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30.10.2013

16:58 Uhr

Trotz Chrysler-Millionen

Fiats Umsatz bröckelt dahin

Fiats Geschäfte entwickeln sich schlechter als erwartet. Während die Verkäufe in Europa zuletzt wieder stiegen, bröckelten sie im brasilianischen Markt. Die guten Zahlen von Firmentochter Chrysler sind dafür ein Lichtblick.

Die Chrysler-Fabrik Jefferson North Assembly in Detroit, Michigan: Im September hatte der Autobauer einen Antrag auf einen Börsengang eingereicht. AFP

Die Chrysler-Fabrik Jefferson North Assembly in Detroit, Michigan: Im September hatte der Autobauer einen Antrag auf einen Börsengang eingereicht.

Turin/Auburn HillsDer italienische Autobauer Fiat muss einen Dämpfer einstecken. Angesichts eingebrochener Verkäufe im wichtigen Markt Brasilien senkte der Konzern seine Erwartungen an das Gesamtjahr. Als Stütze erwies sich dagegen erneut die US-Tochter Chrysler. Auch im Sorgenmarkt Europa stiegen die Verkäufe wieder leicht, wie Fiat am Sitz in Turin mitteilte.

Fiat lieferte im dritten Quartal insgesamt 191.000 Fahrzeuge nach Brasilien, das war ein Rückgang um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damals hatten Steueranreize den Verkauf angekurbelt. Der brasilianische Markt ist damit für Fiat genauso wichtig wie der europäische. Hier lieferte Fiat 211.000 Wagen aus, ein Zuwachs von vier Prozent.

Mit mehr als einer halben Million verkauften Fahrzeugen macht die Fiat-Gruppe aber das meiste Geschäft in Nordamerika. Das kommt durch die Beteiligung an Chrysler. „Wir sind besonders zufrieden mit dem Abschneiden von Ram“, sagte Konzernchef Sergio Marchionne in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Unter dieser Marke verkauft Chrysler seine Pick-up-Trucks, die zu den beliebtesten in den USA zählen. Ins Geld gingen dagegen Produktionsprobleme beim neuen Jeep Cherokee.

Die größten Autobauer der Welt

Platz 10

Suzuki - 2,69 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Auch wenn der Absatz der Japaner stagniert treibt auch hier der Yen-Wechselkurs die Gewinne nach oben. Der Gewinn legt um satte 50 Prozent zu.

Platz 9

PSA Peugeot Citroën- 2,82 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Franzosen stecken weiter tief in der Krise und haben im Jahr 2013 rund fünf Prozent weniger Autos verkauft. Mit frischem Geld aus China soll es dieses Jahr wieder aufwärts gehen.

Platz 8

Honda - 4,28 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Kaum ein Autokonzern weltweit hat bei den Verkäufen so stark zugelegt wie die Japaner. Unterm Strich steht ein Plus von satten 12 Prozent.

Platz 7

Fiat/Chrysler - 4,42 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Fusion soll dem italienisch-amerikanischen Duo neuen Schwung verleihen. Für Gewinne sind im Markenreicht von Fiat, zu dem auch Maserati, Alfa Romeo und Jeep zählen, vor allem die Amerikaner zuständig.

Platz 6

Nissan- 5,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge

In Deutschland erfreut sich vor allem der SUV Qashqai enormer Beliebtheit, aber auch weltweit läuft es rund für Japaner. Unter Strich steht ein Absatzplus von etwa drei Prozent.

Platz 5

Ford- 6,33 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Die Amerikaner haben nicht nur eines der besten Jahre der Unternehmensgeschichte hinter sich, sondern mit dem Focus erneut das meistverkaufte Auto der Welt in ihren Reihen. Für das Treppchen reicht das allerdings nicht.

Platz 4

Hyundai/Kia- 7,61 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist etwas abgekühlt, doch die Koreaner legen weiterhin stetig zu. Das Duo landet trotz starker Heimatwährung beim Absatz im Plus.

Platz 3

Toyota- 9,03 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Gewinn hängt Toyota die Konkurrenz um die Weltmarktspitze locker ab, doch beim Absatz reicht es nur für Bronze. Vor allem weil der Absatz im Vergleich zum Vorjahr nur stagniert.

Platz 2

Volkswagen- 9,51 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Der VW-Konzern kommt beim Absatz auf den zweiten Platz. Mit allen zwölf Konzernmarken, darunter auch Audi und Porsche, erwirtschaften die Wolfsburger ein Absatzplus von vier Prozent.

Platz 1

General Motors - 9,71 Millionen verkaufte Fahrzeuge

Beim Absatz behaupten die Amerikaner im Dreikampf mit Toyota und Volkswagen die Krone. Ob sich der Titel angesichts der aktuellen Rückrufprobleme verteidigen lassen wird?

Quelle

Ernst&Young-Studie „Die größten Automobilhersteller weltweit“, Gesamtjahr 2013

Insgesamt konnte Chrysler aber auch im dritten Quartal seinen Umsatz und Gewinn verbessern, was dem Mutterkonzern erneut die Bilanz rettete. Die Fiat-Gruppe konnte mit dieser Schützenhilfe den Umsatz leicht steigern auf 20,7 Milliarden Euro und den Gewinn um 11 Prozent erhöhen auf 189 Millionen Euro. Wenn man allerdings den Anteil herausrechnet, dem insbesondere dem zweiten Chrysler-Besitzer zusteht, lag Fiat weiterhin leicht im Minus.

Fiat war 2009 bei Chrysler eingestiegen, als der Hersteller in der Wirtschaftskrise vom Staat gerettet werden musste. Fiat bot technisches Know-How an. Die Partnerschaft erwies sich als Erfolg. Chrysler schreibt seit neun Quartalen Gewinne. Die Italiener besitzen mittlerweile 58,5 Prozent an den Amerikanern. Der Rest liegt in den Händen eines Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW.

Fiat würde Chrysler gerne komplett übernehmen, wird sich mit den Gewerkschaftern aber über den Preis nicht einig. Deshalb bereitet Chrysler seinen Börsengang vor. Der Fonds kann dabei seine Anteile am Markt verkaufen. Fiat hatte bereits angedroht, die Zusammenarbeit mit Chrysler dann auf den Prüfstand zu stellen.

Angesichts des Rückschlags in Brasilien dürfte das aber schwierig werden: Das Management erwartet nun im Gesamtjahr einen Konzernumsatz von rund 88 Milliarden Euro, nachdem zuvor bis zu 92 Milliarden Euro machbar schienen. Der Gewinn soll zwischen 900 Millionen und 1,2 Milliarden Euro herauskommen statt bis zu 1,5 Milliarden Euro. Fiat führte auch ungünstige Wechselkurse als Grund für die Senkung des Ausblicks an.

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