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12.12.2011

15:51 Uhr

Thyssen-Krupp-Tochter

Käufer von Blohm + Voss gibt Standortgarantie

Nun ist das leidige Thema endlich vom Hof: Nach langen Verhandlungen verkauft Thyssen-Krupp seine Werftentochter Blohm + Voss. Und der neue Besitzer hat gleich eine gute Nachricht für die Mitarbeiter.

Trockendock der Werft Blohm + Voss in Hamburg. dapd

Trockendock der Werft Blohm + Voss in Hamburg.

DüsseldorfThyssen-Krupp -Chef Heinrich Hiesinger treibt mit dem Verkauf von weiten Teilen der Traditionswerft Blohm + Voss den Umbau des Mischkonzerns weiter voran. Das Unternehmen teilte am Montag mit, das zivile Geschäft der 1877 gegründeten Werft werde an den britischen Finanzinvestor Star Capital Partners veräußert. Die rund 1.500 Arbeitsplätze in Hamburg und Kiel seien sicher, sagte Thyssen-Krupp-Werftenchef Hans Christoph Atzpodien - machte aber keine Angaben dazu, für wie lange dies gelte.

Der Chef des Finanzinvestors, Tony Mallin, kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erhebliche Investitionen in das Unternehmen an, nannte aber keine Details. Eine Garantie für den Erhalt der 1500 Arbeitsplätze habe sein Haus nicht gegeben. „Wir haben niemanden irgendwelche Garantien gegeben“, betonte Mallin. Sein Unternehmen habe Arbeitsplätze gesichert,
die sonst verloren gegangen wären.

Eine Kaufsumme nannten die beteiligten Unternehmen nicht. Blohm + Voss sei aber nicht verschenkt worden. Nach Angaben aus Branchenkreisen liegt der Wert von Blohm + Voss bei etwa 150 Millionen Euro.

Den militärischen Sektor von Blohm + Voss will ThyssenKrupp als Teil seiner Marine-Schiffbausparte weiterführen, zu der auch die auf U-Boote spezialisierte Kieler Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) gehört.

Star Capital erklärte, das Management von Blohm + Voss an Bord zu behalten. Die Transaktion solle im ersten Quartal abgeschlossen werden. „Wir freuen uns, mit dem Management von Blohm + Voss und den Beschäftigten partnerschaftlich zusammenzuarbeiten“, sagte Star-Capital-Partner Paul Gough. Für die Briten ist es die sechste Übernahme in Deutschland. Sie betreiben unter anderem Seniorenheime, das Bahnunternehmen Abellio und das Kabelnetzfirma Pepcom.

Blohm + Voss baut und repariert Schiffe und fertigt Jachten. Der Bereich erzielte zuletzt einen Umsatz von etwa 500 Millionen Euro. Die Docks gegenüber Landungsbrücken in Hamburg gehören zu den Symbolen der deutschen Schiffahrt. Das Segelschulschiff „Gorch Fock“ wurde hier ebenso gebaut wie das Schlachtschiff „Bismarck“, der Passagierdampfer „Wilhelm Gustloff“ oder zuletzt die Mega-Jacht „Eclipse“ des russischen Unternehmers Roman Abramowitsch.

„Wir wollen uns dem Bau von großen Jachten nicht mehr widmen“, sagte Thyssen-Krupp-Werftenchef Atzpodien in einer Telfonkonferenz mit Journalisten. Pläne, den Marineschiffbau zu verkaufen gebe es derzeit nicht. Im militärischen Bereich baut ThyssenKrupp U-Boote und Fregatten. Im Marinegeschäft sind weiter 3700 Mitarbeiter für den Mischkonzern tätig. Dazu gehören rund 2200 Beschäftigte der Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW) und 1000 bei der schwedischen Werftentochter Kockums. Die Tochter Blohm + Voss Naval mit 500 Mitarbeitern bleibt ebenfalls im Konzern. Das Unternehmen fertigt Anlagen für Marineschiffe.

Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger will diverse Geschäftsbereiche, darunter die Edelstahlsparte und Autozulieferer, veräußern. Betroffen sind rund 35.000 der weltweit etwa 180.000 Beschäftigten des Konzerns. Der ehemalige Siemens -Manager will damit die Schulden senken und zusätzliche Mittel für Investitionen in das Technologiegeschäft, zu dem zum Beispiel die Aufzugssparte und der Anlagenbau gehören, erhalten. Im Geschäftsjahr 2010/11 (per Ende September) hatte ThyssenKrupp nach Milliardenabschreibungen auf die neuen Stahlwerke in Übersee einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

Kommentare (7)

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flyingfridge

12.12.2011, 09:40 Uhr

"Thyssen-Krupp will sich im Schiffbau auf den lukrativen militärischen Bereich konzentrieren."
Ja, alte Gewohnheiten kann man schlecht ablegen. Das Geschäft mit dem Tod hat im Konzern Tradition.

Account gelöscht!

12.12.2011, 09:50 Uhr

Diese Entscheidung hat nichts mit Leben oder Tod zu tun,
der militärische Bereich ist besser planbar und dadurch profitabler, als der zivile Bereich, welcher durch ständige Schwankungen im Auftragseingang, schwieriger zu händeln ist!

flyingfridge

12.12.2011, 10:29 Uhr

Gut, dann werde ich es für Sie neu formulieren: Den Profit vor die Moral zu setzen hat im Konzern Tradition. Das war in beiden Weltkriegen so und ist heute immer noch so.

Übrigens: "Händeln", steht das inzwischen schon im Duden?

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