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02.01.2010

14:30 Uhr

Trotz Krisenjahr

Airbus überflügelt Boeing

2009 war ein hartes Jahr für die großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing. Bei sinkenden Auftragszahlen schaffte es die EADS-Tochter jedoch, den US-Konkurrenten deutlich zu distanzieren. Ein Ende der Absatzkrise beudetet das nicht, die Produktion läuft jedoch zumindest stabil - und 2011 ist Besserung in Sicht.

Das Transportflugzeug A400M von Airbus feierte 2009, ebenso wie Boeings 787 "Dreamliner", Premiere. An beiden Maschinen hängen große Hoffnungen. Reuters

Das Transportflugzeug A400M von Airbus feierte 2009, ebenso wie Boeings 787 "Dreamliner", Premiere. An beiden Maschinen hängen große Hoffnungen.

HB FRANKFURT. Airbus hat im Krisenjahr 2009 seinen US-Rivalen Boeing erneut abgehängt. Der europäische Flugzeugbauer verbuchte mindestens 224 Netto-Bestellungen, in Chicago gingen nach den letzten verfügbaren Zahlen 141 Aufträge ein. Doch die Freude in Toulouse dürfte sich in Grenzen halten: Denn für beide Hersteller könnte es bei den Neuaufträgen das schlechteste Jahr seit Mitte der 90er Jahre werden. Fachleute rechnen frühestens 2011 mit einer durchgreifenden Erholung.

Airbus und Boeing wurden zum Ende eines Jahrzehnts, in dem die Europäer den US-Traditionskonzern als Weltmarktführer ablösten, von der tiefen Krise der Luftfahrtbranche voll erwischt. 2008 waren in Toulouse noch 777 Passagierflugzeuge bestellt worden, bei Boeing 632. In den fetten Jahren haben sich die Hersteller einen Speckgürtel angelegt, von dem sie nun zehren. Jeweils fast 3.500 Festbestellungen stehen derzeit in den Auftragsbüchern der beiden Rivalen.

"Die Flaute 2010 werden sie gut überbrücken können", sagte der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler der Nachrichtenagentur DAPD. Bei der Produktion machte sich die Krise bereits im vergangenen Jahr kaum bemerkbar. Airbus sieht sich nach Angaben von Sprecher Stefan Schaffrath auf gutem Weg, an den Rekord von 2008 anzuknüpfen: "Unser Ziel sind 480 Auslieferungen." Die Produktionsraten sollen 2010 nicht gesenkt werden. Boeing baute bis Ende November 430 Maschinen und dürfte damit im Gesamtjahr so gut abgeschnitten haben wie seit 2001 nicht mehr.

Doch beide Hersteller stehen auch in der Produktion vor großen Herausforderungen. Zwar startete die mehr als zwei Jahre verspätete Boeing 787 (Branchenspott: Seven-Late-Seven) im Dezember endlich zum Erstflug, doch der Einstieg in die Serienproduktion steckt voller Schwierigkeiten, wie Airbus mit seinem Superjumbo A380 schmerzvoll erfahren musste.

Für Boeing ist der "Dreamliner" fast überlebenswichtig: Für das vorwiegend aus leichten Verbundstoffen gebaute Langstreckenflugzeug liegen schon 840 Bestellungen vor. Airbus muss über den Militärtransporter A400M nachverhandeln, der ebenfalls im Dezember erstmals abhob. "Das ist ein extrem großes Risiko", sagt Commerzbank-Analyst Frank Skodzik. "Man muss abwarten, wie die Milliardenkosten zwischen Airbus und den Bestellländern letztlich aufgeteilt werden." Der Konzern konnte Zusagen zum Preis und zur Produktion nicht einhalten.

Zudem macht der A380 weiter Sorgen, für den Airbus im vergangenen Jahr magere vier Neubestellungen bekam. "Das Flugzeug ist in der Krise extrem schwer an den Markt zu bringen", sagt Skodzik. Die Produktion soll von vermutlich 13 Auslieferungen 2009 auf 20 in diesem Jahr hochgefahren werden.

Analyst Pieper hält die aktuellen Schwierigkeiten bei Airbus, das auch in der Entwicklung des B787-Konkurrenten A350 steckt, für derzeit ein wenig größer. "Aber von der Produktseite her sehe ich Airbus für die nächsten fünf bis zehn Jahre besser aufgestellt." Das würde ein weiteres Jahrzehnt europäischer Dominanz im Markt für zivile Verkehrsflugzeuge bedeuten. Der europäische Newcomer, der in den 90er Jahren den Anschluss an Boeing schaffte, erhielt in der zu Ende gegangenen Dekade knapp 6.400 Bestellungen, der US-Konkurrent musste sich mit etwa 6.000 Orders zufrieden geben.

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