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21.01.2010

16:45 Uhr

Thyssen-Krupp

Millionen für die Mangrovensümpfe

VonMartin Murphy

Die Großprojekte in Amerika werden für den Thyssen-Krupp-Konzern noch teurer. Der Aufsichtsrat beschloss kurz vor dem Start der Hauptversammlung eine erneute Aufstockung des Investitionsbudgets. In fünf Jahren soll das Werk Gewinn abwerfen. Aber Brasilien ist nicht der einzige Aufreger.

Ein Thyssen-Mitarbeiter überreicht dem Ehrenvorsitzendem Berthold Beitz ein T-Shirt, dpa

Ein Thyssen-Mitarbeiter überreicht dem Ehrenvorsitzendem Berthold Beitz ein T-Shirt,

BOCHUM. Bei einem Kurzbesuch verschaffte sich Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz kurz vor der Hauptversammlung einen Überblick über den Fortgang der Großprojekte in Brasilien und den USA. Das Ergebnis muss ihn erschreckt haben, denn im Hauruck-Verfahren stockte der Aufsichtsrat wenige Stunden vor Beginn der Hauptversammlung in Bochum das Investitionsbudget auf. Nach heutigem Stand werden die neuen Werke in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama über zehn Mrd. Euro kosten und damit erheblich mehr als geplant.

Nachdem Schulz Ende November Spekulationen über eine Kostenexplosion bei der brasilianischen Stahlhütte noch als „eindeutig falsch“ bezeichnet hatte, musste er nun einräumen, dass das Investitionsbudget von 4,7 Mrd. auf nun 5,2 Mrd. Euro erhöht werden muss. Ursprünglich hatte der Konzern lediglich 1,3 Mrd. eingeplant. Hinzu kommen nach Informationen aus Konzernkreisen noch einmal Anlauf- und Projektkosten in Höhe von 1,3 Mrd. Euro, von denen nach Angaben von Finanzvorstand Alan Hippe bereits 690 Mio. Euro verbucht wurden.

Teurer wird auch der Bau des Stahlwerkes in den USA. Das Investitionsvolumen steige um zehn Prozent auf 2,6 Mrd. Euro, sagte Schulz. Auch hier fallen zusätzlich noch Anlaufkosten in dreistelliger Millionenhöhe an. Diese Aufwendungen dürfen nach Konzernangaben nach dem Bilanzierungsstandard IFRS nicht dem Investitionsbudget zugerechnet werden. Zur Entwicklung des Edelstahlwerkes machte der Konzern keine Angaben.

Die Kostensteigerung für das brasilianische Stahlprojekt begründete Schulz mit Mehraufwendungen für den Umweltschutz sowie zusätzlichen Ausgaben etwa für die Wasserversorgung. Verantwortlich für die Misere machte er vor allem die Lieferanten: Lediglich der Bau einer Sinteranlage durch die finnische Outokumpu sei planmäßig gelaufen. Bei anderen Werken wie der Kokerei waren umfangreiche Nacharbeiten nötig geworden, was auch Verzögerung nach sich gezogen hat. Die Produktion der Hütte soll nun im dritten Quartal anlaufen; zuletzt hatte der Konzern ein Hochfahren zur Jahresmitte in Aussicht gestellt.

Werke sollen schnell rentabel sein

Ungeachtet der Rückschläge sieht Schulz die Wirtschaftlichkeit der Werke nur geringfügig geschmälert. „Die Renditen der beiden Großprojekte gemeinsam betrachtet, aber auch bei einer Einzelbetrachtung, liegen auf Basis der derzeit bestehenden Planungsprämissen über dem Kapitalkostensatz des Konzerns in Höhe von 8,5 Prozent“, sagte der 68-jährige Manager. Nach Angaben von Finanzvorstand Hippe sollen die Projekte die Gewinnschwelle drei bis fünf Jahre nach Produktionsstart erreichen.

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