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10.07.2012

21:30 Uhr

Todesflug AF 447

Crash-Ermittler zeigen auf Airbus und Air France

Fast 230 Menschen starben an Bord des Air France Fluges AF447 an Pfingsten 2009. Nun haben französische Ermittler ihre Erkenntnisse präsentiert – und Fragen nach der Verantwortung von Air France und Airbus aufgeworfen.

Ein Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine AF447. Im Crash starben 2009 auch 28 Deutsche. dpa

Ein Wrackteil der abgestürzten Air-France-Maschine AF447. Im Crash starben 2009 auch 28 Deutsche.

ParisDie 228 Menschen an Bord des Air-France-Todesflugs AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris am Pfingstmontag 2009 haben nach Erkenntnissen der französischen Justiz vom Absturz bis zum Aufprall kaum etwas mitbekommen.

Das geht nach Angaben von Angehörigen der Opfer aus zwei Gutachten hervor, deren Zusammenfassung ihnen die zuständige Ermittlungsrichterin am Dienstag in Paris präsentierte. „Allerdings werfen sie Fragen nach der Verantwortung von Airbus und Air France auf“, sagte Robert Soulas, Präsident der Vereinigung Entraide et Solidarité AF447, der Nachrichtenagentur dpa.

Staatliche Ermittler der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA hatten vergangene Woche in ihrem Abschlussbericht gefolgert, dass die Crew nach einer Vereisung der für die Geschwindigkeitsmessung genutzten Pitot-Sonden mit einer theoretisch beherrschbaren Situation völlig überfordert war.

Frankreichs Justiz kam den Angaben zufolge zu ähnlichen Schlüssen. Unverständlich für viele Angehörige sei die Frage, warum die für Vereisung anfälligen Sonden nicht früher ausgetauscht worden seien, sagte Soulas. Auch der Anwalt der Vereinigung, Alain Jakubowicz, äußerte sich ähnlich. „Es gibt da eine zunehmend größer erscheinende Verantwortung des Flugzeugherstellers - also Airbus - sowie auch von Air France“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Die Sonden des Herstellers Thales waren kurz nach dem Absturz aus dem Verkehr gezogen worden. Der Ausfall der Sonde stand am Anfang einer verhängnisvollen Kette von Ereignissen, bei denen die Piloten im Cockpit komplett die Kontrolle verloren. Der Airbus A330-200 stürzte daraufhin mitten in der Nacht ins Meer. Alle Menschen an Bord - darunter 28 Deutsche - starben.

Die Ermittler der französischen BEA empfahlen bessere Pilotenschulung, aber auch Verbesserungen der Anzeigen im A330-Cockpit. Während sie nur der Frage nach dem Warum nachgingen und Vorschläge zur Vermeidung ähnlicher Unfälle machten, interessiert die Justiz die Frage nach einem möglichen Mitverschulden.

Die zuständige Ermittlungsrichterin muss nun aufgrund der eigenen Gutachten und auch der Stellungnahmen aller Beteiligten in den kommenden Monaten entscheiden, ob sie ein förmliches Anklageverfahren einleitet oder nicht.

Air France hatte bereits nach dem BEA-Abschlussbericht jede Schuldzuweisung in Richtung des Unternehmens oder der Piloten zurückgewiesen. Airbus hatte in einer ersten Stellungnahme eine ausführliche Analyse des Gutachtens angekündigt. Das Unternehmen werde jede Chance ergreifen, die Flugsicherheit weiter zu verbessern.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Realo

11.07.2012, 00:02 Uhr

Die beste Versicherung ist, solche Fluggesellschaften wie AirFrance nicht zu buchen! Aber leere Kassen in France sind sicher auch mit ein Grund dafür, weshalb "gespart werden musste".

Mouse

11.07.2012, 02:29 Uhr

Piloten die nach Paris fliegen stehen unter Zeitdruck, da sie ihren Slot erwischen müssen. Kommen sie zu spät droht Ungemach in Form von Wartezeiten und evw. Schelte des Arbeitgebers. Es könnte sein, daß die Piloten der Unglücksmaschine hier den eigentlichen Fehler gemacht haben und diesen Zwängen nachgegeben haben, als sie vielleicht hätten lieber ein Gewitter großräumig umfliegen sollen. Jedenfalls sind sie in einen Bereich starker Vereisung geraten, in dem sicher nicht nur die Pitot-Sonden, sondern das gesamte Flguzeug, Eis angesetzt hat (kann auch trotz Enteisungsanlage passieren). Dies hat zur Folge, daß das Flugzeug an Manövrierfähigkeit eingebüßt hat. Es ist anzunehmen, daß ein Gewitter die Vereisung verursacht hat. Gewitter in den Tropen reichen in sehr große Höhen (im Extremfall bis 20 km). Solche Gewitter sind wahre Waschmaschinen mit Auf-, Ab- und Schwerwinden großer Geschwindigkeit (100 km und mehr). Gerät ein Flugzeug in den Kern eines Gewitters kann es in unkontrollioerbare Flugzustände geraten oder sich sogar "zerlegen". Das hat rein gar nichts mit den Pitot-Sonden zu tun, dies kann jedem Flugzeug passieren, wenn der Pilot das Gewitter nicht umfliegt (falls das Flugzeug es irgendewie heil aus dem Gewitter heraus geschafft hat, läßt es sich natürlich besser mit komplett funktionierender Instrumentation stabilisieren). Gewitter sind aber nicht zu vermeiden und deshalb sind Pitot-Sonden und Piloten die Fehler verursacht haben besser dazu geeignet, Fluggäste zu beruhigen, da man diese schön gegen Neue austauschen kann. Und was besser für die (Anzahl der) Passagiere ist, ist auch besser für die Airline........

xxx

15.07.2012, 16:56 Uhr

Ich finde es nach wie vor noch sehr sehr einfach, die Schuld auf den (leider toten) Piloten zu schieben, er kann sich ja nicht mehr wehren. Air France ist klar auf Gewinn aus und wird wohl kaum Schuldeingeständnisse machen. Ich stimme Realo zu, man sollte Air France nicht mehr buchen. Desweiteren fand ich es sehr geschmacklos von AF,ca 3 Monate nach dem Absturz des Fluges 447 am Flughafen mit "verbreiterten Sitzen" Werbung für sich zu machen. Die Opfer und ihre Angehörigen tun mir leid.

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