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09.03.2011

08:33 Uhr

Tognum-Übernahme

Daimler macht einen alten Fehler wieder gut

VonMartin-W. Buchenau

Der Griff von Daimler nach dem Dieselmotorenbauer Tognum sieht wie eine peinliche und teure Rolle rückwärts aus. Aber Daimler-Chef Dieter Zetsche hat gute Gründe, darauf keine Rücksicht zu nehmen. Ein Kommentar.

Die Konzernzentrale der Daimler AG in Stuttgart-Untertuerkheim. Quelle: dapd

Die Konzernzentrale der Daimler AG in Stuttgart-Untertuerkheim.

Es war unter Jürgen Schrempp ein riesiger Fehler, einen Technologieführer wie den Motorenbauer vom Bodensee an den Finanzinvestor EQT zu verkaufen. Erstens finanziell: EQT machte beim späteren Börsengang einen Riesengewinn. Zweitens strategisch: Daimler durfte es schon damals nicht gleichgültig sein, in wessen Hände das Unternehmen gerät.

Vor allem konnte Daimler nicht egal sein, dass in der Vergangenheit immer wieder MAN versucht hatte, nach dem Motorenbauer zu greifen. Seit Volkswagen bei MAN engagiert ist, ist es für Daimler aber noch wichtiger sicherzustellen, dass die Dieseltechnologie vom Bodensee nicht eines Tages in Ferdinand Piëchs Wolfsburger Reich landet.

Tognum kam zwar bislang immer auch ganz gut allein zurecht. Langfristig braucht das Unternehmen aber einen starken Partner, um gegenüber größeren Konkurrenten wie GE oder Caterpillar mithalten zu können. Durch eine gemeinsame Übernahme mit Rolls-Royce hätte Daimler einen solchen Partner für Tognum gefunden. Neben dem industriellen Interesse bringen die Briten auch noch das nötige Geld mit. Gelingt der Coup, wird Rolls-Royce über kurz oder lang die industrielle Führung übernehmen. Aber Daimler behält seinen Einfluss.

Tognum ist noch aus einem anderen Grund interessant. Es spricht vieles dafür, dass die Brennstoffzelle bei der stationären Energieerzeugung schneller zum Einsatz kommt als in Autos. Hier verfügt Tognum über die richtige Kundenkartei. Tognum ist somit für Daimler eine gute Adresse, um die üppig vorhandene Liquidität von elf Milliarden Euro sinnvoll anzulegen. Auch wenn man das Ganze sicher hätte einfacher haben können.

Ein wichtiges Signal ist auch: Daimler hat jahrelang nur repariert und reagiert – Dieter Zetsche kann in seiner zweiten Amtszeit endlich wieder etwas tun, was nach industriellem Gestalten aussieht. Das ist eine Rolle, die man von Daimler erwarten kann und muss.

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