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18.01.2007

17:07 Uhr

Thyssen-Krupp rüstet sich

Stählerne Festung

VonMarkus Hennes

Thyssen-Krupp will morgen auf der hauptversammlung die Macht der Konzernstiftungen zementieren. Nicht nur die Investoren wehren sich. Auch unter dem Gesichtspunkt der Corporate Governance sind die Pläne äußerst umstritten.

Geschäftsberichte zur Hauptversammlung des Stahl- und Industriekonzerns Thyssen-Krupp. Foto: dpa dpa

Geschäftsberichte zur Hauptversammlung des Stahl- und Industriekonzerns Thyssen-Krupp. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Thyssen-Krupp rüstet sich gegen eine feindliche Übernahme. Aus Angst, der größte deutsche Stahlhersteller könne wie der Luxemburger Konkurrent Arcelor von einem Angreifer geschluckt werden, soll die Hauptversammlung des Ruhrkonzerns an diesem Freitag eine Satzungsänderung beschließen, die die Macht des bisherigen Großaktionärs zementieren würde. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, die erst in den vergangenen Wochen ihren Aktienanteil auf 25,1 Prozent aufgestockt hat, soll künftig unabhängig vom Votum der Hauptversammlung drei Vertreter der Kapitalseite in den Aufsichtsrat entsenden dürfen.

Gemeinsam mit den Arbeitnehmern hätte die Krupp-Stiftung nach einer Satzungsänderung auf ewig eine Stimmenmehrheit im Aufsichtsrat. Das Gremium hat insgesamt 20 Mitglieder, zehn Vertreter der Aktionäre und zehn Arbeitnehmervertreter. Eine feindliche Übernahme mit dem Ziel, den Mischkonzern in seine Einzelteile zu zerschlagen, wäre damit praktisch chancenlos. Selbst ein Angreifer, der über die Börse eine Aktienmehrheit zusammenkaufte, könnte an den Mehrheitsverhältnissen im Aufsichtsrat nichts ändern.

Die Gefahr eines Angriffs halten Finanzmarktexperten für akut. Thyssen-Krupp zählt zu den weltweit führenden Produzenten von hochwertigem Stahl, wie ihn vor allem die Automobilindustrie benötigt, und wäre deshalb vor allem für die finanzstarken Stahlhersteller aus Russland, Indien oder Brasilien interessant, die derzeit die Branche durcheinander wirbeln. Auch Finanzinvestoren könnten auf der Lauer liegen.

Denn die Summe aller Einzelteile des Konzerns ist etwa doppelt so viel wert wie die aktuelle Börsenkapitalisierung von 18,3 Mrd. Euro, heißt es in einer Studie der US-Investmentbank JP Morgan. Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz selbst wies kürzlich auf die Gefahr hin: „Wir können nicht ausschließen, dass wir bereits ein Übernahmeobjekt waren“, rechtfertigte er kürzlich den geplanten Schutzschild.

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