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01.10.2013

15:49 Uhr

Trotz Absprachen

Finnen machen ehemaliges Thyssen-Werk früher dicht

Zwei Jahre früher als geplant macht der finnische Konzern Outokumpu nun doch das ehemalige Thyssen-Krupp-Werk in Bochum dicht. Die NRW-Regierung wirft dem Unternehmen Vertragsbruch vor.

Outokumpu hält sich offenbar nicht an gemachte Absprachen. Das Bochumer Werk soll früher geschlossen werden. AFP

Outokumpu hält sich offenbar nicht an gemachte Absprachen. Das Bochumer Werk soll früher geschlossen werden.

DüsseldorfNicht mal ein Jahr nach der Übernahme des Thyssen-Krupp -Edelstahl-Geschäftes will der Outokumpu -Konzern von früheren Zusagen nichts mehr wissen und sein Werk in Bochum früher schließen. In Europa sollen nun 3500 statt 2500 Stellen wegfallen, kündigten die Finnen am Dienstag an. Das Werk in Bochum mit 450 Beschäftigten werde 2014 dichtgemacht und nicht erst Ende 2016. Der Konzern verwies auf Überkapazitäten und den Preisdruck. Die IG Metall und auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft reagierten empört. „Dieses Verhalten verstößt gegen die Unternehmenskultur in diesem Land“, kritisierte die SPD-Politikerin.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Die Marktlage habe sich seit der Ankündigung der Übernahmepläne 2012 deutlich geändert, erklärte Outokumpu-Chef Mika Seitovirta in einer Telefonkonferenz. Neben den Überkapazitäten machten den Herstellern in Europa auch die zunehmenden Importe aus Asien zu schaffen. Durch den von den Kartellbehörden geforderten Verkauf des Werks im italienischen Terni fielen zudem geplante Synergieeffekte niedriger aus als geplant. "Unsere Kostenbasis ist in Europa zu hoch." Er wisse, dass die Ankündigung für die Beschäftigen in Bochum eine schlechte Nachricht sei. Er hoffe aber, eine Lösung mit den Arbeitnehmervertretern zu erreichen. Erste Gespräche habe es bereits gegeben.

Die IG Metall reagierte prompt. „Die Ankündigungen von Outokumpu würden den Bruch der geltenden Tarifverträge bedeuten, davor kann ich den Vorstand nur warnen“, sagte NRW-Bezirksleiter Knut Giesler. Managementfehler einzig auf die Beschäftigen abzuwälzen, gehe nicht. Alle wirtschaftlichen Probleme seien bereits beim Abschluss der Tarifverträge bekannt gewesen. „Diese gültigen Verträge sind schlicht und klar einzuhalten. Was das Unternehmen jetzt vorhat, ist die pure Provokation. Das werden wir nicht hinnehmen.“

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