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28.01.2009

11:10 Uhr

Trotz Umsatzrückgang

Bosch will Stammbelegschaft retten

Nach jahrelangem Wachstum hat der Autozulieferer Bosch 2008 den Rückwärtsgang einlegen müssen und blickt mit Bangen in die Zukunft. Der Konzern in Stiftungsbesitz mit weltweit 282 000 Mitarbeitern will deshalb den Gürtel enger schnallen und auf die Kostenbremse treten. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach den Worten von Bosch-Chef Franz Fehrenbach im Inland aber „möglichst“ vermieden werden.

Ein Bosch-Mitarbeiter schließt eine Dieseleinspritzpumpe für einen Funktionstest an. Foto: ap Quelle: ap

Ein Bosch-Mitarbeiter schließt eine Dieseleinspritzpumpe für einen Funktionstest an. Foto: ap

HB STUTTGART. Wegen der weltweit eingebrochenen Automärkte sank der Konzernumsatz im abgelaufenen Jahr nach vorläufigen Zahlen um 2,8 Prozent auf rund 45 Mrd. Euro, wie Bosch am Dienstagabend in Stuttgart mitteilte. Der Gewinn brach um zwei Drittel auf rund 1,13 Mrd. Euro ein, unter anderem weil wegen der Finanzkrise im Anlagegeschäft Verluste anfielen. Das Vorsteuerergebnis liege mit einem Anteil von rund 2,5 Prozent vom Umsatz „deutlich unter der Ziellinie“, gestand Fehrenbach ein. Im Vorjahr hatte die Rendite noch acht Prozent betragen, was einem Vorsteuergewinn von 3,8 Mrd. Euro entsprach. Ursprünglich hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung einen Anstieg der Erlöse für 2008 von fünf Prozent als Ziel ausgegeben.

Den größten Einbruch habe Bosch 2008 bei der Kraftfahrzeugtechnik mit einem Umsatzrückgang von sieben Prozent verbucht, teilte Fehrenbach mit. Die Sparte liefert knapp zwei Drittel der Erlöse. Regional setzte dem Autozulieferer am stärksten das zurückgehende Geschäft in Nordamerika zu (minus 15 Prozent). In Europa gingen die Erlöse der Stuttgarter ebenfalls zurück (minus zwei Prozent). In der Region Asien-Pazifik gab es zwar positive Zahlen (plus 2,3 Prozent), das Wachstum verlangsamte sich aber drastisch. Die Mitarbeiterzahl stieg bei Bosch vor allem durch Zukäufe um vier Prozent auf 282 000 Beschäftigte (davon 114 000 in Deutschland) zu.

„Wir müssen uns 2009 auf weitere negative Entwicklungen einstellen“, warnte Fehrenbach. Die weltweite Fahrzeugproduktion könne 2009 um zehn Prozent sinken. Es bestehe die Gefahr, dass das laufende Geschäftsjahr noch schlechter ausfalle als 2008, es werde eines der schwierigsten Jahre seit langem. Zur unsicheren Jahresplanung sagte der Bosch-Chef: „Tatsächlich verfügen wir derzeit über keinen verabschiedeten Wirtschaftsplan für 2009.“ Eine konkrete Prognose wagte er nicht. Ob 2010 besser werde, sei offen. Fehrenbach setzt nun „alle Hoffungen“ auf die staatlichen Konjunkturpakete, die rund um den Globus zur Ankurbelung der Konjunktur aufgelegt werden. Zur Überwindung der Kreditklemme müssten die Banken Risiken in eine sogenannte „Bad Bank“ auslagern, betonte er.

„Wir werden den hohen Beschäftigungsstand nicht halten können“

Bosch sei finanziell stabil, unabhängig vom Kapitalmarkt und könne mehrere Jahre ohne Wachstum durchstehen, unterstrich Fehrenbach. Dennoch sei Bosch zum Handeln gezwungen. Die Kosten würden in diesem Jahr auf das absolut Notwendige gesenkt, der Mitteleinsatz für Investitionen und Zukäufe werde reduziert. „Wir werden den hohen Beschäftigungsstand 2009 nicht halten können“, sagte Fehrenbach. In Deutschland werde die Kurzarbeit voraussichtlich ausgeweitet. Im Vorjahr hatte Bosch bereits Jobs im Ausland im niedrigen vierstelligen Bereich gestrichen. In Deutschland wurden bislang rund 10 000 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt.

Front machte der Bosch-Chef gegen staatliche Hilfen für einzelne Auto-Zulieferer wie Continental beziehungsweise Schaeffler oder Fahrzeug-Hersteller wie Opel. „Der Staat kann und darf nicht zum Reparaturbetrieb werden, allenfalls um einen Dominoeffekt in der ganzen Branche zu vermeiden“, sagte Fehrenbach. Andernfalls werde der Wettbewerb verzerrt. Bosch werde eigenen Zulieferer, die angeschlagen seien, unter die Arme greifen.

Die Autoindustrie insgesamt sollte nach Fehrenbachs Worten nach Verabschiedung der Abwrackprämie und der Neuregelung der Kfz-Steuer nicht nach weiteren Hilfen rufen. „Die Branche kann sich nicht beklagen“, sagte der Bosch-Chef. Fehrenbach äußerte zudem Skepsis über die schnelle und breite Markteinführung von Elektrofahrzeugen. Elektroautos spielten frühestens 2020 eine substanzielle Rolle. Bis dahin gehe es vorrangig um die Reduzierung des Treibstoffverbrauchs der Benzin- und Dieselmotoren.

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