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21.01.2011

09:19 Uhr

Thyssen-Krupp

Heinrich Hiesingers fast unmögliche Mission

VonMarkus Hennes, Martin Murphy

Heinrich Hiesinger übernimmt die Führung beim Ruhrkonzern Thyssen-Krupp. Der neue Chef wird es schwer haben, die Erwartungen zu erfüllen. Sein Spielraum ist durch die hohen Schulden begrenzt. Er müsste in neue Technologien investieren, doch er kann nicht,

Heinrich Hiesinger wird neuer Vorstandschef von Thyssen-Krupp. dpa

Heinrich Hiesinger wird neuer Vorstandschef von Thyssen-Krupp.

DÜSSELDORF, ESSEN . 600 Führungskräfte des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp machen sich aus aller Welt auf den Weg in die Essener Zentrale. Es ist kein gewöhnliches Treffen. Der Termin wurde um mehrere Monate vorverlegt, damit die Manager dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz einen würdigen Abschied bereiten können.

Doch in Wirklichkeit interessiert die Führungskräfte nur eins: Sie wollen von Heinrich Hiesinger, der dann noch keinen vollen Tag neuer Thyssen-Krupp-Chef sein wird, erfahren, wie er eine neue Ära einläuten will.

Der neue Mann an der Spitze hat ein Problem: Selten war die Kluft zwischen den Erwartungen an einen neuen Konzernchef und dessen tatsächlichen Möglichkeiten größer als bei Thyssen-Krupp.

Der Konzern braucht eine Kehrtwende – weg von der Konzentration auf das Stahlgeschäft und hin zu einer Verstärkung der jetzigen Ertragsbringer. Weniger Stahl, mehr Technologie, lautet die Marschrichtung. Das weiß auch Schulz: "Diese Bereiche müssen nun ausgebaut werden", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Doch die Handlungsspielräume sind begrenzt. Denn für Übernahmen und neue Milliardeninvestitionen fehlt Geld. Das zeigt ein Blick in die Bilanz. Der 69-jährige Schulz hinterlässt seinem Nachfolger einen Schuldenberg – entstanden durch den Bau der Werke in Brasilien und den USA, der zehn Milliarden Euro verschlang. Auf dem Konzern lasten Finanzverbindlichkeiten von netto vier Milliarden Euro. Das sind fast 90 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Konkurrent Salzgitter dagegen ist schuldenfrei und hat mit 50 Prozent eine doppelt so hohe Eigenkapitalquote.

Wenn Hiesinger also erstmals in seiner neuen Funktion vor das Management tritt, dann tut er dies mit leeren Taschen. Größere Akquisitionen, die die Aufzugssparte oder den Anlagenbau nach vorn brächten, lässt das Budget nicht zu.

Schon allein die schlechten Noten der Ratingagenturen erzwingen einen Konsolidierungskurs. Standard&Poor’s bewertet Thyssen-Krupp mit "BB+" – das ist Ramschstatus. Die mit der US-Expansion entstandene Unwucht muss raus aus der Bilanz. Zwar schreibt der Konzern nach einem Nettoverlust von 1,9 Milliarden im Krisenjahr 2008/09 wieder schwarze Zahlen. Doch bis der Schuldenberg auf ein erträgliches Maß abgebaut ist, werden wohl noch zwei Jahre ins Land gehen.

Ausgerechnet die Großprojekte in Amerika sollen die Wende bringen. Diese Standorte würden mit "ihrer Kostenstruktur die künftigen Cash-Cows" sein, sagte Schulz. Fest steht: Noch verschlingen sie Geld. Im laufenden Geschäftsjahr werden es 500 Millionen Euro sein.

Kommentare (1)

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Margrit Steer

21.01.2011, 12:52 Uhr

Es ist leider immer wieder das gleiche.
Falsches Management durch Auslandsspielereien, unnütze Zukäufe etc.
Wann begreifen unsere sogg. Führungskräfte endlich mal wieder, dass man eine Firma nur nach alten kaufm. Regeln leiten kann?
Hinzu kommen die exorbitanten Zahlungen und boni an die Manager, eine Unsitte aus den USA, die ja vor allem Schremp nach Deutschland gebracht hat. Auch seine Auslandsspielerei mit Chrysler ist in die Hose gegangen zu Lasten des deutschen Werkes.
Kein Manager, keine einzige Führungskraft ist mehrere Millionen im Jahr wert.
im Grunde genommen sind diese "Gehälter" die sich genehmigen Veruntreuung von Firmengeldern
Das Elend von Thyssen-Krupp begasnn schon vor vielen Jahren mit Cromme, als beide Firmen zusammen geschmissen wurden und die Auslandsspielerein, dfie Arroganz und der Hochmut begannen.
So wird auf Dauer jeder ordentliche betrieb in Deutschland zerstört.
Die Vorfahren und einstigen Gründer, die noch richtig gearbeitet haben, würden sich im Grab umdrehen.
Wir brauchen als Firmenvorstände keine bWL-er und "Sanierer", wir brauchen endlich wieder VWL-er und Ökonomen, die einen betrieb wieder als Ganzes sehen.
Das "Führen" eines betriebes ohne fundierte Kenntnisse dessen was die Firma produziert udn macht, geht nicht mehr. Also branchenkenntnisse müssen wieder vorhanden sein. Und nicht das Rumgehuppel von eineer branche zur anderen, heute bücher, morgen Mode und übermorgen machen wir halt mal ein bißchen in Stahl. Fahren wir die betriebe vor die Wand, macht nichts, unsere Abfindugnsmillionen kriegen wir trotzdem, nach diesem Motto läuft es doch nun seit Jahren
Und nach dem Motto mit einem Laptop, Händy, ein paar Controllerzahlen und hin und wieder dümmlichen Power-point-Präsentationen, könne man einen betrieb leiten, hat sich doch nun mehrfach als Nonsens erwiesen.
An die Spitze eines solchen Unternehmens gehört fürs Technische ein Dipl-ing., fürs Kaufmännische ein VWL-er
Nur so können wir unsere Wirtschaft wieder in die richtigen bahnen lenken.
Und es muß vor allem endlich die volle Managerhaftung her. Wer Scheiße bazut, fleigt und zwar ohne einen Pfennig.
Wann wird das wieder begriffen?

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