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05.12.2011

11:48 Uhr

Thyssen-Krupp

Stürzt Ekkehard Schulz über Amerika-Desaster?

VonMartin Murphy

Nach den massiven Verlusten durch das Großprojekt in Brasilien wächst der Unmut über den früheren Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz. Der Stahlmanager kann sich seines Aufsichtsratssitzes nicht mehr sicher sein.

Der einstige Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, steht jetzt als Aufsichtsratsmitglied stark unter Druck. dpa

Der einstige Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp, Ekkehard Schulz, steht jetzt als Aufsichtsratsmitglied stark unter Druck.

EssenDas neue Stahlwerk von Thyssen-Krupp in Brasilien ist nicht nur ein Milliardengrab, es ist auch ein Karrierekiller. In den vergangenen fünf Jahren haben sich zwei Generationen von Managern an dem Großprojekt abgearbeitet - und sind gescheitert. Im März 2009 mussten die Vorstände Jürgen Fechter und Karl-Ulrich Köhler gehen. Am vergangenen Freitag nun traf es die nächste Führungskraft: Hans Fischer muss nach nur einem Jahr seinen Posten als Bereichsvorstand für das amerikanische Stahlgeschäft räumen. Allen drei Managern werden Fehler beim Bau und Hochfahren des Stahlwerks in Brasilien angelastet, die die milliardenteuren Mehrausgaben nach sich zogen, unter denen der Industriekonzern heute leidet.

Fischer trägt wie Köhler und Fechter Schuld an der Misere in Übersee, aber nur zum Teil. Geplant und durch die Entscheidungsgremien geschleust wurden die neuen Werke in Brasilien und den USA vom früheren Vorstandschef Ekkehard Schulz und seinem Intimus Ulrich Middelmann. Oberster Kontrolleur war damals Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Während Middelmann seit dem altersbedingten Abschied vor anderthalb Jahren keine Rolle im Konzern mehr spielt, nimmt Schulz eine wichtige Position ein. Mit den Stimmen der Krupp-Stiftung - des Hauptaktionärs - wurde er nach der Hauptversammlung im Januar 2011 direkt in den Aufsichtsrat berufen. Wurde der schnelle Wechsel anfänglich begrüßt, so wächst im Konzern spätestens seit vergangener Woche der Unmut über Schulz. "Warum muss Fischer gehen, das eigentliche Mastermind für das Brasilien-Projekt darf aber im Aufsichtsrat bleiben?" fragte eine Führungskraft.

Am vergangenen Freitag hatte Thyssen-Krupp mit der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2010/11 einmal mehr einräumen müssen, dass der Konzern die Probleme in Brasilien nicht in den Griff bekommt. Satte 2,1 Milliarden Euro musste das Unternehmen auf Steel Americas abschreiben. Die Sparte umfasst neben Brasilien auch Weiterverarbeitungswerke im Süden der USA.

Kommentare (7)

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Nirgendwer

05.12.2011, 11:56 Uhr

Er wird's überleben, denn auch er dürfte seine Schäfchen schon sehr, sehr lange im Trockenen haben . . .

Lutz

05.12.2011, 12:23 Uhr

Wer billig kauft, kauft zweimal.

Account gelöscht!

05.12.2011, 13:01 Uhr

Ja, so kann es kommen, wenn sich ein Konzern in den Kopf setzt in einem brasilianischen Naturschutzgebiet gegen allen Sinn und Verstand wohl aber mit dicker Geldbörse ein Stahlwerk - gekauft in China - montiren zu wollen. Der Konzern, der sich hier im Lande wie ein Touristenanfänger benommen hat, jeden Kontrollmechanismus aus der Hand gegeben hat, muss sich also nicht wundern, dass er ausgenommen wurde, wie eine Weihnachtsgans. Wer sich dann anschließend noch über allen Gesetzen und Normen zu bewegen scheint, Milizen anheuert, Emissionswerte außer Acht lässt, meint, Beamte immer weiter schmieren zu können, das Umweltbewusstsein eines Neandertalers an den Tag legt, der bekommt genau das, was er verdient.

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