Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.10.2016

14:37 Uhr

Toyota

Eine ganz billige Nummer

VonLukas Bay, Martin Kölling

Toyota zielt auf die Schwellenländer und will mit Daihatsu ein Billigauto auf den Markt bringen. Damit sind die Japaner der Konkurrenz in einem wichtigen Segment voraus – und lassen auch VW weit hinter sich.

Der Etios ist bislang Toyotas Einstiegsmodell für die Schwellenländer. Mit 8.500 Dollar ist das Modell aber noch zu teuer, um ein Verkaufsschlager zu werden. Imago

Noch zu teuer

Der Etios ist bislang Toyotas Einstiegsmodell für die Schwellenländer. Mit 8.500 Dollar ist das Modell aber noch zu teuer, um ein Verkaufsschlager zu werden.

Tokio/DüsseldorfEuropa ist satt, die USA auch. Auf den angestammten Automärkten wird der Wettbewerb längst über Verdrängung geführt. Und auch das Wachstum in China verliert langsam an Schwung. Daher schaut sich die Industrie längst nach Märkten um, deren Automarkt noch in der Entwicklung steckt. Länder, in denen mit dem Wohlstand auch der Bedarf an Mobilität steigt. Der Schlüssel zu solchen Schwellenländern, ist ein günstiges Einstiegsauto.

Die Pläne sind zahlreich, und werden immer konkreter. Nun verrät auch der Weltmarktführer Toyota wie man sich den Angriff auf das Einstiegssegment vorstellt. Eine zentrale Rolle soll dabei die Kleinwagenmarke Daihatsu spielen, die Toyota am Anfang des Jahres komplett übernommen hatte. Die Tochter gilt als Kleinwagenspezialist der Toyota-Gruppe. In Japan ist das Unternehmen auf eine steuerlich begünstigte Klasse von Zwergautos konzentriert, deren Motoren maximal einen Hubraum von 660 Kubikzentimetern haben dürfen. Bereits Anfang 2017 soll das erste Modell für den internationalen Markt vorgestellt werden.

Damit haben die Japaner den großen deutschen Konkurrenten VW innerhalb weniger Monate überholt. Immer wieder mussten die Wolfsburger ihre Pläne für ein Billigauto umschmeißen. Eine Kooperation mit Suzuki endete im unschönen Scheidungskrieg. Trotzdem hält der VW-Konzern bislang an seiner Ankündigung fest, ab dem Jahr 2018 in das Geschäft mit den sehr günstigen Einstiegsvarianten einzusteigen, wahrscheinlich mit einer eigenen Submarke.

Zuletzt berichtete das „Manager Magazin“, dass VW eine Kooperation mit dem indischen Konzern Tata eingehen will, um die Entwicklung des Billigautos voranzutreiben. Die Inder gelten als Spezialisten für Kleinstwagen in den Schwellenländern. Mit dem Nano gehörten die Inder zu den ersten Anbietern eines extrem günstigen Kleinwagens. Doch bei den Verkäufen hinken sie im Heimatmarkt hinterher.

Welche Automarken den indischen Markt beherrschen

Platz 10

Volkswagen – Marktanteil: 1,7 Prozent

Die Wolfsburger sind auf dem indischen Markt erst seit 2007 vertreten. Die Modelle Jetta, Polo und Vento baut VW im indischen Werk Chakan.

Quelle: Society of Indian Automobile Manufacturers

Platz 9

Nissan – Marktanteil: 1,7 Prozent

Die Japaner sind mit ihrer Marke Datsun auch im Billigsegment unterwegs. Unter dem eigenen Logo werden in Indien unter anderem der Nissan Teana und der Micra verkauft.

Platz 8

General Motors – Marktanteil: 2,1 Prozent

Auf dem indischen Markt arbeiten die Amerikaner mit den chinesischen Hersteller SAIC zusammen. Insgesamt bietet GM derzeit acht verschiedene Modelle der Marke Chevrolet an.

Platz 7

Ford – Marktanteil: 3 Prozent

Der Ecosport aus Indien schaffte sogar den Sprung nach Europa. Seit 1995 sind die Amerikaner wieder auf dem indischen Markt vertreten, zunächst durch ein Joint Venture mit dem lokalen Hersteller Mahindra.

Platz 6

Toyota – Marktanteil: 5,5 Prozent

Zuletzt belasteten massive Arbeitskämpfen in den Werken die Bilanz der indischen Tochter der Japaner. In den beiden Toyota-Fabriken nahe Bangalore im Süden Indiens musste sogar kurzfristig die Produktion eingestellt werden. Dort arbeiten rund 6400 Menschen.

Platz 5

Tata Motors – Marktanteil: 6 Prozent

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover ist auf dem Heimatmarkt längst nicht so stark, wie man annehmen könnte. Jüngster Flop der Inder war der Billigwagen Nano, der nur wenig Anklang fand.

Platz 4

Honda – Marktanteil: 6,9 Prozent

Die Japaner planen gerade ihr drittes Werk in Indien. Die Verkäufe entwickeln sich positiv. Immerhin ist die Marke schon seit 1995 auf dem Markt vertreten.

Platz 3

Mahindra & Mahindra – Marktanteil: 8,6 Prozent

Der indische Hersteller ist spezialisiert auf Pickups, leichte Nutzfahrzeuge und Dreirad-Autos. Damit ist die Marke der stärkste rein lokale Hersteller und beschäftigt landesweit 11.600 Menschen.

Platz 2

Hyundai – Marktanteil: 16 Prozent 

Mit dem großen Überraschungserfolg des Santro begann 1996 die Erfolgsgeschichte der Koreaner in Indien. Mittlerweile hat Hyundai zwei Werke in Indien – und weiterhin große Wachstumspläne.

Platz 1

Maruti Suzuki – Marktanteil: 45 Prozent

Das Unternehmen entstand 1981 als Joint Venture der Japaner mit der indischen Regierung und beherrscht seitdem den Markt. Vom Kleinwagen bis zum SUV hat der Hersteller alles im Portfolio, was das indische Autoherz begehrt.

Trotzdem wäre es für VW ein logischer Schritt, mit einem Hersteller zu kooperieren, der den Markt kennt. Indien gilt für Autoexperten als Schlüsselmarkt für den Erfolg in Schwellenländern. Wer es dort schafft, der schafft es überall. In der Autowelt ist das Land bekannt für sein „frugales Ingenieurswesens“. Eine nette Umschreibung für den sehr sparsamen Einsatz von Ressourcen, um Fahrzeuge zu entwickeln, mit denen sich trotzdem noch Gewinn erzielen lässt. Eine Aufgabe, die insbesondere die detailverliebten VW-Konstrukteure seit Jahren herausfordert.

Doch wer Weltmarktführer sein will, kommt nicht umhin, auch in den Schwellenländern vorne mitzuspielen. „Indien ist der vielversprechendste Automarkt der Welt“, erklärt der Gaurav Vangaal, Analyst von IHS Automotive in Indien. Auf 1.000 Einwohner sind dort gerade einmal 14 Autos zugelassen – und damit deutlich weniger als in China.

Bislang tut sich Toyota in Indien schwer. Nach Marktanteilen gerechnet ist das Land seit Jahrzehnten fest in der Hand von Daihatsus japanischem Erzrivalen Suzuki, der mittlerweile die Mehrheit an Maruti Suzuki besitzt. Daran konnte auch Toyotas recht frühe Attacke auf das Einstiegssegment nichts ändern.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.10.2016, 14:49 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Josef Schmidt

11.10.2016, 15:33 Uhr

Gibt es einen Bereich in der Automobilindustrie wo die Deutschen noch führen sind ausser dem Dieselmotor, der ist nämlich tot.

Sie haben seit der Einführung der Direkteinspritzung bei Fiat Jahre lang davon gelebt alle zwei Jahre den Einspritzdruck zu erhöhen und 20 PS stärker als die Konkurrenz zu sein. Das war die Spitzentechnologie und echte Innovation aus Deutschland.

Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Was übrig bleibt sind zig Milliarden Schulden die bald abgeschrieben werden müssen.

Herr Holger Narrog

11.10.2016, 16:13 Uhr

Wenn VW ein preiswertes Auto bauen möchte würde es sich anbieten den Golf I mit heutiger Ferigungstechnik wieder zu erwecken.

Mechanische Fensterheber, Schmale Reifen, keine Servolenkung, 4-Ganggetriebe, Vergasermotoren und Dieselmotoren ohne Partikelfilter....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×