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03.07.2016

10:51 Uhr

Toyota

Die Roboterrevolution eines Autobauers

VonMartin Kölling

Sie werden von Laien bewundert, von Gewerkschaften verpönt: Roboter revolutionieren die Arbeitswelt. Warum der japanische Autobauer Toyota jetzt Google das Geschäft mit der künstlichen Intelligenz streitig machen will.

Der Autobauer Toyota hat ein internes Unternehmen für vernetztes Fahren eingerichtet – mit großen Plänen für die Zukunft. AP

Der Autobauer Toyota hat ein internes Unternehmen für vernetztes Fahren eingerichtet – mit großen Plänen für die Zukunft.

TokioAuch die größten Experten für künstliche Intelligenz leisten sich kleine Laster. Bei Gill Pratt, dem Chef vom Toyota Research Institute (TRI), ist es Coca Cola. Fürsorglich haben die Toyota-Mitarbeiter im Tokioter Sitz des Autobauers eine Flasche der Brause an seinen Platz gestellt, von dem der schlacksige Amerikaner Journalisten Toyotas Weg zur künstlichen Intelligenz erklären will. Und Pratt nimmt sie dankbar auf – als ein Beispiel für die Roboterrevolution, die er heraufdämmern sieht.

Mit dem Siegeszug der Smartphones und Fortschritten im Maschinenlernen hätten Roboter nun die Fähigkeit bekommen, ihre Umwelt zu erkennen, so Pratt. „Bis vor drei Jahren war das noch nicht Realität.“ Wie einst in der Tierwelt vor hunderten Millionen Jahren sieht er damit heute die Bedingungen gegeben für eine „kambrische Artenexplosion für Roboter.“

Der Unterschied: Im Vergleich zur natürlichen Vermehrung der Tierarten wird es diesmal eine Evolution im Zeitraffer geben. Denn vernetzt über die Cloud könnten die Roboter gemeinsam lernen, zum Beispiel, dass er Coca Cola mag. Und überall, wo er hinkomme, würden Roboter ihm sein Lieblingsgetränk anbieten. „Ich glaube, dass diese Vernetzung zu einem hyper-exponentiellen Anstieg der Fähigkeiten von Robotern führen wird“, sagt Pratt.

Tiere, Menschen und Roboter erobern das Weltall

Erster Affe

Erste Versuche, Affen ins All zu schicken, gehen bis ins Jahr 1948 zurück. Am 11. Juni startete der Rhesusaffe „Albert I“ an Bord einer Rakete in Richtung Weltraum. Bereits ein Jahr später folgte ein weiterer Versuch mit „Albert II“, der eine Höhe von mehr als 130 Kilometern erreichte. Der Affe starb beim Aufprall auf die Erde.

Erster Hund

Seit Beginn der 1950er Jahre wurden auch Hunde ins Weltall geschickt. Das erste Lebewesen, das gezielt in eine Erdumlaufbahn gebracht wurde, war im November 1957 die russische Hündin Laika. Das Tier überlebte die Reise nicht.

Erste Frau

Mit 26 Jahren flog die russische Kosmonautin Valentina Tereschkowa im Juni 1963 als erste Frau in den Weltraum. Sie startete mit dem Raumschiff „Wostok VI“ und umkreiste in fast drei Tagen 48 Mal die Erde.

Erster Deutscher

Im August 1978 brach der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn mit dem Raumschiff „Sojus 31“ zur Raumstation „Saljut 6“ auf. Nach 124 Erdumkreisungen und einer Flugdauer von sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten kehrte er wieder zur Erde zurück.

Erster Tourist

Der US-amerikanische Unternehmer und Multimillionär Dennis Tito reiste 2001 als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation ISS – für rund 20 Millionen US-Dollar.

Erster Roboter

Der japanische Mini-Astronaut „Kirobo“ sprach 2013 als erster zweibeiniger Roboter im All zu den Erdbewohnern. Der kleine Blechmann soll den Forschern auf der ISS Gesellschaft leisten und gilt als guter Zuhörer.

Wenn Pratt zu Superlativen greift, lohnt es sich, hinzuhören. Denn der Amerikaner ist kein weltferner Technikfan, sondern einer der wichtigsten Manager der Maschinenevolution. Früher hat er bei der legendären amerikanischen Forschungsbehörde Darpa (Defense Advanced Research Projects Agency) als Direktor die Darpa Robotics Challenge organisiert, in der Roboter sich als Retter in gefährlichen Umgebungen bewähren sollten. Nun kann der Experte für künstliche Intelligenz die Träume der Roboterforscher im kalifornischen TRI in die Tat umsetzen. Denn das Institut hat eine historische Mission, wenigstens für Akio Toyoda, den Konzernchef des Autobauers.

Unbescheiden verglich Toyoda jüngst die Gründung der Intelligenzschmiede mit der Gründung der Automobilsparte durch seinen Urgroßvater Sakichi, dem Gründer des Ur-Toyota, eines Webstuhlherstellers. Sprich, das TRI soll die Keimzelle für ein Toyota jenseits seines Daseins als Webstuhlhersteller und Autokonzern sein. Dementsprechend ambitioniert ist Pratts Institut aufgestellt.

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