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01.07.2011

08:53 Uhr

Thyssen-Krupp-Werft

Verkauf von Blohm + Voss an Araber platzt

Thyssen-Krupp wollte seine Werftentochter nach Abu Dhabi abgeben. Doch jetzt der Schock: Der Verkauf wird abgeblasen. Der Schaden ist immens. Thyssen-Krupp muss sich etwas einfallen lassen.

Das Museumsschiff Cap San Diego liegt in einem Dock der Hamburger Werft Blohm + Voss. Quelle: dapd

Das Museumsschiff Cap San Diego liegt in einem Dock der Hamburger Werft Blohm + Voss.

DüsseldorfDer Mischkonzern Thyssen-Krupp hat beim geplanten Ausstieg aus dem zivilen Schiffsbau einen Rückschlag erlitten. Entgegen den ursprünglichen Plänen übernehme der arabische Schiffbaukonzern Abu Dhabi Mar nicht den zivilen Bereich der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss. „Innerhalb des langen Verhandlungszeitraums haben sich die politischen Rahmenbedingungen im Mittleren Osten geändert.“ Auch ein geplantes Joint Venture mit den Arabern im militärischen Bereich, bei dem gemeinsam Märkte im Nahen Osten und Nordafrika erschlossen werden sollten, werde es nicht geben.

Thyssen-Krupp hatte den Verkauf der zivilen Teile von Blohm + Voss in Hamburg und der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel an die Araber bereits 2009 angekündigt, die Detailverhandlungen hatten sich jedoch immer wieder verzögert. In den letzten Monaten hätten sich wesentliche Voraussetzungen für ein gemeinsames Vorgehen verändert, hieß es nun.

Abu Dhabi Mar übernehme nun lediglich den zivilen Bereich von HDW-Gaarden. Für den zivilen Bereich von Blohm + Voss wolle ThyssenKrupp mittelfristig neue Eigentümer suchen. Blohm + Voss baut und repariert in Hamburg Schiffe und fertigt Mega-Jachten.

Thyssen-Krupp will sich aus dem zivilen Schiffbau zurückziehen, der in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren hatte. Der Konzern hatte daher bereits den größten Teil der Emder Nordseewerke an die Siag-Gruppe verkauft. Abu Dhabi Mar übernahm zudem rund 75 Prozent der Anteile an der griechischen Werftentochter Hellenic Shipyards (HSY).

Im Schiffbau will sich Thyssen-Krupp auf den lukrativen militärischen Bereich konzentrieren. Hierzu gehört der Bau von U-Booten. Der Vertrag mit der türkischen Marine zum Bau von sechs U-Booten im Wert von rund zwei Milliarden Euro sei mit dem Eingang der Anzahlung in Kraft getreten, teilte das Unternehmen am Freitag mit. „Dieser Auftrag wird bei HDW in Kiel, aber auch bei vielen Unterlieferanten in Deutschland und in der Türkei für die nächsten zehn Jahre zur Beschäftigung beitragen.“

Den Konzern drücken Schulden von 6,5 Milliarden Euro. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte nach seiner Amtsübernahme im Januar einen Konzernumbau in die Wege geleitet. Er will Geschäfte mit einem Umsatz von insgesamt zehn Milliarden Euro verkaufen. Darunter sind die Edelstahlsparte und diverse Autozulieferfirmen. Von den Plänen sind 35.000 der 180.000 Beschäftigten des Konzerns betroffen.

Von

rtr

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