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24.01.2011

00:00 Uhr

Tietgens und Michalsky

Der Mode-Popstar und sein Mäzen

VonChristoph Kapalschinski

Vor zweieinhalb Jahren steckte er mehrere Millionen Euro in das Geschäft: Volker Tietgens steht hinter dem Erfolg des Modemachers Michael Michalsky – mit Geld und kaufmännischem Gespür. Dabei interessiert den Investor nicht nur die Rendite.

StyleNite am Freitag in Berlin: Die Schau des Designers Michael Michalsky war ein Höhepunkt der Fashion Week. Quelle: dapd

StyleNite am Freitag in Berlin: Die Schau des Designers Michael Michalsky war ein Höhepunkt der Fashion Week.

BERLIN. Der Erfolg von Volker Tietgens zeigt sich in einem dicken Buch. Tietgens blättert durch Hunderte Presseberichte über ein einziges Event: die StyleNite 2010 des Berliner Modedesigners Michael Michalsky. Für Tietgens sind die Artikel reines Geld wert - Geld, das er bei der Werbung für den Markenaufbau spart.

Tietgens setzt große Hoffnungen in eine Investition: Michael Michalsky - das ist der Berliner, der als Design-Chef Adidas in die Mode geführt hat und sich mit Mode für Tchibo unter dem Label "Mitch & Co" bei breiten Käuferschichten bekannt gemacht hat. Seit 2006 gilt er mit seiner Marke, die heißt wie er, als Popstar unter den jüngeren deutschen Modemachern. Tietgens steht als Investor und Geschäftsführer hinter Michalsky.

"Er hat mich mit seiner Kraft fasziniert", sagt Tietgens. "Michael geht größer an die Sache ran als andere." So war Michalsky vom Start weg mit einer kompletten Kollektion am Markt, für Männer und Frauen, mit Accessoires und Taschen. Tietgens greift im Showroom am Potsdamer Platz in die Kleiderständer. Die Preise reichen von 59 Euro für ein T-Shirt bis zum Abendkleid für 4 500 Euro: das gehobene Segment, aber bezahlbar. Für Einsteiger gibt es seit einigen Wochen Parfum, ein Lizenzgeschäft, genauso wie Brillen sowie die Blusen und Hemden, die Seidensticker abwickelt. Das bringt zusätzlichen Umsatz über Gebühren. Die Lizenzen steuern knapp ein Fünftel zum Umsatz bei, ausgehandelt hat sie Tietgens, Geschäftsführer der Michalsky Holding.

"Ich arbeite Fulltime für Michalsky, kriege kein Gehalt dafür", sagt er. Schließlich steckt in der Firma sein Geld - er spricht diskret von mehreren Millionen Euro. Vor zweieinhalb Jahren ist er eingestiegen, profitabel ist das Geschäft noch nicht. Die letzten verfügbaren rudimentären Daten aus dem Bundesanzeiger zeigen für 2008 einen Bilanzverlust von einer knappen Million Euro und steigende Verbindlichkeiten - Anhaltspunkte für hohe Anlaufverluste.

Bei seinem Start hat Tietgens einen Fünfjahresplan erstellt. Der Markenaufbau geht etwas langsamer voran als damals erwartet, trotzdem will er noch vor Ablauf der Frist schwarze Zahlen sehen. Er sagt aber auch: "Ich bin kein typischer Investor: Ich habe keinen Exit-Plan."

Den langen Atem hat Tietgens, weil er in der New Economy zu Geld gekommen ist. Schon 1991 gründet er die Multimedia-Agentur Concept, baut sie bis zum Jahr 2000 auf 550 Mitarbeiter aus, schafft dann den Börsengang und verkauft 2002 seine restlichen Anteile.
Anschließend zieht er nach New York, reist durch Asien, kommt 2006 nach Berlin. Hier überzeugen ihn die Abendkleid-Designerinnen des kleinen Labels Kaviar Gauche und eben Michalsky vom Einstieg in die Modewelt - jeweils mit einer "qualifizierten Minderheit", wie er sagt.

Dabei lockt ihn wohl nicht nur die Rendite: Die Kapuzenjacke aus Strick über dem farbstarken T-Shirt des weißhaarigen 49-Jährigen, dazu eine stark strukturierte Hose aus Leder - hier spricht ein Fashion-Victim.Tietgens schwärmt zwischen den Kollektionsstücken im Showroom von den idealen Voraussetzungen in China. Schließlich ist sein Geschäftspartner Michalsky im Nebenjob Chefdesigner der deutschen Taschen-Marke MCM, die besonders in Asien viele eigene Läden hat. Hier hängt selbstverständlich auch die Marke Michalsky. Das bringt ordentlichen Umsatz ohne viel Risiko. PR-trächtig ist außerdem die Arbeit für die Marke Kappa in China-

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