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20.01.2017

10:49 Uhr

Thyssen-Krupp

Hiesinger schließt schnelle Fusion mit Tata aus

Von einer schnellen Fusion mit Mitbewerber Tata Steel sieht Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger derzeit ab. Haupthindernis seien die milliardenschweren Pensionslasten von Tata in Großbritannien.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger will keine übereilte Fusion mit Tata Steel. dpa

Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen

Vorstandschef Heinrich Hiesinger will keine übereilte Fusion mit Tata Steel.

DüsseldorfEine Woche vor der Hauptversammlung hat Thyssen-Krupp -Chef Heinrich Hiesinger Erwartungen einer raschen Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel gedämpft. „Ob, wann und mit wem ein Konsolidierungsschritt kommen wird, ist weiterhin offen“, sagte der Manager der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wir sehen die strategische Notwendigkeit. Aber wir handeln verantwortungsbewusst, und es muss am Ende eine gute Lösung für Thyssen-Krupp sein.“ Der größte deutsche Stahlkonzern lotet seit Monaten einen Zusammenschluss seines Stahlgeschäfts mit Tata Steel aus. Gemeinsam wären sie der zweitgrößte Stahlkocher Europas nach ArcelorMittal.

Am Freitag kommender Woche muss sich Hiesinger auf der Hauptversammlung in Bochum den Aktionären stellen. Die Zukunft der Stahlsparte dürfte dabei eine große Rolle spielen. Hiesinger hat seit seinem Amtsantritt 2011 keinen Zweifel daran gelassen, dass er die Zukunft eher in den Technologiegeschäften mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen oder U-Booten sieht. Eine Stahlfusion könnte ein Befreiungsschlag sein. Angesichts der sich seit dem vergangenen Jahr hinziehenden Verhandlungen mit Tata sind allerdings Zweifel aufgekommen, ob es dazu kommt.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Die Stahlbranche leidet unter Überkapazitäten, Preisdruck, Billigimporten und immer schärferen Klimaschutzauflagen. Auch wegen des schwächelnden Geschäfts mit dem Werkstoff ist Thyssen-Krupp weit von seinem Ziel eines operativen Gewinns von mindestens zwei Milliarden Euro entfernt. Im vergangenen Geschäftsjahr schrumpfte dieser Wert um zwölf Prozent auf 1,47 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen es 1,7 Milliarden sein.

Haupthindernis für eine Fusion mit Tata sind die 15 Milliarden Pfund (gut 17 Milliarden Euro) schweren Pensionslasten von Tata in Großbritannien. Bevor man in konkrete Verhandlungen eintrete, müsse dafür eine Lösung her, sagte Hiesinger der Zeitung. Schließlich ist sein Konzern mit seinen 156.000 Mitarbeitern selbst nicht auf Rosen gebettet. Thyssen-Krupp drücken Nettofinanzschulden von 3,5 Milliarden Euro. Das Eigenkapital war auch wegen der eigenen Pensionslasten zuletzt um 700 Millionen auf 2,6 Milliarden Euro geschrumpft.

Eine Kapitalerhöhung sei aber nicht geplant, bekräftigte Hiesinger. „Aktuell sind wir drei Jahre durchfinanziert und konnten die Finanzierungskosten senken.“ Die Ausgabe neuer Aktien würde wohl auch den Anteil der Krupp-Stiftung am Konzern weiter schmälern. Diese hält nach Angaben von Thyssen-Krupp rund 23 Prozent. Der Finanzinvestor Cevian ist mit 15 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär.

Hiesinger machte deutlich, dass er auch ohne Fusion die Stahlsparte neu aufstellen werde. „Eine gute Lösung, die die Zukunftsfähigkeit der Stahlproduktion ermöglicht, braucht Zeit. Deshalb darf es intern keinen Stillstand geben.“ Stahlchef Andreas Goss soll im Frühjahr ein Konzept für das europäische Stahlgeschäft mit seinen rund 27.000 Mitarbeitern vorlegen.

Die Stahlkocher wollen im Fall von Stellenstreichungen und einer Schließung von Standorten auf die Barrikaden gehen. Eine Fusion mit Tata lehnen sie vehement ab. „Wir werden nicht hinnehmen, dass in einer Konsolidierung nun unsere Standorte gefährdet werden“, sagte Konzernbetriebsrat Wilhelm Segerath der Nachrichtenagentur Reuters. „Allein der Versuch würde unsere massive Gegenwehr auslösen.“

Von

rtr

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