Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.01.2008

12:39 Uhr

Trotz Strafe

Eni darf in Kasachstan bohren

VonKatharina Kort und Tom Wiede

Der lange schwelende Streit zwischen dem Ölkonzern Eni und dem kasachischen Energiekonzern Kazmunaigas ist beendet. Das italienische Unternehmen darf nach Zahlung einer Strafe doch in Kasachstan fördern. Allerdings haben alle Beteiligten nun mit explodierenden Kosten zu kämpfen.

MAILAND/MOSKAU. Der kasachische Energiekonzern Kazmunaigas und das internationale Konsortium, das vom italienischen Ölkonzern Eni angeführt wird, haben den monatelangen Streit über das Ölfeld in Kaschagan beigelegt. Wie das kasachische Unternehmen mitteilte, haben sich die Betroffenen darauf geeinigt, die Quote von Kazmunaigas zu erhöhen und eine milliardenschwere Entschädigung für die bisher angefallenen Verspätungen zu zahlen. Außerdem wird der italienische Ölkonzern Eni die Führung des Konsortiums an ein gemeinsames Gremium abgeben.

Damit haben sie einen Tag vor Fristablauf am 15. Januar doch noch eine Einigung gefunden. Vor allem Exxon-Mobil hatte sich bis zum Schluss geweigert, das Abkommen zu unterschreiben, das in seinen Grundzügen bereits Ende Dezember feststand. Die vier größten Vertreter des Konsortiums - Eni, Exxon-Mobil, Shell und Total - werden ihre Quote von derzeit 18,52 Prozent auf 16,8 Prozent verringern, um die Quote von Kazmunaigas auf die gleiche Quote zu verdoppeln. Der Preis für die insgesamt 8,3 Prozent, die Kazmunaigas den internationalen Unternehmen abkauft liegt mit 1,78 Mrd. Dollar deutlich unter dem Marktwert. Zudem werden die beteiligten Konzerne für den Verzug bei den Arbeiten je nach Ölpreis zwischen 2,5 Mrd. Dollar und 4,5 Mrd. Dollar zahlen, heißt es in verhandlungsnahen Kreisen. "Die Strafe ist deutlich niedriger als in den ersten Worst-Case-Szenarien vom Oktober 2007", urteilt Öl-Analyst Jason Kenney von ING Bank.

Ursprünglich sollte die Ölförderung in Kaschagan bereits vor drei Jahren beginnen. Nun erwarten Branchenexperten, dass die Produktion frühestens 2011 startet. Inzwischen explodierten die Gesamtkosten: Statt der veranschlagten 57 Mrd. Dollar rechnen die Betreiber nun mit 136 Mrd. Dollar.

Die Einigung setzt einen Schlussstrich unter eine Auseinandersetzung, die zu einem erheblichen Risiko für das Investitionsklima in Kasachstan zu werden drohte. Nach Medienberichten hat sich diese Erkenntnis auch bei der kasachischen Regierung durchgesetzt, die nun stärker auf eine Einigung gedrängt hatte. Das Land, nach Russland der größte Ölförderer unter den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, will seine Produktion in den nächsten zehn bis 15 Jahren von rund 1,5 Millionen Barrel am Tag verdoppeln (ein Barrel gleich 159 Liter). Ohne das Know-How westlicher Investoren dürfte dies aber nicht möglich sein. Das Kaschagan-Feld im Kaspischen Meer, das ein Fördervolumen von täglich 1,5 Millionen Barrel erreichen soll, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Dennoch folgt die kasachische Regierung einem Trend, den Förderländer wie Russland und Venezuela gesetzt haben: Angesichts des hohen Ölpreises macht sie Druck auf die ausländischen Konzerne, ihre vertraglichen Pflichten einzuhalten, und verlangt einen größeren Anteil am Gewinn. Um Druck auszuüben, hatte die Regierung unter anderem das Rohstoff-Gesetz verschärft, so dass den Konzernen der Entzug ihrer Förderlizenz drohte - angeblich weil sie gegen Umweltauflagen verstoßen hatten.

2006 machte Eni 86 Mrd. Euro Umsatz, die Aktie legte gestern leicht zu. Während Société Generale riet, das Papier zu verkaufen, wertet Analyst Kenney von der ING Bank die jüngsten Nachrichten positiv: "Ein erfolgreiches Ende von langen und schwierigen Verhandlungen."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×