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01.08.2012

10:20 Uhr

Trotz Gewinneinbruch

BMW voll auf Kurs

Der Premiumhersteller BMW verdient im zweiten Quartal deutlich weniger. Für die erfolgsverwöhnten Münchner ein herber Schlag. Doch auf den zweiten Blick sieht es besser aus, als das deutliche Minus erwarten lässt.

BMW verbucht ein Viertel weniger Gewinn. dapd

BMW verbucht ein Viertel weniger Gewinn.

MünchenSchlechte Nachrichten kannte man in München schon gar nicht mehr. Doch die neuen Zahlen, die der Autobauer BMW heute vorgelegt hat, wirken auf den ersten Blick desaströs. Im zweiten Quartal sackte das Ergebnis vor Steuern um ein Viertel auf 1,977 Milliarden Euro ab. Das sind 25,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Unterm Strich ging der Gewinn um 28,1 Prozent zurück auf 1,277 Milliarden Euro. Die Krise hat auch BMW erreicht - könnte man meinen.

Doch bei anderen wichtigen Kennzeichen ist BMW nach wie vor einsame Spitze: Beim Umsatz erfüllte BMW mit rund 19,2 Milliarden Euro (plus 7,3 Prozent) die Erwartungen der Analysten. Die Rendite im Kernsegment Automobile lag mit 11,6 Prozent sogar über den Einschätzungen der Experten. Genauso rentabel ist nur Audi, Daimler hingegen verbuchte hier zwischen April und Juni nur 8,6 Prozent. Für das Gesamtjahr 2012 bekräftigte der Konzern die Prognose, wonach beim Absatz wie beim Vorsteuerergebnis die Vorjahreswerte übertroffen werden sollen. Damit dürfte die Konkurrenz im Premiumbereich erneut auf die Plätze verwiesen werden.

Stärken+Schwächen BMW

Stärke 1: Sicherheit durch Großaktionäre

Seit mehr als 50 Jahren hat BMW einen Großaktionär, um den die Münchener in der Branche beneidet werden. Gut 48 Prozent der Stimmrechte halten Johanna Quandt sowie ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten. Am Bekenntnis zu dem Erbe ihres Vaters lassen die Kinder wenig Zweifel: Beide nehmen als Mitglieder des Aufsichtsrats aktiv Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens. Das Ergebnis ist eine stetige Unternehmenspolitik, die den Kapitalmarkt nicht mit kurzfristigen Renditen beeindrucken will. Dennoch fährt BMW Spitzengewinne ein und schüttet in diesem Jahr eine Rekorddividende aus.

Stärke 2: Volle Kassen

Noch nie war BMW so profitabel wie heute. Längst operiert die Autosparte deutlich über dem Zielkorridor von acht bis zehn Prozent Umsatzrendite. Das Ergebnis ist eine schon fast überbordende Liquidität. Inzwischen hortet der Konzern Barmittel von mehr als zwölf Milliarden Euro. Noch ist unklar, was die Münchener mit dem Geld vorhaben. Die Aktionäre sollen eine Dividende von rund 1,5 Milliarden Euro erhalten, fast die Hälfte davon geht an die Großaktionäre der Quandt-Familie. Ein weiterer Teil steckt der Konzern in die Entwicklung alternativer Antriebe. BMW will im kommenden Jahr Elektroautos in Großserie produzieren und als erster Autohersteller der Welt Karosserien aus Kohlefaser in großen Stückzahlen herstellen.

Stärke 3: Verbessertes Rating

Außerdem steht die Erweiterung der Produktion in China auf dem Programm, in Russland und den USA sollen ebenfalls die Fertigungen ausgebaut werden. Ein Großteil des Geldes dürfte jedoch als Polster für schlechte Zeiten dienen und sichert BMW am Kapitalmarkt ab. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren aufgrund seiner guten Finanzlage sein Rating deutlich verbessert. Zurzeit bezahlen die Münchener für dreijährige Anleihen etwas über zwei Prozent Zinsen. Während der Finanzkrise waren es fast neun Prozent. Als ausgeschlossen gilt ein Zukauf in der Autosparte. BMW hatte 1994 den Massenhersteller Rover übernommen und war anschließend in Schieflage geraten.

Stärke 4: Die Marke ist ein Magnet

Das wohl größte Vermögen der Münchener schlummert in ihren Markenwerten. BMW, Mini und Rolls-Royce sind weltweit ausgezeichnet positioniert, die Kunden sind bereit, mehr zu zahlen als für ein Allerweltsprodukt. Alleine BMW wird mittlerweile auf einen Markenwert von über 22 Milliarden Dollar geschätzt, damit ist die Marke deutlich mehr wert als die Konkurrenten Daimler und Audi. In den guten Namen wird reichlich investiert. So eröffneten die Münchener für fast eine halbe Milliarde Euro ein Abholzentrum direkt neben dem Stammwerk. Die "BMW-Welt" gilt mittlerweile als die größte Touristenattraktion der Stadt und zieht mehr Besucher an als das Schloss Neuschwanstein.

Stärke 5: Strikte Markentrennung

Peinlich genau legt BMW Wert auf strikte Markentrennung. Mini, BMW und Rolls-Royce laufen über strikt getrennte Vertriebskanäle. In Markenlabors werden Verkäufer und Händler geschult, um die Zielgruppen klar voneinander zu trennen. Die Aufteilung lautet: Mini ist hip und cool, BMW steht für Sachlichkeit und Präzision, Rolls-Royce ist der Luxus für die Superreichen. Angedockt werden Submarken. So startet unter dem Namen "BMW i" im kommenden Jahr ein Label für die geplanten Elektroautos. Der hohe Markenwert hilft aber nicht nur dem Absatz. BMW zählt bei Umfragen seit Jahren zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland - ein wichtiger Trumpf im Kampf um die Köpfe von morgen.

Stärke 6 : Vorreiterrolle beim Leichtbau

Der „i3“ wird neben einem vollelektrischen Antrieb auch eine Karosserie aus Kohlefaser erhalten. Das bereits im Flugzeugbau erprobte Material soll das Gewicht der Batterien kompensieren und dem "i3" einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen. Gemeinsam mit dem Kohlefaserspezialisten SGL Carbon wurde ein Joint Venture gegründet, um die Kohlefaser in den USA herzustellen. BMW selbst verarbeitet den Werkstoff in den Standorten Wackersdorf, Landshut und Leipzig. An dem strategisch wichtigen Zulieferer SGL Carbon haben der Autobauer und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten jetzt kombiniert 43 Prozent und damit gegenüber Volkswagen mit acht Prozent das Sagen. Der Nachteil: Noch ist Kohlefaser mindestens um den Faktor zehn teurer als Stahl und schwer zu verarbeiten. Nur hohe Stückzahlen und große Fortschritte im Verarbeitungsprozess machen eine solche Produktion rentabel. Die wahren Kosten des Abenteuers Kohlefaser lassen sich für BMW und seine wichtigste Anteilseignerin bislang nur erahnen.

Schwäche 1: Der Mini

Für Norbert Reithofer ist ausgemacht: Die Schlacht um die Vorherrschaft im Premiumsegment tobt in den kommenden Jahren vor allem bei Kleinwagen. Jahrelang war das für BMW kaum ein Thema. Doch 2001 retteten die Münchener aus den Trümmern ihrer Rover-Beteiligung die Kleinwagenmarke Mini. Seitdem entwickelt sich die britische Tochter prächtig. Waren einst 100 000 Stück pro Jahr geplant, so peilt BMW in diesem Jahr fast dreimal so hohe Mini-Verkäufe an. Mini ist ein Pionier: Erstmals sind Kunden bereit, für Kleinwagen deutlich mehr als 20 000 Euro zu bezahlen. Neben dem Basismodell bietet die britische Kultmarke mittlerweile ein Cabrio, einen Geländewagen, einen Roadster und ein Coupé an.

Schwäche 2: Starke Konkurrenz bei Kleinwagen

Audi und Daimler wollen ihre Stückzahlen bei den Stadtflitzern deutlich erhöhen. Der VW-Konzern zieht seine Synergien aus viel höheren Stückzahlen, der Mini-Konkurrent A1 ist eine Ableitung des Massenprodukts VW-Polo. Bei BMW sind die Synergien zwischen Mini (Frontantrieb) und BMW (Heckantrieb) jedoch gleich null. Das soll sich jetzt ändern. Zum einen bauen die Münchener ihre Zusammenarbeit mit Peugeot-Citroën aus, zum anderen sollen ab 2014 alle BMW-Kompaktmodelle und Mini auf eine gemeinsame technische Plattform gestellt werden.

Schwäche 3: fehlende Brennstoffzelle

Die Ölpreise steigen fast so schnell wie die Vorschriften für den Klimaschutz. Wer im Jahr 2020 in Europa, den USA oder Japan noch Autos verkaufen will, kommt an alternativen Antrieben nicht mehr vorbei. BMW gehört zu den Autoherstellern, die das schon relativ früh erkannt haben. Konsequenter als andere setzt der Konzern auf Elektroautos. Doch während Daimler zusätzlich an der Einführung von Brennstoffzellen arbeitet, ist BMW skeptisch. "Wir sehen keinen nennenswerten Serieneinsatz des Wasserstoffantriebs bis 2025", sagt Konzernchef Norbert Reithofer. Es fehle vor allem an der Infrastruktur. Trotz aller Ankündigungen haben weder der Gasekonzern Linde, noch die Ölkonzerne ein nennenswertes Netz von Wasserstofftankstellen aufgebaut.

Schwäche 4: Anfälligkeit für Währungseffekte

Kürzlich machte eine Meldung die Runde, die BMW sofort dementierte. In der Slowakei, nahe der ukrainischen Grenze, plane der Konzern ein Werk für Kleinwagen mit einer Kapazität von mehreren Hunderttausend Autos pro Jahr. Alles nur halb gare Meldungen slowakischer Regionalmedien? Wie kaum ein anderer Autohersteller ist BMW mit seiner Produktion auf Deutschland fixiert. Anders als die Konkurrenten Daimler und Volkswagen haben sich die Münchener Anfang des Jahrtausends für Leipzig als neue Produktionsstätte entschieden.

Schwäche 5: Euro-Krise bedroht den Gewinn

Die Konkurrenz setzt auf günstigere Löhne in der Slowakei und Ungarn. Auch weltweit betrachtet droht dem Verhältnis Absatz und Produktion eine Unwucht. Noch profitiert BMW von dem schwachen Euro, der die Exporte aus Deutschland zusätzlich attraktiv macht. Doch die Schere geht immer weiter auf: Zwölf Milliarden Euro jährlich beträgt nach Analystenschätzungen BMWs Umrechnungsvolumen gegenüber chinesischem Yuan und dem US-Dollar. Eine so hohe Summe ist gegen Währungsschwankungen anfällig. Ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und die Aufwertung eines "Folge-Euros" wäre für BMW fatal. BMW reagiert und schafft zusätzliche Produktionskapazitäten in China, den USA und den Schwellenländern. Dort wachsen die Märkte. Das hat Folgen: Sollte der Absatz in Europa weiter lahmen, bekommen mittelfristig auch die deutschen BMW-Werke ein Problem mit der Auslastung.

Die wesentlichen Gründe für das schlechtere Verhältnis von Gewinn und Umsatz sind vor allem Sondereffekte und Investitionen in die Zukunft. Die Entwicklung neuer Modelle und Technologien verschlingt Millionen. Zudem ist die Vergleichsbasis des Vorjahres schon deswegen höher, weil damals ein Sondereffekt aus niedrigeren Restwert- und Kreditrisiken positiv zu Buche geschlagen hat. Analysten hatten diese Effekte in ihren Prognosen bereits berücksichtigt, aber mit etwas höheren Ergebniszahlen gerechnet. An der Börse verlieren die Papiere im Vormittagshandel rund 4,3 Prozent und notieren nun bei 58,16 Euro. Unterm Strich verbucht der Konzern trotz des Gewinneinbruchs das zweitbeste Quartal der Firmengeschichte.


Weltweit verkaufte der Nobelhersteller im zweiten Viertel 475.011 Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce, ein Plus von 5,4 Prozent - wie der Umsatz erneut ein Rekordwert. Im Duell der Oberklasse-Limousinen zwischen BMW 7er und Mercedes S-Klasse haben die Bayern auf vielen wichtigen Märkten die Nase vorn. Nach 180.000 verkauften Einheiten ihrer aktuellen, 2008 eingeführten Baureihe spendierten sie ihrem Flaggschiff für die zweite Halbzeit des Modellzyklus unlängst ein umfangreiches Facelift. Rechtzeitig, bevor nächstes Jahr Mercedes seine brandneue S-Klasse enthüllt.

Für 2013 plant BMW die neue 4er-Reihe direkt in mehreren Varianten. Coupé, Cabriolet und Gran Coupé wechseln dann von der 3er- in die 4er-Reihe, berichtete kürzlich "Auto Bild". Demzufolge fällt der Modell-Startschuss im Frühjahr 2013 mit dem 4er-Coupé und -Cabrio, das Gran Coupé folgt im Herbst 2014. Darüber hinaus wird es von allen 4ern eine sportlich-kernige M4-Variante geben. Gemessen an den Preisen der 3er-Limousine sollen die 4er-Modelle zwischen 3.500 Euro und 10.000 Euro mehr kosten.

Kommentare (8)

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lololol

01.08.2012, 09:55 Uhr

[+++Beitrag wurde von der Redaktion gelöscht+++]

Anonym

01.08.2012, 10:20 Uhr

Wie wahr!

so_what

01.08.2012, 10:33 Uhr

BMW: Risiken nehmen eher zu als ab.

BMW Bayerische Motoren Werke AG 10:12:09 58,48 € -3,77%

vor 22 Min (10:09) - Echtzeitnachricht

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