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22.05.2012

11:45 Uhr

Thyssen-Krupp-Tochter

Inoxum-Verkauf stößt auf EU-Widerstand

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp will seine Edelstahl-Tochter Inoxum schnellstmöglich loswerden. Ein Käufer für das verlustreiche Geschäft ist bereits gefunden. Doch die Pläne stoßen auf Widerstand der EU-Wettbewerbshüter.

Ein Stahlarbeiter kontrolliert in Duisburg sogenannte Coils des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp. dapd

Ein Stahlarbeiter kontrolliert in Duisburg sogenannte Coils des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp.

Brüssel/DüsseldorfDer größte deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp stößt beim geplanten Verkauf seiner verlustreichen Edelstahlsparte Inoxum auf Widerstand aus Brüssel. Die EU-Kartellwächter nehmen den Verkauf an den finnischen Konkurrenten Outokumpu genauer unter die Lupe, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit.

Die Kommission nahm in einer vorläufigen Prüfung die Märkte für den Absatz von warm- und kaltgewalzten Produkten aus rostfreiem Stahl und von Brammen in Augenschein, wie sie erklärte. Brammen sind flache Metallblöcke und dienen als Rohmaterial zum Beispiel für Bleche.

Auf diesen Märkten verfügen die an der Fusion beteiligten Unternehmen nach Einschätzung der Kommission über erhebliche Marktanteile und haben in Europa kaum Konkurrenten. Die Prüfung habe ergeben, dass die Übernahme auf verschiedenen Märkten für die Produktion und den Vertrieb von Flachstahlprodukten wettbewerbsrechtlich „sehr bedenklich sein könnte“.

Thyssen-Krupp hatte den 2,7 Milliarden Euro schweren Deal Anfang des Jahres bekanntgegeben. Der Konzern will damit seinen Umbau vorantreiben und seinen Schuldenberg verringern. Eine vertiefte Prüfung sagt noch nichts über den Ausgang des Verfahrens aus. Die EU-Kommission kann den Verkauf genehmigen, unter Auflagen erlauben oder verbieten. Bis zum 26. September werde eine Entscheidung fallen, kündigte die EU-Behörde an.

Thyssen-Krupp will das Geschäft noch in diesem Jahr abschließen. Die Finnen wollen mit Inoxum einen neuen Weltmarktführer im Edelstahlbereich mit rund 18 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als elf Milliarden Euro schmieden. Thyssen-Krupp soll als Großaktionär an Outokumpu mit 29,9 Prozent beteiligt werden. Der Gesamtwert des Geschäfts beträgt 2,7 Milliarden Euro, dabei wird die Beteiligung an Outokumpu mit rund einer Milliarde Euro bewertet. Sitz des Unternehmens soll Finnland sein.

Bereits Ende April sagte Outokumpu-Chef Mika Seitovirta, dass er mit einer intensiven Kartellprüfung rechne. Es werde voraussichtlich eine vertiefte Prüfung durch die Europäische Kommission geben, sagte Vorstandschef Seitovirta damals dem Handelsblatt. „Diese könnte September oder Anfang Oktober abgeschlossen sein“, sagte er.

Seit Bekanntgabe des Deals im Januar dieses Jahres habe Outokumpu die wirtschaftliche Vorbereitung abgeschlossen. „Die Aktienplatzierung ist sehr gut gelaufen. Mit der Finanzierung sind wir damit durch“, sagte Seitovirta. Eine Milliarde Euro hat der Konzern damit eingenommen, das Geld soll an Thyssen-Krupp ausgezahlt werden. Outokumpu geht aber mit hohen Verlusten in die Edelstahl-Ehe mit der Thyssen-Krupp-Tochter und will 1500 Stellen streichen. In Deutschland seien rund 850 Arbeitsplätze betroffen, kündigte der Konzern im Februar an.

Die meisten Fusionen werden in Brüssel nach einer einfachen Prüfung durchgewunken. Die jetzt eingeleitete vertiefte Prüfung kann hingegen zu einem Verbot der Fusion führen, wenn die Kommission urteilt, dass sie den Wettbewerb erheblich behindern würde. Denkbar ist auch, dass die Behörde letztlich unter Auflagen grünes Licht gibt.

Kommentare (2)

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Euroland-ist-abgebrannt

22.05.2012, 12:36 Uhr

Wenn man in Europa Angst vor dieser Fusion hat, dann geht der Deal eben nach China. Was sich von selbst nicht negativ entwickelt, muss eben von der Politik vorsätzlich in den Ruin getrieben werden. Ich sehe die Aasgeier schon über Europa kreisen.

Freakie

22.05.2012, 12:54 Uhr

Ein Scheitern der Fusion kann Thyssenkrupp sich gar nicht leisten. Die sind dank erheblichem Missmanagements quasi pleite. Ausbaden müssen es wie immer die Arbeiter und Angestellten. Platzt die Fusion, wird Inoxum an einen Asiaten verscherbelt. Die Folgen für die dt. Standorte wären noch gravierender als bei den auch nicht zimperlichen Finnen. So oder so, sehr traurig, daß der Erfinder des Edelstahls ("Nirosta") bald nicht mehr existiert dank Nieten in Nadelstreifen...

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