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17.11.2012

12:29 Uhr

Textilbranche

Der Outdoor-Markt wird härter

VonJoachim Hofer

Die Outdoor-Branche expandiert an allen Ecken und Enden. Doch es gibt Ansätze für eine Marktsättigung. Ein Verdrängungswettbewerb hat eingesetzt, den nur die cleversten Firmen überstehen werden.

Frau mit Jack-Wolfskin-Jacke: Die Branche boomt, die Wachstumsraten sind aber nur noch moderat – verglichen mit früheren Zahlen.

Frau mit Jack-Wolfskin-Jacke: Die Branche boomt, die Wachstumsraten sind aber nur noch moderat – verglichen mit früheren Zahlen.

MünchenNoch wird in dem markanten runden Bau an der A 8 nördlich von Augsburg gehämmert, gebohrt und geschliffen. "Doch Ende des Jahres wollen wir einziehen", sagt Deuter-Chef Bernd Kullmann. Dann wird Deutschlands führende Rucksack-Marke ihr neues Hauptquartier mit angeschlossenem Logistikzentrum in Betrieb nehmen.

Die Bauarbeiter sind derzeit überall in der Outdoor-Industrie gefragt. Gerade erst hat das Bergsportlabel Mammut ein Versandlager für Europa im Allgäu eröffnet. Gleichzeitig haben die Schweizer ihre Deutschland-Zentrale in den Neubau direkt an der A 7 verlagert. Die Kosten: Mehr als 20 Millionen Euro und damit rund 15 Prozent vom Umsatz des letzten Jahres. So viel haben die Eidgenossen noch nie auf einen Schlag ausgegeben.

Beim bayerischen Wanderschuh-Hersteller Meindl werden die Bagger vermutlich kommendes Frühjahr anrücken, um die größte Einzelinvestition der 329-jährigen Firmengeschichte in Angriff zu nehmen: Im malerischen Kirchanschöring soll ein Logistikzentrum die veralteten Lagerhallen ersetzen.

Wege zum sauberen Textilimport

Direkteinkauf

Textilriesen kaufen Kleidung meist über Importeure. Die Dienstleister im Dunkeln knabbern zwar an den Margen – ihnen können sie aber bei Skandalen die Verantwortung aufladen. Wer das vermeiden will, muss die Lieferkette in Eigenregie kontrollieren.

Mehr Transparenz

Lieferanten in Ländern wie Bangladesch wickeln ihre Bestellungen oft über Partnerfirmen ab, die in bedeutend schlechterem Zustand sind als die Vorzeigefabriken. Wer seine Verantwortung ernst nimmt, muss in diese Subfabriken Kontrolleure schicken und Kunden deren Namen nennen können.

Lokale Präsenz

Echten Einblick in die Arbeitsbedingungen bekommen nur eigene Mitarbeiter der Modeunternehmen, die ständig vor Ort sind. Jedes Label sollte daher ein Team aus entsandten und lokalen Einkäufern, Beratern und Kontrolleuren im Lieferland aufbauen.

Beratung für Lieferanten

Der Glücksfall ist die Arbeit mit Lieferanten, die ihren Hauptkunden als Partner verstehen – und sich mit dessen Hilfe weiterentwickeln wollen. Das erfordert Vertrauen auf beiden Seiten und viel Zeit. Hilft ein Modekonzern seinen Lieferanten, die Produktivität zu verbessern, steigt auch dessen Bereitschaft zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Lobbying vor Ort

Labels wie H&M, C&A, Kik oder Tommy Hilfiger importieren solche Mengen aus Bangladesch, dass sie über gewaltigen Einfluss verfügen – theoretisch. Praktisch arbeitet jeder für sich, statt gemeinsam am runden Tisch mit der Regierung nach besseren Gesetzen zu verlangen. Auch politischer Druck ist rar, obwohl gerade Deutschland in Entwicklungsländern viel Respekt genießt.

Konkurrent Salewa hat bereits vergangenes Jahr eine architektonisch spektakuläre Zentrale mit angeschlossenem Lager direkt an die Brenner-Autobahn in Bozen gesetzt und dafür 40 Millionen Euro in die Hand genommen.

Die Unternehmen investieren aus gutem Grund so viel. "Unser neues, vollautomatisches EU-Lager wird unserem Wachstum gerecht", sagt Mammut-Chef Rolf Schmid. Viele Marken haben in den vergangenen Jahren stark zugelegt, so dass sie in ihren alten Gebäuden an Grenzen stoßen. Deuter etwa hat seit 2006 Umsatz und Mitarbeiterzahl glatt verdoppelt. "Den Neubau sind wir unseren Mitarbeitern einfach schuldig", unterstreicht Firmenchef Kullmann.

Doch das ist noch nicht alles. Der Konkurrenzdruck nimmt zu, die über Jahre hinweg zweistelligen Wachstumsraten der Branche sind in Europa passé. "Wir sind auf einem hohen Niveau. Das zu halten ist schon eine Kunst", sagt Klaus Jost, Chef der Sporthändlervereinigung Intersport. Für so manchen Ladenbesitzer ist Outdoor inzwischen der wichtigste Umsatzbringer. Viele Kunden sind mittlerweile allerdings voll ausgestattet mit wetterfesten Jacken, Hosen und Schuhen.

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Ein Verdrängungswettbewerb entwickelt sich daher. Die Firmen müssen die internen Abläufe verbessern, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ein neues Lager sei da ein wesentlicher Schritt, meint Mammut-Boss Schmid: "Wir werden dadurch effizienter und können unsere Logistikkosten senken."

Kommentare (4)

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svebes

17.11.2012, 13:07 Uhr

Da auch wir privat sehr gut ausgerüstet sind und einiges an Geld in Hand genommen haben stolperten wir immer über eine Frage bei Ergänzungskäufen: Wo wird das eigentlich hergestellt? Dann stiess ich auf folgenden Artikel, Zitat: Lohnkosten machen 0,4 Prozent des Preises aus.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/studie-outdoor-hersteller-fallen-bei-sozialer-verantwortung-durch-a-705681.html

Bei 500€ und mehr für eine Jacke kann mir niemand erzählen, dass das Material so teuer ist um diese Preise zu rechtfertigen. Die ersten die wohl ernst machen sind Patagonia. Wir werden uns deren Angebot in Zukunft genauer anschauen. Dahin geht der Wettbewerb. Fertigung in Deutschland, oder Schweiz, oder Zentraleuropa - genau in dieser Reihenfolge. Dann dürfen diese Sachen auch weiterhin soviel kosten. Bei Tests haben erstaunlicherweise auch die der Discounter recht passabel abgeschnitten. Wenn es schon egal wo etwas zu welchen Bedingungen hergestellt wird, dann kann man das gleich für 50, statt 500€ kaufen.

Account gelöscht!

17.11.2012, 13:19 Uhr

Bisher hatte ich Lowa-Schuhe, nach einem Garantieproblem habe ich zu Meindl gewechselt. Kürzlich habe ich gelesen, dass die ihren Standort in Bayern ausbauen. Solange sie gut bleiben, werde ich bei der Marke bleiben.

Wolfsfreund

17.11.2012, 13:40 Uhr

Hmmm, die meisten Outdoor-Labels sind doch eher darauf abgestellt, den Benutzer auch draußen schick gekleidet aussehen zu lassen. Man muß schließlich "in" sein.
Ich mache es mir entschieden einfacher: Nach dem Motto "Form follows function" gibt es kaum was Robusteres und Preiswerteres (preiswert im Sinne von "den Preis wert", nicht "billig") als Armeeklamotten für die jeweilige Klimazone. Genau die benutze ich und habe damit beste Erfahrungen gemacht. Nur bei Après Ski und Hüttenabend wirkt man damit möglicherweise etwas zu martialisch (spätestens dann, wenn noch ein 5-Zöller mit geschwärzter Klinge am Gürtel hängt)...
...aber solchem Schickimicki-Rummel gehe ich eh aus dem Weg... :-)

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