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07.03.2012

10:54 Uhr

Tiere gequält

Die grausamen Methoden der Fleischproduzenten

VonGeorg Etscheit
Quelle:ZEIT ONLINE

Kastration ohne Betäubung und gekappte Schnäbel: In der Mast leiden viele Tiere. Gesetze zur artgerechten Haltung werden verwässert, kritisieren Tierschützer. Geringe Auflagen locken ausländische Großbetriebe an.

Die Mäster haben den Turbo eingeschaltet – mit Praktiken, die Tierschützer entsetzen. dpa

Die Mäster haben den Turbo eingeschaltet – mit Praktiken, die Tierschützer entsetzen.

Harrie van Gennip will in Deutschland ganz groß ins Schweinegeschäft einsteigen. Ursprünglich hatte der Investor aus den Niederlanden beabsichtigt, in Haßleben in der Uckermark einen Stall mit 85.000 Mastplätzen zu bauen. Doch die Bevölkerung wehrte sich. Jetzt sollen es nur noch 67.000 Plätze werden, was den Gegnern des Projekts aber noch immer zu viel ist. „In den Niederlanden dürfen sie nicht mehr wachsen. Deswegen kommen sie zu uns“, schimpft Sybilla Keitel von der Bürgerinitiative Kontra Industrieschwein.

Sie findet das ganze System, in dem lebende, fühlende Wesen zum Produktionsmittel degradiert werden, „obszön“: Die engen „Abferkelbuchten“, in denen sich die Sauen kaum bewegen können, weil sie sonst ihre eigenen Ferkel erdrücken. Oder die zuweilen in drei Etagen übereinandergestapelten „Flatdecks“ für die Jungtiere, auch „Ferkelbatterien“ genannt. Und das künstliche Dämmerlicht, damit sich die Tiere möglichst wenig bewegen und in 180 Tagen ihr Schlachtgewicht von 90 Kilogramm erreichen: jeden Tag 200 Gramm mehr Fett und Fleisch.

Wer Deutschland mit Fleisch versorgt

Deutsche lieben Fleisch

Die Deutschen essen sehr viel Fleisch - und vor allem Schwein: 39,2 Kilogramm sind es pro Jahr und Person im Durchschnitt. Dazu kommen 11,5 KG Geflügel und 8,7 KG Rind. Davon ist nur ein Bruchteil Bio: Beim Schwein sind es 240 Gramm, beim Geflügel 60 Gramm, beim Rind 170 Gramm.

Platz 9: Röthkötter

Die Röthkötter-Gruppe machte 2010 einen Umsatz von 670 Millionen Euro und liegt damit auf Rang neun. Wichtigste Tochterfirma ist Emsland Frischgeflügel.

Platz 3: Müller

Die Müller-Gruppe aus Birkenfeld kommt auf einen Umsatz von 0,72 Milliarden Euro. Die wesentlicher Geschäftsfelder sind Schlachtung und Zerlegung von Rindern, Kälbern und Schweinen.

Platz 7: Sprehe

Die Sprehe-Gruppe aus Lorup kommt gerundet ebenfalls auf einen Umsatz von 0,72 Milliarden Euro. Rund 2500 Mitarbeiter sind für das Unternehmen aus Lorup tätig.

Platz 6: Zur Mühlen

Auf Rang 6 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe aus Böklund. Aus der Werbung kennt man daher auch die Böklunder-Produkte am besten, allerdings macht das Unternehmen seine 830 Millionen Euro Umsatz mit weitaus mehr Marken wie Könecke, Redlefsen, Schulte, Zerbster Original und Plumrose.

Platz 5: Heristo

Heristo kommt auf einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro und ist in vielen Bereichen tätig. Neben der Fleischproduktion gehört dazu auch Tiernahrung. Das Familienunternehmen wurde 1913 in Versmold gegründet und hat seinen Sitz heute in Bad Rothenfelde.

Platz 4: Westfleisch

Auch der Viertplatzierte kommt aus Westfalen: Westfleisch aus Münster erwirtschaftet einen Umsatz von 1,93 Milliarden Euro. Gegründet wurde das Unternehmen am 28. Oktober 1928 als Westfälische Provinzial-Viehverwertungsgenossenschaft WPVG.

Platz 3: Wiesenhof

Die PHW-Gruppe aus Visbek kommt auf einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro und schafft es damit aufs Podium. Das Unternehmen ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Bekannteste Marken sind Wiesenhof und Bruzzzler. 

Platz 2: Vion Food Germany

Inmitten den bekannten Namen von Familienunternehmen taucht mit Vion Food Germany sozusagen ein Exot auf Platz 2 auf. Das Unternehmen kommt hierzulande auf einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und ist eine Tochterfirma des niederländischen Riesen Vion.

Platz 1: Tönnies

Clemens Tönnies ist den meisten Deutschen als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußballclubs Schalke 04 bekannt. Sein Unternehmen ist mit einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro Deutschlands größter Fleischproduzent. Sitz des Konzerns ist Rheda-Wiedenbrück in Ostwestfalen.

Neue Ställe in Deutschland

Derzeit werden in Deutschland überall neue Ställe gebaut - vor allem für Schweine und Geflügel. Vor allem niederländische Betriebe betrieben in der Heimat förmlich in ihrer Gülle, da lockt der Weg nach Deutschland.

Kritik an der Haltung

Massive Kritik gibt es an der Haltung und der Schlachtung längst nicht mehr nur von Tierschützern. In den "Ferkelbatterien" erlangen Jungtiere in 180 Tagen ihr Schlachtgewicht von 90 Kilogramm. Das sind pro Tag 200 Gramm mehr Fett und Fleisch. Vor allem die männlichen Ferkel durchlaufen dabei eine extrem schmerzhafte Prozedur.

Männliche Ferkel durchlaufen eine besondere Prozedur. Ein Arbeiter packt eines an den Hinterbeinen. Dann zwei Schnitte mit einem Messer in die blassrosa Haut, dort, wo die Hoden verborgen sind. Das höchstens sieben Tage alte Tier schreit erbärmlich. Die Samenleiter müssen mit einer Klinge durchtrennt werden, doch manchmal werden die dünnen Stränge einfach abgerissen. Es muss schnell gehen. Zeit ist Geld. Die Wunde bleibt offen. Erst jetzt wird dem Ferkel ein Mittel gespritzt, das für einige Stunden den Wundschmerz lindern soll. Doch seine Qualen sind noch nicht zu Ende.

In einem zweiten Arbeitsgang wird ihm noch der Ringelschwanz mit einem heißen Messer abgeschnitten, und die Eckzähne werden mit einer Schleifmaschine bearbeitet. Beides soll verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig die Schwänze abbeißen. Dazu neigen sie, weil sie ihr natürliches Verhalten in den eintönigen, auf maximale Effizienz getrimmten Riesenställen nicht ausleben können.

Kommentare (49)

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07.03.2012, 11:06 Uhr

Deutschland ist doch inzwischen nur noch ein einziges Experiment..., sämtliche soziale Staten werden gelockert, Randgruppen als Status Quo hingestellt. Da ist es kein Wunder, dass der Tierschutz so locker ist.

aruba

07.03.2012, 11:09 Uhr

Guten Tag,.... Der Mensch ist das wahre Schwein. Besten Dank

Motti

07.03.2012, 11:31 Uhr

Einfach mal den Film "Earthlings" gucken, da weiß man wie es in Tierfabriken zu geht. Nicht nur in Deutschland.

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