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24.07.2013

13:32 Uhr

Tollwut

Novartis kriegt Impfstoff-Versorgung nicht in den Griff

VonInge Hufschlag, Martin Dowideit

Fernreisen nach Afrika oder Asien sind begehrt wie nie, aber beim Impfschutz stoßen Touristen auf Hürden: Tollwut-Impfstoff zur Vorbeugung ist in Deutschland Mangelware. Der Marktführer hat Lieferprobleme.

Ein Novartis-Gebäude: Immer wieder kämpft die Firma mit Problemen bei der Impfstoff-Versorgung. ap

Ein Novartis-Gebäude: Immer wieder kämpft die Firma mit Problemen bei der Impfstoff-Versorgung.

DüsseldorfWer in deutschen Gesundheitsämtern oder beim Arzt derzeit um eine Tollwut-Impfung bittet, stößt in vielen Fällen auf Schulterzucken. Für Auslandsreisen vor allem nach Asien und Afrika ist die Impfung empfohlen, da die Virusinfektion sehr gefährlich ist und ohne Impfung tödlich verläuft. Doch der Impfstoff ist knapp. Zwei Präparate sind in Deutschland zugelassen und vor allem Hersteller Novartis hat Probleme, das Präparat „Rabipur“ in ausreichender Menge zu liefern – und das zur Hauptreisezeit.

„Es gibt Engpässe“, bestätigt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die Bundesbehörde für Impfstoffe. Die Notfallversorgung sei aber sichergestellt. Wer also von einem Hund, Fuchs, Waschbär oder einer Fledermaus gekratzt oder gebissen werde, kann sicher sein, nach dem Vorfall geimpft zu werden. Nur für die vorsorgliche Impfung ist nicht genug Impfstoff vorhanden. Das Institut habe Ende Mai eine Produktionscharge freigegeben, vor wenigen Tagen eine weitere. Die Verteilung dauere aber Wochen. Über den Umfang der Charge gibt das Institut keine Auskunft. Außerdem gibt das PEI die Chargen für die ganze Europäische Union frei, sodass die Versorgung in Deutschland sich dadurch nicht unbedingt deutlich verbessern muss.

Wichtiges zum Reisevertrag

Vor Vertragsschluss

Bevor der Kunde unterschreibt, müssen der Reiseveranstalter beziehungsweise sein Reisebüro ihn darüber informieren, welche Pass- oder Visumvorschriften für die Reise gelten, welche Impfungen Pflicht sind und was sich im Vergleich zum Prospekt an der Reise geändert hat.

Fehlende Informationen

Wer etwa nicht über die nötige Gültigkeitsdauer des Reisepasses informiert wurde und deshalb nicht einreisen darf, hat gegenüber dem Reiseveranstalter Anspruch auf Schadenersatz.

Das gehört in die Reisebestätigung

Der Reiseveranstalter muss dem Kunden eine schriftliche Reisebestätigung aushändigen. Diese muss unter anderem den Reisepreis plus Zahlungsmodalitäten, den Namen und die Anschrift des Veranstalters, die Kündigungsmöglichkeiten und die Vorgehensweise bei Mängeln sowie einen Hinweis auf eine Reise-Rücktrittskosten-Versicherung enthalten; außerdem alle Daten zur Reise wie An- und Abreisedatum, Transportmittel, Unterbringung, Mahlzeiten, Nebenleistungen und Preisänderungsvorbehalte.

Sonderwünsche in der Reisebestätigung

Wurden Sonderwünsche vereinbart, müssen diese schriftlich in der Reisebestätigung festgehalten werden und dürfen nicht in der Rubrik „unverbindliche Sonderwünsche“ auftauchen.

Kein Widerrufsrecht

Anders als beim Kauf von Waren haben Kunden bei der Buchung einer Reise kein zweiwöchiges Widerrufsrecht – egal, ob sie online oder im Reisebüro buchen. Vor Vertragsabschluss sollte sich der Urlauber also sicher sein, dass er die Reise tatsächlich buchen möchte.

Vorkasse nicht ohne Sicherungsschein

Wer für die Reise eine Anzahlung leisten muss, sollte dies nicht ohne Sicherungsschein tun. Falls der Reiseveranstalter vor der Reise Insolvenz anmelden muss, bekommt der Kunde sein Geld von der Versicherung zurück, die auf dem Sicherungsschein genannt ist. Der Reiseveranstalter ist zu diesem Schein lauf Paragraph 651k BGB verpflichtet.

Novartis bedauert in einer Stellungnahme die mit dem Lieferengpass „verbundenen Unannehmlichkeiten für Ärzte und Patienten“ und begründet das mit einer hohen Nachfrage. Im nächsten Jahr solle eine zusätzliche Produktionsanlage im Werk Marburg in Betrieb gehen. Es habe keine Probleme wie Unreinheiten in der Produktion gegeben. Ähnliche Engpässe hatte es etwa bereits im Jahr 2008 gegeben, auch 2009 und 2011 gab es entsprechende Meldungen.

Das biologische Herstellverfahren für Impfstoffe kann Vorlaufzeiten von bis zu drei Jahren haben, wie auch der zweite Anbieter Sanofi Pasteur MSD bestätigt. Sanofi betont, dass die eigenen Liefermengen konstant seien, aber in die Länder gesteuert würden, wo die Nachfrage besonders groß sei. Denn die Probleme von Novartis gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Auch dort müssen Engpässe gestopft werden.

Tollwutgefährdung laut Weltgesundheitsorganisation: rot = hohes Risiko, orange = mittleres R., gelb = niedriges R.

Tollwutgefährdung laut Weltgesundheitsorganisation: rot = hohes Risiko, orange = mittleres R., gelb = niedriges R.

Auch wenn Deutschland als tollwutfrei gilt, kann vor allem von Fledermäusen durchaus noch eine Gefahr ausgehen. Vor allem in Indien, Südostasien und Afrika treten Tollwut-Infektionen immer wieder auf. Das Virus sitzt im Speichel von infizierten Tieren und kann durch Biss übertragen. Auch ein Anlecken kann gefährlich sein, wenn die Haut des Menschen nicht unversehrt ist.

Eine Impfung nach einem verdächtigen Kontakt verhindert einen Ausbruch der Krankheit, die etwa mit Fieber, Übelkeit oder Schlaflosigkeit beginnt. Danach verbreitete sich das Virus entlang der Nervenbahnen und es treten etwa Hyperventilation und Lähmungen, bis der Infizierte in ein Koma fällt und schließlich stirbt.

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