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10.05.2017

11:22 Uhr

Toyota

Der heimliche Gewinner des VW-Dieselbetrugs

VonLukas Bay

Seit in Deutschland über Fahrverbote für den Diesel diskutiert wird, steigen die Verkäufe von Toyota. Dabei beschert ausgerechnet eine Technologie den Japanern neue Absatzrekorde, die hierzulande lange belächelt wurde.

Drei von vier Fahrzeugen des Modells in Deutschland werden mit Hybridantrieb verkauft. Hersteller

Toyota C-HR

Drei von vier Fahrzeugen des Modells in Deutschland werden mit Hybridantrieb verkauft.

DüsseldorfDer Generalkonsul ist zu Scherzen aufgelegt. Für einen japanischen Diplomaten geradezu jovial begrüßt Ryuta Mizuuchi seine Besucher mit den Worten. „Herzlich willkommen, hier JWD“. Allerdings dürfe man dieses Kürzel nicht typisch rheinländisch als „janz weit draußen“ übersetzen, betont der Diplomat, auch wenn sein Konsulat vor den Toren von Düsseldorf liege. JWD stehe für „Japan im Westen Deutschlands“, sagt er und lacht herzlich.

Dass die Stimmung in der altehrwürdigen Residenz am Rande der NRW-Landeshauptstadt so gelöst ist, hat einen Grund: Der Generalkonsul hat in seine Vertretung geladen, um für einen Weltmarktführer aus seiner Heimat zu werben, der in letzter Zeit außerordentliche Erfolge in Deutschland feiern konnte.

Toyota C-HR im Handelsblatt-Test: Von mutiger Gestalt

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Von mutiger Gestalt

Niemand soll sagen, Toyotas Designer seien phlegmatisch. Nach dem zukunftsweisenden Wasserstoffauto Mirai tritt nun ein kompakter Crossover an, Emotionen zu entfachen. Doch das Design des C-HR hat so seine Tücken.

Direkt hinter dem Gebäude – mit Blick auf den weitläufigen Garten – hat Toyota den neuen halbelektrischen Prius ausgestellt. Japanische Technologie, auf die der Hersteller mächtig stolz ist. Weltweit ist das Modell ein Bestseller. Und auch in Deutschland, der Heimat von VW, haben die Japaner ungewöhnlich erfolgreiche Monate hinter sich. Im ersten Quartal 2017 legte ihr Absatz um 31 Prozent zu. Im deutschen Volumenmarkt wächst derzeit niemand schneller als Toyota.

Das liegt nicht alleine an neuen Modellen wie dem C-HR: Seit der Diesel in Deutschland massiv in der Kritik steht, wächst der Absatz von Toyota. Während der Gewinn des Konzerns – wie am Mittwoch mitgeteilt – im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich zurückging, sind die Japaner hierzulande der heimliche Gewinner des VW-Dieselbetrugs. „Angesichts der aktuellen Debatte um Feinstaub, Stickoxide und Fahrverbote gehen wir davon aus, dass der Hybridabsatz weiter steigt“, sagt Toyota-Deutschlandchef Tom Fux.

Toyota war einer der ersten Hersteller, der in seine Modelle neben dem Verbrennungsmotor einen Elektromotor einbaute, um damit den Verbrauch im städtischen Verkehr zu senken. Dessen Batterie lädt sich beim Fahren. Anfang waren die Japaner für diese Idee belächelt worden – insbesondere in Deutschland. Der Antrieb galt als sparsam aber unsexy. Die Deutschen hatten schließlich den Diesel, der eben nicht nur sparsam, sondern auch sportlich daherkam.

Doch seit die Zukunft der Selbstzünder offen infrage gestellt wird, steigt die Nachfrage nach Hybriden deutlich an. Mittlerweile hat Toyota weltweit bereits 10,5 Millionen halbelektrische Fahrzeuge verkauft – rund 150.000 davon in Deutschland.

Kommentare (39)

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Herr Alexander Goth

10.05.2017, 11:57 Uhr

Heimlicher Gewinner?
Toyota sponsort ja die Deutsche Umwelthilfe... Ein Schelm, der Böses dabei denkt...

Herr Hofmann Mark

10.05.2017, 12:05 Uhr

Halb Elektrisch ist weder Fisch noch Fleisch...da ist der Diesel und Benziner weiter klar im Vorteil.
Vor allen im Winter, bei Hitze, Regen und auf Langstrecken.

Herr Joachim Sels

10.05.2017, 12:29 Uhr

Toyota reagiert scheinbar als einziger zeitgemäss mit Hinblick auf die Zukunft der Verbrennungsmotoren. Für Elektro ist die Zeit speziell im vollgasverrückten Deutschland noch nicht reif. Wir leben immer noch mit den ewig gestrigen Slogans "Aus Freude am Fahren" und andere Hersteller werden mit Sprüchen wie "Vorsprung durcht Technik". Letztere verdienen den Ehrenoskar in Sachen technischer Rafinesse bei der Entwicklung trügerischer Software. Diereine Elektromobilität macht auf Dauer ökologisch nur dann Sinn, wenn auch der Strom umweltfreundlich erzeugt wird. Das Steigerungspotenzial für grundlasttaugliche Energie aus Wind und Sonne kann erst ausgeschöpft werden, wenn Speichertechnologien zur Verfügung stehen. Daran wird zwar mit Erfolg gearbeitet aber ob diese Technologien in einem halben Jahrzehnt zur Verfügung stehen, wenn unsere letzten AKW abgeschaltet werden, muss man bezweifeln. Toyota tut also mit der als Übergangstechnologie bezeichneten Technologie weit mehr für den Klimaschutz, wie die gesamte deutsche Autoindustrie zusammen, wenn man mal die eingesparte Energie aller im Einsatz befindlichen Toyota-Hybrids und Plugins mit derjenigen eingesparten Energie aller von deutschen Autobauern produzierten PKW mit Elektro- Hybrid und Plugin vergleicht. Klimaschutz findet bisher bei deutschen Autobauern in erster Linie mit Anzeigen, Werbung und flotten Sprüchen statt. Systematische Verzögerung von modernen Technologien hat speziell bei VW und Mercedes Tradition. Man denke nur an VW's 3 Liter-Polo aus den frühen 90'erm oder die systematische Reduzierung des Smart Projekts auf ein parkplatzsparendes und Benzin fressendes Spielzeug für Besserverdiende. Die Technologie für den Elektrobetrieb war damals bereits sowohl von Michelin als auch von Continental entwickelt - der traditionsbewusste Mercedes Vorstand machte aber lieber weiter wie bisher.

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