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10.02.2012

21:30 Uhr

Trend zu Grün

Autoproduzenten auf dem Weg zur Ökofabrik

VonMark Christian Schneider, Sandra Louven

Auch Autohersteller können dem allgemeinen Öko-Trend nicht entkommen. Das gilt nicht nur für die Fahrzeuge, sondern auch für deren Fertigung. Um bei ihren Kunden Akzeptanz zu finden, investieren VW und Co. Milliarden.

Ein Mitarbeiter bei Volkswagen: Der Autohersteller will umweltfreundlicher werden. dapd

Ein Mitarbeiter bei Volkswagen: Der Autohersteller will umweltfreundlicher werden.

Hamburg/MünchenHubert Waltl ist ein bodenständiger Bayer, sein Händedruck kräftig. Bei Audi hat er in den 70er-Jahren eine Lehre zum Werkzeugmechaniker gemacht. Heute leitet er den Werkzeugbau von Volkswagen und verantwortet die Produktion der Marke VW. Der Techniker will aber nicht nur das Bestehende verbessern, Waltl hat eine Vision. Die ist in seinem Kopf, aber auch auf seinem Computer.

Es ist eine bunte Computersimulation, eine virtuelle Modellfabrik, die der Autobauer gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik und 67 Zulieferern entworfen hat. Die Fabrik liegt in einem Naturschutzgebiet, nutzt Ökostrom aus Wasserkraft und gewinnt Wärme aus Biomasse. Eine perfekte Fabrik, frei von jeglicher Belastung durch das Klimagas Kohlendioxid.

Saubere Fertigung

Herstellungsprozess

Der größte Teil des von Autos verursachten Mülls entsteht direkt bei der Fertigung. Allein ein Fünftel des Kohlendioxids, das ein Auto während seiner Lebenszeit produziert, fällt bereits bei der Herstellung von Teilen und in der Produktion selbst an.

BMW

Pilotprojekt ist das US-Werk in Spartanburg. Fünfzig Prozent der verbrauchten Energie erzeugt BMW dort über Methangas, das aus einer benachbarten Mülldeponie stammt. Mit dem anfallenden Wasserstoff werden die Brennstoffzellen der Gabelstapler betrieben. BMW prüft weltweit den Einsatz von Windenergie, Solarparks und Biomasse zur Energieerzeugung.

Ford

Der bei der Produktion anfallende Deponiemüll soll bis 2016 um 70 Prozent sinken, von fünf Kilogramm im Jahr 2011 auf dann 1,5 Kilogramm pro Auto; der Wasserverbrauch um 30 Prozent zurückgehen – das entspricht 1 100 Liter pro Auto.

VW

Neue Pressstraßen für Stahl reduzieren die CO2-Emission in Wolfsburg um 2 200 Tonnen pro Jahr. Eine Entzinkungsanlage gewinnt aus Schrott wieder Stahl.

Schritt für Schritt soll diese Vision Realität werden. VW will die eigene Produktion umweltfreundlicher machen. „Unser Ziel ist es, bis 2018 bei der Herstellung eines Autos jeweils ein Viertel weniger Kohlendioxid auszustoßen, Wasser, Strom, Lösungsmittel und Verpackungsmaterial zu verbrauchen“, sagte VW-Vorstand Hubert Waltl dem Handelsblatt. Was die Autos bereits erfüllen müssen, soll nun auch für den Ort gelten, an dem sie entstehen.

Es muss. Denn Volkswagen ist in den vergangenen Monaten zur Zielscheibe der Umweltaktivisten von Greenpeace geworden. Aus ihrer Sicht tut der Konzern nicht genug, um den CO2-Ausstoß zu senken. VW widerspricht, die Konkurrenz sieht dem Treiben mit gemischten Gefühlen zu. „Wir sind froh, nicht selbst attackiert zu werden“, sagt ein Automanager, „können aber morgen genauso dran sein.“

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