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11.03.2016

07:15 Uhr

Treffen nach Horn-Rücktritt

US-Autohändler machen Druck auf VW

VonAstrid Dörner

Nach dem Abgang von US-Chef Michael Horn fordern Autohändler, dass der Konzern schriftlich zu seinen gemachten Zusagen steht. Am Sonntag kommt es zum Aufeinandertreffen in Wolfsburg.

US-Händler sind besorgt, dass der Konzern Zusagen des zurückgetretenen US-Chefs Horn nicht einhalten könnte. dpa

Volkswagen

US-Händler sind besorgt, dass der Konzern Zusagen des zurückgetretenen US-Chefs Horn nicht einhalten könnte.

DenverDer VW Passat funkelt in der Abendsonne. Er ist blank poliert, so wie alle Fahrzeuge, die im Autohaus von Fred Emich in Denver stehen. „Ab 199 Dollar im Monat, fragen Sie Ihren Autohändler nach Details“ prangt es in großen Lettern von einem Schild, das auf der Frontscheibe klebt.

Doch bei Emich herrscht Flaute. Kein einziger Kunde ist am Donnerstagabend in der lichtdurchfluteten Halle. Dabei ist das Autohaus eines der größten der Stadt und zählt zu den 25 führenden VW-Händlern in ganz Amerika.

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Neue Vorwürfe gegen Volkswagen: Mehrere Medien beschuldigen den Konzern, auch nach Bekanntwerden der Manipulationen weiter an der umstrittenen Motor-Software gearbeitet zu haben – um noch erfolgreicher zu schummeln.

Doch seit dem Diesel-Skandal ist nichts mehr, wie es war. „Die letzten beiden Monate waren die schlechtesten aller Zeiten“, sagt Emich, der das Autohaus seit neun Jahren leitet. Dabei hat er noch vor einem halben Jahr gut 100 Autos im Monat verkauft. Emich spricht mit ruhiger Stimme. Er wirkt gefasst, doch er lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es unter der Oberfläche brodelt.

Am Sonntag fliegt er mit gut einem Dutzend anderer VW-Händler in die VW-Zentrale nach Wolfsburg. Emich ist Teil des Dealer Product Council, einem Gremium, das mit dem Autobauer regelmäßig über die beste Produktstrategie berät. VW lade wie jedes Jahr zu einer Veranstaltung, die so etwas ist wie eine konzern-interne Automesse, bei der die künftigen Modelle vorgestellt werden, erklärt er.

Doch der überraschende Abgang von Volkswagens Amerika-Chef Michael Horn am Mittwoch stellt die Messe in den Schatten. Die Händler sind besorgt, dass die Zusagen, die Horn den 652 selbständigen VW-Händlern des Landes gemacht hat, nicht eingehalten werden könnten. Es geht um neue Modelle, neue Technologien und um finanzielle Hilfen. In einem Brief soll die Führung in Wolfsburg dazu aufgefordert werden, schriftliche Garantien zu geben.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Der Verband der amerikanischen VW-Händler hatte am Mittwoch mit einer drastischen Stellungnahme auf das Ausscheiden Horns reagiert. „Wir verfolgen beunruhigt das Missmanagement des Skandals in Deutschland und wie sich das auf die Entscheidungen der Behörden in den USA auswirkt“, kritisierte der Verband, der von dem texanischen Autohändler Alan Brown geführt wird. Die Personalentscheidung könne „nur dazu dienen, das Unternehmen noch weiteren Risiken auszusetzen.“

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