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18.01.2007

09:20 Uhr

Teure Rückrufaktion

LKW-Hersteller Fuso gerät wieder ins Schleudern

Die japanische Daimler-Tochter bezieht noch diese Woche offiziell Stellung zu einer möglichen Rückrufaktion. Betroffen wären 30 000 Radnaben. Bereits im Jahr 2002 erregte Fuso durch einen verheerenden Defekt Aufmerksamkeit. Für Daimler bedeutet dies einen Rückschlag.

(fmk/hz) FRANKFURT/TOKIO. Der japanische Lastwagenhersteller Fuso, eine Tochter von Daimler-Chrysler, steht vermutlich vor einer neuen Rückrufaktion, die diesmal 30 000 Radnaben betrifft. Branchenkreise erwarten, dass der Rückruf heute erfolgt.

Ein Fuso-Sprecher sagte, zurzeit liefen noch Beratungen mit dem japanischen Transportministerium. Dabei solle geklärt werden, ob ein Rückruf nötig sei. Das Unternehmen wolle sich bis Ende der Woche offiziell äußern. Daimler-Chrysler ist mit 85 Prozent an Fuso beteiligt.

Im Oktober vergangenen Jahres war in Japan die Radnabe eines Fuso-Lasters gebrochen. Seitdem hat das Unternehmen LKW mit ähnlichen Kilometerständen überprüft und Risse in den Radnaben gefunden. Im Februar 2002 hatte ein Fuso-Fahrzeug eine Frau überfahren, weil sich ein Rad gelöst hatte. Das Unternehmen hatte danach versichert, die seither eingeführte Konstruktion der Räder sei sicher.

Daimler wirft der Rückruf beim Wiederaufbau der Marke Fuso wieder etwas zurück. „Ein Rückruf würde sich in den Verkaufszahlen von Fuso bemerkbar machen“, glaubt Toshihiko Matsuno von SMBC Friend Securities. Die Stuttgarter hatten geglaubt, dass sie die größten Probleme bei Fuso in den Griff bekommen hätten, nachdem das Image des LKW-Bauers noch in der Ära des Vorbeisitzers Mitsubishi durch einen Skandal um Qualitätsmängel schwer belastet worden war. Fuso spielt inzwischen in der Asienstrategie des Daimler-LKW-Vorstands Andreas Renschler eine entscheidende Rolle. Der Ex-LKW-Tochter der ehemaligen Beteiligung Mitsubishi Motors (MMC) wird eine Schlüsselrolle für die Expansion in die asiatischen Schwellenländer zugedacht.

Die Stuttgarter hatten sich erst im Frühjahr 2005 mit dem japanischen Autobauer MMC auf eine Entschädigung für die Qualitätsmängel bei Fuso geeinigt. MMC gab damals seine restlichen 20 Prozent an Fuso an Daimler ab. Fuso musste damals wegen der Qualitätsprobleme fast eine Million Fahrzeuge zurückrufen, was das Image des japanischen LKW-Herstellers in seinem Heimatland schwer lädiert hat. Noch immer belastet die Restrukturierung der japanischen Tochter Fuso die Ergebnisse in Stuttgart. Zeitweise war Fuso in Japan wegen der Vertuschung der Probleme sogar von der Ausschreibung von Regierungsaufträgen ausgeschlossen worden. Inzwischen kaufen aber auch die japanischen Behörden wieder bei der LKW-Marke im Daimler-Besitz.

Dennoch bleibt Fuso vorerst ein Problemfall. Der neue Fuso-Chef Harald Bölstler, der seit Mitte 2005 an der Spitze des LKW-Bauers steht, hatte gehofft, dass das Kapitel Qualitätsmängel und Rückrufaktionen abgeschlossen sei. Mit dem neuerlichen Rückruf werden nun jedoch die Erinnerungen an den Skandal um Qualitätsmängel aufgefrischt, was neue Kratzer am Markenimage des LKW-Bauers hinterlassen könnte.

„Normalerweise sind solche Mängel nicht weiter bemerkenswert, aber bei Fuso ist ein Rückruf natürlich sensibel“, sagte WestLB-Auto-Analyst Horst Schneider. „Ich glaube aber nicht, dass es ein großes Thema wird.“

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