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03.06.2014

20:19 Uhr

Trotz Aufschwung

VW fällt in den USA hinter Konkurrenz zurück

In der Gesamtschau legt die Branche zu, doch natürlich können nicht alle Autohersteller gleichermaßen vom Aufschwung in den USA profitieren. Während General Motors trotz Rückrufaktionen gewinnt, hat VW das Nachsehen.

Ganz so fesch und agil wie die Golf Edition hier bei der Automesse AMI in Leipzig kommen die Verkaufszahlen von VW in den USA nicht daher. dpa

Ganz so fesch und agil wie die Golf Edition hier bei der Automesse AMI in Leipzig kommen die Verkaufszahlen von VW in den USA nicht daher.

HerndonVolkswagen verliert auf dem florierenden US-Automarkt weiter an Boden. Die Kernmarke des Wolfsburger Konzerns verkaufte im Mai etwa 15 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor. Dies teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Es ist der vierzehnte Rückgang in Folge. Seit Januar liegen die Verkäufe damit um fast 12 Prozent unter den ersten fünf Monaten des Vorjahres.

Der Rückgang ist umso schmerzhafter, als der US-Automarkt an sich boomt. Selbst Branchenprimus General Motors, der unter einer Serie an Rückrufen leidet, konnte seinen Absatz um annähernd 13 Prozent steigern. Glück im Unglück für den VW-Konzern: Die Premiumtochter Audi erzielte ein Rekordergebnis für die Jahreszeit dank der neuen A3-Limousine; bei Porsche schossen die Verkäufe wegen des neuen kompakten SUV Macan in bislang nie gesehene Höhen.

Bei der Kernmarke VW waren die Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten zuletzt im März 2013 gestiegen. Konzernchef Martin Winterkorn hatte jüngst angekündigt, sich dem US-Markt stärker zu widmen. Allerdings gibt es nach wie vor keine Entscheidung, wo ein speziell für die USA entworfenes SUV-Modell gebaut werden soll, von dem sich Volkswagen die Trendwende erhofft.

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Tennessee, Bill Haslam, hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass er mit dem Konzern wieder über Subventionen für einen Ausbau des einzigen US-Werks Chattanooga verhandele. Dort wird bislang einzig der US-Passat gebaut. Als Alternative für die Produktion bietet sich Mexiko an. Der als Studie Crossblue bereits Anfang 2013 gezeigte Siebensitzer soll 2016 bei den Händlern stehen.

VW ist die einzige deutsche Massenmarke in den USA und hat seit jeher einen schweren Stand gegenüber den Platzhirschen General Motors, Ford und Chrysler sowie den starken Japanern mit Toyota an der Spitze. Auch die Südkoreaner Hyundai und Kia haben viele Kunden in den USA, dem zweitgrößten Automarkt nach China.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Fiat-Tochter Chrysler konnte ihren guten Lauf im Mai fortsetzen und den Absatz um 17 Prozent steigern. Vor allem Jeep-Geländewagen und Pick-up-Trucks von Ram verkauften sich besser. Ford verkaufte 3 Prozent mehr Autos, wobei die neue Mittelklasse-Limousine Fusion weiterhin kräftig im Terrain des VW Passat wilderte. Toyota steigerte die Verkäufe um 17 Prozent. Gesamtdaten für den Markt lagen zuletzt noch nicht vor, weil jeder Hersteller seine Zahlen einzeln bekanntgibt.

Auffallend war der gute Lauf von General Motors mit seiner Hauptmarke Chevrolet. Mit 284 700 Stück waren es die besten Verkäufe seit dem Hochkochen der Finanzkrise Mitte 2008. Zum Vergleich: VW kommt samt Porsche und Audi auf knapp 53 400 verkaufte Wagen, wovon 32 200 Autos auf VW alleine entfallen.

Dabei hat General Motors in diesem Jahr rund 30 Rückrufe wegen diverser Mängel gestartet, wovon allein in den USA 13,8 Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Vor allem defekte Zündschlösser hatten Aufsehen erregt, weil bei Unfällen nach Firmenangaben mindestens 13 Menschen gestorben sind. Der Opel-Mutterkonzern hatte den Defekt lange ignoriert.

Die seit Jahresbeginn amtierende Konzernchefin Mary Barra hatte sich mehrfach entschuldigt und die Suche nach weiteren Problemen intensiviert. Sie krempelte das GM-Management um und verteilte die Verantwortlichkeiten neu. Zugleich erhielten betroffene Autobesitzer Sonderkonditionen für den Kauf eines neuen Wagens.

Von

dpa

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