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08.08.2012

09:01 Uhr

Teure Messe

Heidelberger Druck rutscht tiefer in die Verlustzone

Die Druckbranche liegt darnieder. Der Maschinenbauer türmt daher noch höhere Verluste auf. Ein teurer Branchentreff schlug zudem auf die Bilanz. Immerhin brachte die Messe Drupa einige Aufträge ein.

Mit einem Stellenabbau will Heidelberger Druck die Wende zum Besseren schaffen. dapd

Mit einem Stellenabbau will Heidelberger Druck die Wende zum Besseren schaffen.

StuttgartDer Maschinenbauer Heidelberger Druck ist im zurückliegenden Quartal wegen der teuren Branchenmesse Drupa noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust nach Steuern habe sich in den Monaten April bis Juni auf 74 Millionen von 46 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erhöht, teilte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller am Mittwoch in Heidelberg mit. Neben einem schwächeren operativen Ergebnis habe auch ein schlechteres Finanzergebnis dazu beigetragen.

Vor der nur alle vier Jahre im Frühjahr stattfindenden Branchenmesse hätten sich die Druckereien mit Neuanschaffungen zurückgehalten. Daher schrumpfte der Umsatz im abgeschlossenen Vierteljahr um 4,4 Prozent auf 520 Millionen Euro, wie Heidelberg bereits Mitte Juni berichtet hatte. Auch der laufende Stellenabbau, mit dessen Hilfe Heideldruck vom nächsten Geschäftsjahr 2013/14 (31. März) an wieder Gewinne schreiben will, schlug im Auftaktquartal dieses Jahres negativ mit hohen Ausgaben zu Buche.

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Von dem teuren Branchentreffen profitierte jedoch der Auftragseingang, der mit 890 Millionen Euro ein Drittel über Vorjahr lag und den höchsten Stand seit 2008 erreichte. Seitdem schreibt der auf Bogendruckmaschinen zur Herstellung von Katalogen, Plakaten, Verpackungen und Geschäftspost spezialisierte Maschinenbauer rote Zahlen, rund 5000 Beschäftigte verließen in diesem Zeitraum das Unternehmen. Der binnen Jahresfrist um knapp 20 Prozent gestiegene Orderbestand werde vor allem in der zweiten Hälfte dieses Geschäftsjahres zu steigenden Umsätzen führen, stellte das Unternehmen in Aussicht.

Operativ werde Heidelberger Druck im laufenden Geschäftsjahr zwar schwarze Zahlen ausweisen können, sofern Sondereffekte wie die Kosten für das Sparprogramm und den Anlauf neuer Produkte ausgeklammert würden. Nach Steuern werde das Ergebnis jedoch das fünfte Geschäftsjahr in Folge negativ ausfallen, bekräftigte der Vorstand.

Die schwelende Euro- und Staatsschuldenkrise sorge zusätzlich für Gegenwind und erschwere eine konkretere Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Ab September übernimmt der 56-jährige Gerold Linzbach, der früher den Duft- und Aromenherstellers Symrise geführt hat, den Chefposten im Vorstand. Der seit rund 13 Jahren an der Unternehmensspitze stehende Bernhard Schreier verlässt den Konzern zum Jahresende. Aktuell beschäftigt das Unternehmen knapp 15.000 Mitarbeiter.

Kommentare (3)

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08.08.2012, 08:37 Uhr

Das wirklich sehr gut organisierte Unternehmen Heidelberger Druck wird letztlich nur ein Opfer der technologischen Entwicklung - mehr nicht. Aber leider auch nicht weniger.

Klartext

08.08.2012, 09:01 Uhr

Von wegen gut organisiertes Unternehmen. Der technologische Wandel, der sich seit mindestens 15 Jahren in der Branche vollzieht, wurde komplett verschlafen. Mit Sparprogammen als ultima Ratio wird immer erst reagiert, wenn es schon längst zu spät ist. Obwohl das Unternehmen 2009 mit Mitteln des Steuerzahlers (Landesbürgschaft) gerettet wurde, werden luxuriöse Abfindungen vereinbart. Ein Azubi, der nach seiner Ausbildung ein Jahr im Unternehmen gearbeitet hat, erhält eine Abfindung von 20.000,- Euro !!! Alles auf Kosten des Steuerzahlers. Die Vorstandsbezüge wurden im gleichen Zeitraum ausweislich des Geschäftsberichts kräftig erhöht. Das ist sicherlich angemessen, denn es ist schon eine großartige unternehmerische Leistung den Aktienkurs von 65 Euro auf 1 Euro zu bringen. Weiter so!

Klarkopf

16.08.2012, 12:35 Uhr

Woher manche ihre Informationen haben ist mir unklar. Ich bin kein Azubi und nun schon 15 Jahre im Unternehmen. 20.000 Euro hätte ich nicht bekommen!
Die Produkte unserer Firma sollten wir lieber von Fachleuten bewerten lassen, von unseren Kunden! Ich kann jedenfalls nicht erkennen das wir die technologischen Schlusslichter sind. Was ganz sicher richtig ist, und darin liegt auch das größte Problem, dass diese Firma zu organisiert ist. In vielen Bereichen hat man eher den Eindruck in einer Behörde zu sein als in einem marktorientierten Unternehmen. Der "Wasserkopf" wie er gern genannt wird, der ist zu groß!
Wenn Heidelberg dieses Sparpotenzial ausschöpft würd ich gern die Gesichter bei der Konkurenz sehen.
Viel Erfolg Herr Dr. Linzbach!

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