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12.09.2013

07:50 Uhr

Toyota-Europachef Leroy

„Wir können aggressiver auftreten“

VonLukas Bay

Der Weltmarktführer Toyota will den Vorsprung beim Hybridantrieb ausbauen. Mit Handelsblatt Online spricht Europachef Didier Leroy über neue Konkurrenten, alte Qualitätsprobleme und europäische Fahrgefühle.

Didier Leroy, Europachef von Toyota auf der IAA: "Heute verkaufen wir weniger, sind aber profitabel." . Reuters

Didier Leroy, Europachef von Toyota auf der IAA: "Heute verkaufen wir weniger, sind aber profitabel."

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FrankfurtHandelsblatt: VW-Chef Winterkorn will Milliarden in die Weiterentwicklung des Hybridantrieb investieren. Müssen Sie um ihr Alleinstellungsmerkmal fürchten?

Leroy: Wir begrüßen es, dass auch andere Marken mittlerweile stärker auf den Hybridantrieb setzen. Vor einigen Jahren haben viele Leute noch an diesem Antrieb gezweifelt. Nun merken auch unsere Konkurrenten, dass unser Weg der richtige war. Natürlich bedeutet das zusätzlichen Wettbewerb für uns. Wir respektieren, dass sich auch Volkswagen in diesem Bereich entwickelt.

Und das sind sogar gute Nachrichten für uns. Als wir 2012 noch weniger Konkurrenten im Hybridmarkt hatten als heute, sind wir auf einen Marktanteil von 65 Prozent gekommen. Im Jahr 2013 haben wir zwar mehr Konkurrenten, aber einen Marktanteil von 75 Prozent. Wettbewerb ist für uns eine Motivation, die Leistung unserer Autos zu verbessern und mehr Hybridprodukte auf den Markt zu bringen.

Können Sie denn noch als technischer Vorreiter auftreten?

Wir können sogar noch aggressiver in unserer Rolle als Vorreiter auftreten. Bereits 2013 werden 20 Prozent aller unserer verkauften Fahrzeuge in Europa mit Hybridantrieb unterwegs sein, in Westeuropa sind es sogar 27 Prozent. Unsere Nobelmarke Lexus verkauft 94 Prozent aller Fahrzeuge als Hybrid.

Wir wollen den Plugin-Hybridantrieb in weitere Fahrzeugklassen einführen und verkaufen bereits jetzt 54 Prozent aller Plugin-Hybrid-Fahrzeuge auf dem Markt – und das alleine mit dem Prius. Die Kunden nehmen die Überlegenheit unserer Technologie in diesem Bereich wahr. 

Alle reden von Elektroautos, Toyota verzichtet in Europa momentan auf ein eigenes Modell. Warum?

Wir haben mit dem IQ EV die nötige Technologie, wir könnten es morgen auf den Markt bringen. Aber wir bezweifeln, dass es dafür derzeit ein profitables Businessmodell gibt. In der urbanen Mobilität sehen wir aber durchaus eine Chance für die Elektromobilität – auch in Europa. Bisher weiß aber niemand, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird.

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Toyota im Handelsblatt-Test

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Im Jahr 2015 wollen Sie ein Hybridfahrzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen. Eine Technologie, die viele Hersteller schon wieder aufgegeben haben. Glauben Sie noch an einen Erfolg?

Im Wasserstoffantrieb steckt ein großes Potential. In den ersten drei Jahren werden sich die Zulassungszahlen vielleicht noch in Grenzen halten. Aber ab 2020 – also mittel- und langfristig – gehe ich davon aus, dass der Wasserstoffantrieb eine große Zukunft hat. Er gibt uns die Möglichkeit zum emissionsfreien Fahren ohne die Einschränkungen in der Reichweite wie sie reine Elektroautos haben.

Gerade haben sie angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit BMW zu vertiefen. Wie will Toyota von der Partnerschaft profitieren?

Wir wollen auf vielen Feldern zusammenarbeiten. Bei Sportwagen, aber auch bei der Weiterentwicklung des Hybrid- und Wasserstoffantriebs. Derzeit loten wir aus, wie die Zusammenarbeit konkret aussehen könnte. Wir sind da noch in der Findungsphase.

Was macht BMW denn besser als Toyota?

(lacht) Das werde ich ihnen bestimmt nicht verraten. Im Ernst: Beide Seiten sind der festen Überzeugung von der anderen Seite lernen zu können.

Das Wachstum von Toyota im vergangen Jahr ist eindrucksvoll. Als erster Hersteller wollen Sie dieses Jahr 10 Millionen Fahrzeuge produzieren. Gleichzeitig bewegt sich die Zahl ihrer Rückrufe auf Rekordniveau. Leidet ihre Qualität unter dem Wachstum?

Wollen Sie die Wahrheit hören? Wir werden weitere Rückrufe haben. Wir werden keinen unserer Kunden mit einem fehlerhaften Auto fahren lassen. Selbst wenn wir einen Fehler nach sechs oder sieben Jahren entdecken, rufen wir das Auto zurück. Viele unserer Wettbewerber sagen, dass es verrückt ist, so etwas zu tun.

Fürchten Sie nicht um ihr Image als Qualitätshersteller?

Warum sollten wir? Fragen Sie die Toyota-Kunden: Selbst wenn ihr Auto zehn Jahre alt ist und sie ein Problem haben, reparieren wir ihr Auto, wenn wir einen Fehler gemacht haben. Da verfolgen wir eine Null-Toleranz-Politik. Als wir den Avensis aus dem Jahr 2004 zurückgerufen haben, haben mich viele gefragt: Warum tut ihr sowas, obwohl niemand den Fehler entdeckt hat?

Ihre Konkurrenten machen das nicht?

Sie machen, was sie wollen. Vielleicht machen sie ja auch keine Fehler.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.09.2013, 08:52 Uhr

Ironischerweise kaufen die Langstreckenfahrer aus den USA den Hybrid zuhauf. Und auch Tokio ist nichts für den Hybrid.
Wenn Zielkunden nicht auf ein Produkt anspringen, ist höchste Vorsicht geboten. Hybrid ist heute nur schick und schick vergeht schneller als gedacht.
Was hat Toyota sonst noch anzubieten? Biedere Technik in biederster Hülle. Erinnert mich an Audi der 1970ger Jahre. Höchtlangweilige Spiesserkarren.

steven

12.09.2013, 15:34 Uhr

@Bosch-warum soll Hybrid nicht für Tokyo taugen? Der Prius ist seit Jahren meistverkauftes Auto in Japan mit den Zulassungszahlen die der Golf in D hat. Hybrid ist keine Modeerscheinung sondern mittlerweile weltweit auf dem Vormarsch. Nur Europa tut sich noch schwer damit. Aber Europa ist auch kein Zukunftsmarkt.

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