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14.08.2012

17:43 Uhr

Trotz Umsatzanstieg

Boehringer Ingelheim sieht schwere Zeiten kommen

Dank Zuwächsen in den USA und den Schwellenländern hat Boehringer Ingelheim seinen Umsatz zwar weiter gesteigert. Doch Optimismus schürt das bei dem Pharmakonzern nicht. Das Geschäftsumfeld werde schwieriger, heißt es.

Ein Produktionsband bei Boehringer Ingelheim. dpa

Ein Produktionsband bei Boehringer Ingelheim.

Ingelheim/FrankfurtEine kräftige Nachfrage aus Amerika und den Schwellenländern hält Deutschlands zweitgrößten Pharmakonzern Boehringer Ingelheim auf Kurs. Das Familienunternehmen aus Ingelheim bei Mainz baute im ersten Halbjahr binnen Jahresfrist währungsbereinigt seinen Umsatz um 6,8 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro aus. Umsatzstützen waren die Atemwegspräparate Spiriva und Combivent mit prozentual zweistelligem Wachstum sowie die neue Tablette zum Schutz vor Schlaganfällen Pradaxa. Der Betriebsgewinn habe sich planmäßig entwickelt, erklärte das Unternehmen am Dienstag, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

An der Jahresprognose hielt Konzernchef Andreas Barner fest. Der Arzneimittelhersteller will 2012 den Konzernumsatz prozentual einstellig erhöhen nach 13,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Doch Barner rechnet mit einem härteren Marktumfeld in der zweiten Jahreshälfte. "Der konjunkturelle Gegenwind durch die Staatsschuldenkrise in Südeuropa und die weiterhin schwache wirtschaftliche Entwicklung in den USA gestalten das Geschäftsumfeld für die Pharmabranche zunehmend schwieriger", erklärte er. Boehringer könne sich dem nicht entziehen.

Wie auch anderen Pharmakonzernen machen Boehringer Ingelheim die Bemühungen vieler Länder um Einsparungen in den Gesundheitssystemen zu schaffen. Zuversichtlich stimmt Konzernchef Barner aber der Nachschub an neuen Medikamenten. Im Unterschied zur Konkurrenz wie etwa Merck oder AstraZeneca blieben Boehringer Ingelheim zuletzt größere Entwicklungsflopps erspart. Große Hoffnungen setzt Barner unter anderem auf das neue Lungenkrebsmedikament Afatinib. Für das Präparat will der Konzern nach früheren Angaben noch in diesem Jahr die Zulassung in den USA und in Europa beantragen.

Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro war Spiriva zur Behandlung der Raucherlunge das Top-Medikament des Konzerns im ersten Halbjahr. Die Verkaufserlöse mit dem Bluthochdruck-Präparat Micardis lagen bei 969 Millionen Euro. Mit dem Schlaganfall-Mittel Pradaxa, das im Wettbewerb mit Xarelto von Bayer steht, schaffte Boehringer rund 500 Millionen Euro Umsatz. Amerika mit dem lukrativen US-Markt blieb die wichtigste Region für das Traditionsunternehmen, das dort seinen Umsatz um 9,5 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro erhöhte. Aber auch in den Schwellenländern China, Brasilien, Kolumbien und Venezuela lief es für Boehringer Ingelheim rund. Damit konnten schwache Geschäfte in Südeuropa, wo Boehringer die Folgen der Schuldenkrise zu spüren bekam, mehr als wettgemacht werden.

Im Geschäft mit verschreibungsfreien Gesundheitspräparaten, das mit Branchengrößen wie GlaxoSmithKline oder Pfizer im Wettbewerb steht, nahmen die Umsätze währungsbereinigt lediglich um 1,3 Prozent auf 699 Millionen Euro zu. Vor allem schleppende Geschäfte in Südeuropa und Japan bremsten das Wachstum. Dagegen zogen die Umsätze in der Tiermedizinsparte dank guter Nachfrage nach Impfstoffen für Schweine währungsbereinigt um 7,8 Prozent auf 527 Millionen Euro an. In den Schwellenländern Asiens waren Tierimpfstoffe von Boehringer gefragt.

Der Familienkonzern zählt weltweit zu den 20 größten Pharmaunternehmen. Im Unternehmen arbeiteten zuletzt mehr als 44.000 Menschen.

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