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05.03.2013

14:41 Uhr

Toyota Deutschland-Chef Yasuda

„Wir haben wieder Kraft bekommen, um zu kämpfen“

VonMark C. Schneider

Toyota-Deutschland-Chef Yasuda gibt sich kampfeslustig, formuliert aber zurückhaltende Ziele. Warum die deutschen Kunden lange auf den Yaris Hybrid warten und wie der Lexus zum Erfolg werden soll, verrät er im Interview.

Toshiaki Yasuda: „Wir haben wieder Kraft bekommen, um mit der Konkurrenz zu kämpfen.“ dpa - picture-alliance

Toshiaki Yasuda: „Wir haben wieder Kraft bekommen, um mit der Konkurrenz zu kämpfen.“

Handelsblatt Online: Herr Yasuda, Toyota meldet sich als Nummer eins der Welt zurück. Was bedeutet das für Europa?

Toshiaki Yasuda: Akio Toyoda hat vor vier Jahren die Initiative ergriffen. Toyota-Modelle sollten auch von europäischen Kunden akzeptiert werden. Das Design sollte ansprechender und einheitlicher werden, die Autos emotionaler. Das hat geklappt. Wir haben wieder Kraft bekommen, um mit der Konkurrenz zu kämpfen. Der Stolz auf die Marke ist zurückgekehrt. Aber wir bleiben realistisch. Weltweit will Toyota den Absatz 2013 von 9,75 Millionen Fahrzeugen auf 9,91 Millionen steigern.

In Deutschland liegt Toyota mit einem Marktanteil von unter drei Prozent inzwischen hinter der VW-Tochter Skoda und dem koreanischen Angreifer Hyundai. Was tun Sie dagegen?

Der Marktanteil ist für uns nicht von entscheidender Bedeutung. Unser Ziel sind drei Prozent Marktanteil in Deutschland Aber wichtiger ist die Profitabilität. Toyota konzentriert sich in Deutschland auf den Privatmarkt. Der Flottenmarkt macht zwar zwei Drittel des Geschäfts aus, wird aber von einem hohen Anteil an wenig rentablen Kurzzulassungen geprägt. Ein profitables Geschäft mit geringen Wertverlusten der Autos als Gebrauchtwagen ist aber wichtig für unsere Händler und unsere Kunden. Unser Marktanteil heißt im Umkehrschluss: 97 Prozent der deutschen Autokäufer sind potenzielle Kunden, die wir bisher nicht erreichen. Neue Kunden zu erobern ist nicht so einfach, dazu müssen unsere etwa vom TÜV bestätigten Fortschritte bei der Qualität deutlicher kommunizieren.

Warum sind Sie in Deutschland derart zurückgefallen?

Uns fehlten die richtigen Modelle. Das ändert sich. Wir haben den Auris neu eingeführt und ergänzen ihn im September endlich um eine Kombi-Variante, den Auris Touring Sport (TS), den es als ersten Kombi auch mit Hybridantrieb geben wird. Das ist wichtig für Flottenkunden. Wir haben die Kundennachfrage unterschätzt , als wir die erste Generation des Auris in Deutschland ohne Kombi gebracht haben. Den TS zeigen wir in Genf, ab Juli ist er bestellbar.

Die innovativsten Autostandorte

Quelle

In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Innovationskraft der Automobilstandorte bewerten.

Platz 18

Spanien
Die Spanier verlieren im Innovationsranking satte 12 Prozentpunkte. Drei Prozent halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 14 Prozent für eher wettbewerbsfähig. Damit sind die Spanier Schlusslicht in Europa.

Platz 17

Ungarn
Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Innovationskraft hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 16

Türkei
Gleichauf mit Ungarn sind die Türken in punkto Innovationskraft. Auch die Türkei ist für ein Prozent der befragten Unternehmen sehr wettbewerbsfähig, für 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 15

Polen
Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch nicht sonderlich innovativ. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für wettbewerbsfähig. Das sind acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Platz 14

Slowakei
Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet im Innovationsranking ebenfalls eher schlecht ab. Zwei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 13

Italien
Satte neun Prozentpunkte haben die Italiener im Innovationsranking eingebüßt. Die Heimat von Fiat und Ferrari halten mittlerweile nur noch vier Prozent aller befragten Unternehmen für sehr wettbewerbsfähig,  24 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

Platz 12

England
Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Innovation ist davon wenig geblieben. Erneut büßen die Briten 11 Prozentpunkte ein – und rutschen damit im Ranking ab. Sieben Prozent bewerten UK als sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

Platz 11

Tschechien
Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 27 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 10

Russland
Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Innovationskraft besteht Nachholbedarf. Sieben Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 9

Frankreich
Der große Verlierer im Innovationsranking. 21 Prozentpunkte büßt der Standort Frankreich ein. Nur noch sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 28 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 8

Schweden
Die Heimat von Volvo gehört zu den großen Gewinnern des Innovationsrankings. Neun Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 13 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 30 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

Platz 7

Indien
Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Trotzdem wird das Land von den Automobilunternehmen als relativ innovativ angesehen. Zehn Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 35 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 6

Brasilien
Den zweitgrößten Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Innovationskraft bewerten zehn Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 39 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 5

USA
Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Innovationskraft hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 43 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 4

China
Obwohl der chinesische Automarkt sich zuletzt wieder abgekühlt hat, belegt das Land im Innovationsranking einen der Spitzenplätze. 18 Prozent halten China für sehr wettbewerbsfähig, 42 für eher wettbewerbsfähig.

Platz 3

Südkorea
Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt vor allem an der Innovationskraft der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Innovationsranking satte 21 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 20 Prozent aller befragte ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 41 Prozent eher wettbewerbsfähig.

Platz 2

Japan
Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Innovationskraft. 24 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 41 als eher wettbewerbsfähig.

Platz 1

Deutschland
Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa innovativer als Deutschland. Satte 44 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Innovationskraft, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Was wollen Sie 2013 erreichen?

Trotz schlechter Marktposition haben wir eine Wachstumschance. Toyota hat seine Probleme Schritt für Schritt gelöst. Die Qualität unserer Autos ist deutlich besser geworden. Wir sind jetzt wieder stark und können aktiv auf den Markt gehen. Vergangenes Jahr hat Toyota in Deutschland 83.000 Autos verkauft. Unser Ziel für 2013 ist moderat und liegt bei 85.000 Autos.

Der Absatz des kompakten Geländewagens RAV4, lange Zeit ein Bestseller, ist stark eingebrochen. Was bringt der Modellwechsel?

Der Verkauf des alten RAV4 litt unter dem anstehenden Modellwechsel. In den neuen RAV4 setze ich große Erwartungen. Ausstattung und Qualität haben wir deutlich verbessert. Wir wollen damit neue Kunden erobern. Der schwache Yen-Kurs hilft uns angesichts des Preiskampfs bei kompakten Geländewagen.

Reicht der aktuelle Yen-Wechselkurs für ein profitables Geschäft?

Der starke Yen hat uns hart getroffen. Der schwächere Kurs seit Antritt der neuen Regierung mit ihrer exportfreundlichen Politik hilft uns, reicht aber noch nicht. Immerhin haben wir damit bessere Chancen, um in Europa Autos aus Japan wie den Sportwagen GT86, das Geländemodell Land Cruiser oder die Palette unserer Premiummarke Lexus zu verkaufen, die alle in Japan gebaut werden.

Kommentare (1)

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JapanFan

02.05.2013, 21:25 Uhr

Japan stellt die besten Autos der Welt her und nicht Europa!

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