlichen Einrichtungen und Versicherungen mehr Verhandlungsmacht gegenüber den Pharmaherstellern zu geben.

Studie zum Brexit: Hohes Risiko für Pharmakonzerne

Studie zum Brexit

Hohes Risiko für Pharmakonzerne

Für die deutsche Pharmaindustrie dürfte der Austritt Großbritanniens aus der EU eine große Herausforderung werden. Sie sei „die mit Abstand am stärksten betroffene Branche“, heißt es in einer Studie des ZEW.

Dabei hat die Debatte um die Medikamentenpreise längst ihre Spuren in der Branche hinterlassen. Auslöser waren dabei nicht einmal so sehr die Preisstrategien der großen Pharma-Konzerne, sondern vor allem die Aktionen von kleineren Firmen wie Valeant, Turring und zuletzt Mylan. Sie versuchten mit drastischen Preiserhöhungen bei älteren Produkten, ihre Umsätze zu puschen.

Aber auch die sehr aggressive Preispolitik des Biotech-Konzerns Gilead bei seinen neuen Hepatitis-Medikamenten löste erheblichen Wirbel aus und sorgte dafür, das Thema bereits ab Mitte 2015 in den Fokus von Politikern und damit auch in den Wahlkampf zu rücken. Aktien von US-Biotechfirmen haben seither im Schnitt rund ein Drittel an Wert verloren, wobei die kleineren Vertreter der Branche besonders stark betroffen waren. Hintergrund ist die Furcht, dass es mittelfristig schwieriger werden könnte, hohe Preise für Neuentwicklungen durchzusetzen.

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