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05.10.2012

12:00 Uhr

Tranparenz-Studie

Die undurchsichtigen Geschäfte der Rüstungsriesen

VonLukas Bay

Kaum eine Branche ist so anfällig für Korruption wie die Rüstungsindustrie, sagt Transparency International. In einer Studie stellt die NGO den Waffenherstellern ein schlechtes Zeugnis für ihre Korruptionsbekämpfung aus.

Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2: Hersteller Krauss-Maffei Wegmann wird von Transparency International kritisiert. dpa

Ein Kampfpanzer vom Typ Leopard 2: Hersteller Krauss-Maffei Wegmann wird von Transparency International kritisiert.

DüsseldorfGerade einmal ein Jahr ist es her, da wurde der französische Staat und der Rüstungskonzern Thales zu einer Strafe von rund 630 Millionen Euro verurteilt. Bei einem Deal der staatlichen Rüstungswerften DCNI mit der taiwanesischen Kriegsmarine hatte der Konzern unter dem staatlichen Deckmantel 20 Prozent des Kaufpreises von 2,5 Milliarden Dollar für Schmiergelder abgezweigt, befand ein Pariser Gericht. Nicht der erste Fall, in dem Waffengeschäfte mit Schmiergeldern vorangetrieben wurden. Doch bis heute bekämpften die Rüstungskonzerne die Korruption nur halbherzig, sagt Transparency International.

In einer Studie hat die Nicht-Regierungsorganisation 34 Fragen an die Waffenhersteller gerichtet. Ihr Ergebnis: Von 129 untersuchten Unternehmen konnten nur zehn "gute Informationen über ihre Anti-Korruptionssysteme" vorweisen. Nur die relativ unbekannte Fluor Company aus Texas bekam die Spitzenbewertung. Deutsche, chinesische und russische Rüstungskonzerne schneiden dagegen schlecht ab. Krauss-Maffei Wegmann, der Panzerbauer, der zuletzt einen zwei Milliardendeal mit dem Golfstaat Katar über 200 deutsche Leopard-Panzer eingefädelt hat, gehört sogar zu den am schlechtesten bewerteten Unternehmen.

Rüstungskonzerne nach Transparenz

Die Methodik

In einer Studie hat die Nicht-Regierungsorganisation Tranpareny International rund 34 Fragen an 129 Rüstungskonzerne gerichtet, um zu untersuchen, wie die Unternehmen die Korruption bekämpfen. Wie die Unternehmen abgeschnitten haben.

Bewertung A

Fluor Corperation

Bewertung B

Accenture, BAE Systems, Fujitsu, Hewlett Packard, Meggitt, Northrop Grumman, Serco Group, Thales, United Technologies

Bewertung C

Bechtel, Boeing, Chemring, Cobham, CSC, Day & Zimmerman, Dyncorp, EADS, Finmeccanica, General Dynamics, General Electric Aviation, GKN, Goodrich, Harris, Honeywell International, Indra Sistemas, ITT Exelis, Jacobs Engineering, KBR, Kongsberg Gruppen, L3 Communications, Lockheed Martin, Oshkosh, Qinetiq, Raytheon, Rockwell Collins, Rolls Royce, Saab AB, SAIC, Teledyne Technologies, Textron, Thyssen-Krupp, URS, VSE

Bewertung D

AAR, Alion Science & Technology, Alliant Techsystems, Avio, Babcock International, Booz Allen Hamilton, Caci, CAE, Cubic, Curtisswright, Daewoo Shipbuilding & Marine, Diehl Stiftung, Elbit, Embraer, Flir, Hindustan Aeronautics, Mantech International, MBDA Missile Systems, MTU Aero Engines, Nammo, Navistar, NEC, Rafael Advanced Defence Systems, Safran, Tognum

Bewertung E

Aselsan, Dassault Aviation, DCNS, Fincantieri, Gorky Automobile Plant, IHI Marine, Mitsubishi Electric, Mitsubishi Heavy Industries, Rheinmetall, RTI Systems, Ruag, Samsung, Ultra Electronics Holding

Bewertung F

Abu Dhabi Shipbuilding, Almaz-Antey, Antonov, Arab Organisation for Industrialisation, Arinc, Arsenal, Aviation Industry Corporation of China, Avibras Industria Aerospacial, Battelle, Bharat Earth Movers Limited, Bharat Electronics, Boustead Naval Shipyard, Bumar, China Shipbuilding, Denelsoc, Doosan, General Atomics, Heavy Industries Taxila, Irkut, Israel Aerospace Industries, Israel Military Industries, Kawasaki Heavy Industries, Kharkov, Krauss-Maffei Wegmann, Lig Nex1, McDean, Navantia, Nexter, Norinco, Otokar, Pakistan Ordnance, Patria OYL, Poongsan, Russian Helicopters, Sapura, Satuma, SRA, SRC, ST Engineeering, Sukhoi, TRV, Tula KB Priborostroyeniya, United Engine Corporation, Wyle Laboratories, Zodiac

Sie sind nicht die einzigen mit einer schlechten Bewertung: 65 Prozent der Firmen bekamen in die die Noten E und F, darunter auch Rheinmetall AG und die Diehl Stiftung. Ein Ergebnis, das Anlass zur Sorge gibt. Immerhin kommen die untersuchten Unternehmen zusammen auf einen Umsatz von 11 Billionen Euro und beherrschen den weltweiten Rüstungsmarkt.

Besser schneiden dagegen US-Unternehmen ab. Northrop Grumman verpasst die Spitzenbewertung nur knapp. Auch die britische BAE Systems wird mit der Note B beurteilt. Der größte europäische Rüstungskonzern EADS und Thyssen-Krupp landeten mit einer C-Wertung im Mittelfeld.

Kaum eine Branche ist so regional konzentriert wie die Rüstungsindustrie: Von den sechs größten waffenexportierenden Nationen USA, Russland, Deutschland, Frankreich, England und China werden rund 79 aller Waffen verkauft. Was die Korruptionsbekämpfer besonders beunruhigt: Immer mehr Schwellenländer drängen mit eigenen Rüstungskonzernen auf die internationalen Märkte und geben dabei kaum Informationen frei. Von den 27 bewerteten Firmen aus Schwellenländern erreichen 23 eine schlechte Bewertung.

Wer die Welt mit Waffen ausrüstet

Das Ranking

Einmal jährlich erstellt das Magazin „Defense News“ ein Ranking der größten Rüstungskonzerne der Welt. Die Liste ist dominiert durch US-Konzerne, allerdings werden chinesische Rüstungsriesen wie China South Industries, China State Shipbuilding und China Aerospace Science wegen unsicherer Datenlage nicht im Ranking aufgeführt. Handelsblatt Online zeigt, welche zehn Unternehmen 2011 zu den größten Waffenproduzenten der Welt gehörten.

Platz 10

United Technologies (USA) - 11,0 Milliarden Dollar Umsatz in der Militärsparte

Der US-Mischkonzern gehört zu den größten Unternehmen der Welt und mischt auch im Rüstungsgeschäft kräftig mit. Zum Portfolio der US-Amerikaner gehören Hubschrauber für die zivile und militärische Luftfahrt, Raketenantriebe, aber auch Klimaanlagen. Die Militärsparte macht knapp 20 Prozent des Umsatzes aus.

Platz 9

L-3 Communications (USA) - 12,52 Milliarden Dollar

Die US-Firma aus New York erlangte zuletzt als einer der Marktführer für Körperscanner einige Bekanntheit. Vor allem aber stellt L-3 Kommunikationslösungen sowie Navigationssysteme und -geräte für militärische Zwecke her. Das macht den Konzern laut „News Defense“ zum weltweit neuntgrößten Hersteller von Kriegsgerät - mit einem Umsatz in diesem Sektor von 12,52 Mrd. Dollar im Jahr 2011. Kriegsgerät macht fast 83 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Platz 8

Finmeccanica (Italien) - 14,58 Milliarden Dollar

Auch der italienische Finmeccanica-Konzern gehört zu fast einem Drittel dem Staat. Im zivilen Bereich baut das Unternehmen unter anderem U-Bahnen, Lokomotiven und Verkehrsleitsysteme. Im militärischen Bereich gehören Hubschrauber, Lenkwaffen und Panzer zum Portfolio. Im Jahr 2011 setzte Finmeccanica 14,58 Mrd. Dollar mit Kriegsgerät um (knapp 61 Prozent Gesamtanteil).

Platz 7

EADS (Westeuropa) - 16,10 Milliarden Dollar

Auf Platz sieben der Top 10 landet der von Deutschland und Frankreich kontrollierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Er bietet neben zivilen Verkehrsflugzeugen (Airbus-Reihe) sowie Trägerraketen (Ariane) und Satelliten Militärflugzeuge (zum Beispiel Eurofighter, im Bild) und Sicherheitslösungen an. Mit militärischen Produkten erwirtschaftete EADS 2011 laut „Defence News“ knapp 16,10 Mrd. Dollar. Das entspricht knapp 24 Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

Platz 6

Northrop Grumman (USA) - 21,4 Milliarden Dollar

Schlagzeilen machte Northrop Grumman als US-Partner von EADS bei der Bewerbung um einen Milliardenauftrag zum Bau von Tankflugzeugen für das US-Militär. Der Konzern mit seinen mehr als 75.000 Mitarbeitern erzielte in seinem militärischen Segment 2011 einen Umsatz von 21,4 Mrd. Dollar und ist damit der sechstgrößte Rüstungskonzern der Welt. Rüstung macht an seinem Umsatz 81 Prozent aus. Zu den bekanntesten Produkten zählt der Tarnkappenbomber B-2 (im Bild) oder die Atom-U-Boote.

Platz 5

Raytheon (USA) - 23,06 Milliarden Dollar

Der US-Konzern Raytheon stellt hauptsächlich Raketen und optische Militärsysteme her: Den Marschflugkörper „Tomahawk“ etwa, die Luft-Luft-Rakete „Sidewinder“ oder das Flugabwehrsystem „Patriot“. Das Unternehmen mit seinen mehr als 71.000 Mitarbeitern hat 2011 mit militärischen Gütern einen Umsatz von 23,06 Mrd. Dollar (93 Prozent Anteil am Umsatz) erzielt.

Platz 4

General Dynamics (USA) - 25,51 Milliarden Dollar

Der US-Konzern, der unter anderem schwere Militärfahrzeuge herstellt, setzte 2011 mit militärischen Gütern 25,51 Mrd. Dollar um und landet damit auf dem 4. Rang. Zu den Produkten gehören unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, Kampfflugzeuge sowie Lenkflugkörper und IT-Lösungen. 78 Prozent des Gesamtumsatzes machen die Kriegsgüter aus.

Platz 3

BAE Systems (Großbritannien) - 29,13 Milliarden Dollar

Platz drei nehmen die Briten ein: BAE Systems erzielte mit seinen 88.000 Mitarbeitern 2011 einen Umsatz im Rüstungsgeschäft von 29,13 Mrd. Dollar. Der größte Rüstungskonzern Europas (der in seinem zivilen Segment vor allem in der Luft- und Raumfahrt aktiv ist) stellt eine bunte Palette militärischen Geräts her: Von Kriegsschiffen über Raketensystemen bis zu Kampfflugzeugen. Hierbei kooperiert BAE zum Teil mit anderen Rüstungskonzernen, wie etwa mit Lockheed Martin bei der F-22 oder mit EADS beim Eurofighter. BAE hängt mit knapp 95 Prozent Kriegsanteil am Gesamtumsatz fast vollständig von Rüstungsaufträgen ab.

Platz 2

Boeing (USA) - 30,7 Milliarden Dollar

Der drittgrößte Rüstungskonzern ist Boeing - mit einem Umsatz laut „Defense News“ von 30,7 Mrd. Dollar im Rüstungsgeschäft, was knapp knapp 45 Prozent der Gesamtumsätze entspricht. Im zivilen Bereich konkurriert der 170.000 Mitarbeiter starke US-Konzern seit Jahren mit EADS/Airbus um die Vorherrschaft. Im Rüstungsgeschäft hat Boeing eine breite Palette an Flugzeugen und Lenkwaffen im Angebot: von der Transportmaschine C-17 über den Bomber B-52 Flying Fortress bis zum Tankflugzeug KC-767.

Platz 1

Lockheed Martin (USA) - 43,98 Milliarden Dollar

An der Spitze der Rüstungskonzerne steht Lockheed Martin. Der US-Konzern erwirtschaftete 2011 aus seiner Rüstungssparte 43,98 Mrd. Dollar. Knapp 95 Prozent der Umsätze erwirtschaftet das Unternehmen mit Kriegsgerät: Lockheed Martin stellt einerseits Kampfflugzeuge und -bomber her, darunter die F-16 und die neue, milliardenteure F-22A Raptor. Daneben produziert der Konzern Aufklärungsmaschinen wie die auch von der Bundeswehr genutzte P-3 sowie Luftschiffe. Rein deutsche Hersteller sind im Ranking der größten Rüstungskonzerne nicht in der Top-10.

Kommentare (5)

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Brasil

05.10.2012, 12:38 Uhr

Und da soll noch einer erklaeren Deutschland sei KEINE Bananenrepublik!
Nein, das Land mit seiner Industrie, vorneweg Siemens (ganz zu schweigen von der Chemischen- und Krankheitsindustrie, ist nicht Mittendrin, sondern an der Spitze der Korruption, was dieser Bericht wieder mal eindrucksvoll bestaetigt!
D ist auch das einzige Land, welches die internationalen Korruptionsvereinbarungen nicht unterschrieben ha, wieso wohl, hier findet man die Antworten! Aber dann gegen Iran Kriegshetze betreiben und dies nur, weil dieses Land nicht zu den Kriegswaffenkunden dieser korrupten Politmaffia gehoert!

Heile-Welt

05.10.2012, 13:13 Uhr

Es gibt kaum was gefährlicheres als Pazifisten und FriedensaposteL Das Pardies und die friedlichen Wesen, Menschen genannt, hat es nie gegeben. Schon in der Familie fängt es an, wenn es ums Erben/Teilen geht. Gier gibt es auch schon immer. Was soll so ein Artikel in einer deutschen Tageszeitung

Account gelöscht!

05.10.2012, 13:22 Uhr

Kein Krieg der Welt ist sauber oder moralisch akzeptabel.

Die Waffenlieferanten sollen sich aber stets ethisch korrekt verhalten.

Die Perversität des Systems par excellence. lol

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