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25.07.2012

10:16 Uhr

Trotz Kürzungen

US-Rüstungsriese Lockheed baut den Gewinn aus

Obwohl weltweit die Rüstungsetats schrumpfen kann der US-Rüstungsriese Lockheed Martin seinen Gewinn weiter ausbauen. Doch nun muss ein wichtiges Zukunftsprojekt schnell zum Abschluss gebracht werden.

Als erste ausländische Nation wird Großbritannien den F-35 in die Flotte aufnehmen. AFP

Als erste ausländische Nation wird Großbritannien den F-35 in die Flotte aufnehmen.

Der US-Rüstungsriese Lockheed Martin hat seinen Gewinn trotz schwieriger Marktbedingungen um 4,4 Prozent gesteigert und hebt nun seine Gewinnprognose an. Der Gewinn stieg auf 781 Millionen Dollar, nach 748 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum – und übertraf damit die Analystenprognosen. Auch der Umsatz legte um 3,3 Prozent auf 11,9 Milliarden Dollar zu. Lockheed habe ein “sehr solides Quartal mit wachsenden Umsätzen und Gewinnmargen über unseren Erwartungen hingelegt”, sagt Joel Levington, Analys bei Brookfield Investment Management.

Lockheed-Chef Robert Stevens hatte sich bis zuletzt gegen eine Kürzung des US-Rüstungsbudgets gewehrt und damit gedroht 10.000 Mitarbeiter zu entlassen, wenn die Kürzungen wie geplant umgesetzt werden. Im Januar will der 60-Jährige Lockheed verlassen. Sein Nachfolger wird Chris Kubasik (51). Da die Kürzungen erst 2013 beschlossen werden können, wird er wohl der wichtigste Verhandlungsführer für Lockheed.

Die US-Regierung hatte angekündigt, innerhalb von zehn Jahren rund 500 Milliarden Dollar im Rüstungsbudget einsparen zu wollen – zusätzlich zu Einsparungen von 487 Milliarden Dollar, die ohnehin eingeplant waren.
Die Unsicherheit bezüglich des US-Rüstungsbudgets bleibt die größte Unsicherheit für Lockheed. Darum konzentriert will der größte Rüstungskonzern der Welt künftig darauf konzentrieren, die Kosten zu senken, sagte Stevens bei der Präsentation der Quartalszahlen.

Die größten Waffenimporteure

Platz 10

Griechenland

Auch die umfangreichen Waffenimporte der Griechen haben die Schuldenkrise vorangetrieben. Mit neuen U-Booten von TKMS und Panzern von Krauss-Maffei Wegmann wurde die Armee aufgerüstet. Profitiert haben vor allem deutsche Rüstungskonzerne. 2010 gingen damit drei Prozent der weltweiten Rüstungsimporte auf das Konto der Griechen. 2011 wurden keine neuen Waffenimporte mehr vereinbart.

Platz 9

Vereinigte Arabische Emirate

36-Milliarden-Dollar-Deal mit den US-Rüstungskonzernen Boeing und Lockheed Martin katapultiert auch die Vereinigten Arabischen Emirate unter die größte Waffenimporteure der Welt. Vor allem F-15 Kampfjets sind in der Region gefragt.

Platz 8

USA

Auch der größte Waffenimporteur der Welt kauft auch bei ausländischen Waffenherstellern ein. Insgesamt machen die Waffenkäufe im Ausland drei Prozent des Marktes aus.

Platz 7

Algerien

Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika gilt als Freund deutscher Waffensysteme. Zuletzt orderte er 54 Fuchs-Radpanzer für 150 Millionen Euro. Im weltweiten Waffenhandel gehen vier Prozent auf die Rechnung des nordafrikanischen Staats.

Platz 6

Australien

Mit dem umfangreichsten Rüstungsprogramm in der Geschichte des Landes baut die Regierung derzeit die australische Armee um. Auf der Einkaufsliste: 100 Kampfflugzeuge, sechs U-Boote, acht Kriegsschiffe. Insgesamt 70 Milliarden US-Dollar sind dafür eingeplant.

Platz 5

Singapur

Der südostasiatische Stadtstaat baut vor allem seine Seeflotte massiv aus, um die für die heimische Wirtschaft so wichtigen Seewege zu sichern. Auch zur Abschreckung Chinas schnellen die Waffenimporte in die Höhe.

Platz 4

China

Mit massiven Aufrüstungsprogrammen ist kaum eine Armee schneller modernisiert worden als die chinesische. Zuletzt wurden die Investitionen zwar etwas gedrosselt. Doch immer noch gehen fünf Prozent der verkauften Waffen weltweit nach China.

Platz 3

Pakistan

Krisengebiete wohin man blickt. Im Westen muss das Land eine kaum beherrschbare Grenze zu Afghanistan sichern. Um gegen die Taliban vorrücken zu können, wurde massiv investiert. Zudem treibt der weiterhin schwelende Konflikt mit Indien die Waffenkäufe.

Platz 2

Südkorea

Die Drohungen des unberechenbaren Bruderstaats aus dem Norden sorgen für steigende Waffenverkäufe im Süden. Vor allem Streubomben und Raketen werden stark nachgefragt. Mit einem Anteil von sechs Prozent kommen die Südkoreaner damit auf den zweiten Platz.

Platz 1

Indien

Nirgendwo auf der Welt wird so viel in Rüstung investiert wie auch der indischen Halbinsel. Neben dem Konflikt mit Pakistan befürchten die Inder, durch die neue Stärke Chinas ihre Führungsrolle zu verlieren. 82 Prozent der importierten Waffen stammen von russischen Unternehmen. Insgesamt gehen zehn Prozent der weltweit verkauften Waffen nach Indien.

Besonders beim F-35 Joint Strike Fighter wächst der Druck auf Lockheed. General Mark Walsh, der als Favorit des Präsidenten als Chef der Air Force gilt, sagte zuletzt, dass die Produktion des Prestige-Kampffliegers nicht so schnell vorangehe wie erwartet. Die Bestellungen des F-35 hatten im zweiten Quartal um 200 Millionen Dollar zugelegt. Der Umsatz der Luftfahrtsparte wuchs um 18 Millionen Dollar, oder weniger als ein Prozent, auf 3,4 Milliarden Dollar. Das schwache Wachstum führt der Rüstungsriese vor allem auf einen Streik in einem wichtigen Werk in Texas zurück. Der Profit der Sparte wuchs dagegen um 14 Prozent auf 454 Millionen Euro.

Das Geschäft mit elektronischen Sicherheitssystemen, insbesondere im Raketenabwehrbereich und bei Kampfschiffen, wuchs um 2,3 Prozent auf 3,87 Milliarden Dollar. Der Profit stieg um zehn Prozent auf 526 Millionen Dollar.

Durch das Geschäft mit zivilen Satelliten gehört die Weltraum-Sparte des Konzerns zu den Umsatztreibern des Konzerns. Insgesamt kamen die Space Systems auf einen Umsatz von 2,38 Milliarden Dollar - rund 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz der Sparte wuchs um 7,2 Prozent auf 282 Millionen Euro.

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