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18.01.2007

10:43 Uhr

Trotz verwässerter Gewinnmarge

Conti verspricht weiteres Rekordjahr

Auch wenn die Übernahme der Elektroniksparte von Motorola die Marge von Continental etwas zurückgehen ließ – dem Reifenhersteller winkt das sechste Rekordjahr in Folge. Im Vergleich zur direkten Konkurrenz ist die Entwicklung mehr als positiv. Allerdings beschränkt sich Conti längst nicht nur noch auf den angestammten Markt.

(hof) FRANKFURT. Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental steuert auf das sechste Rekordjahr in Folge zu. „Ein Umsatzrekord für dieses Jahr ist gebucht, und auch das Ergebnis wird in absoluten Zahlen über dem Vorjahr liegen“, kündigte Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer in Hannover an. Einziger Wermutstropfen: Durch die erstmals für das gesamte Jahr konsolidierte Elektroniksparte von Motorola wird die operative Marge von Conti zum ersten Mal seit Jahren zurückgehen, räumte Wennemer ein.

Im Vergleich zu seinen Wettbewerbern hat sich Conti in den vergangenen Jahren allerdings gut entwickelt. Der Konkurrent Bridgestone, der sich 2006 mit Michelin einen Kampf um die Position als Nummer eins der weltweiten Reifenbranche geliefert hat, musste ebenso wie Sumitomo seine Jahresziele zuletzt zurückschrauben. Beim Branchendritten Goodyear wird das Ergebnis für 2006 zudem deutlich von einem mehrwöchigen Streik in Nordamerika belastet sein, während Conti Rekordresultate erzielte. Allerdings ist der Konzern nur noch bedingt mit den Reifenherstellern vergleichbar, da er inzwischen nur noch rund 40 Prozent seines Umsatzes in diesem Bereich erwirtschaftet. Den Rest des Geschäfts macht Conti mit Fahrwerkskomponenten wie Bremsen, ABS und ESP sowie mit Produkten wie Schläuchen, Transportbändern und Luftfedern.

Angesichts der Stabilität des Conti-Geschäfts führte das Eingeständnis einer leicht rückläufigen Marge an der Börse nur zu einem leichten Kursrückgang. Doch das Conti-Papier kostet immer noch rund 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Analysten wie die von Merck, Finck & Co. zeigten sich zwar etwas enttäuscht, doch die Conti-Marge wird wohl auch 2007 ansehnlich bleiben. 2006 hat Conti nach Analystenschätzungen – die exakten Zahlen liegen noch nicht vor – bei einer Umsatzsteigerung von 13,8 auf deutlich über 15 Mrd. Euro eine Umsatzrendite von etwa elf Prozent erzielt. Die ehemalige Motorola-Sparte, die etwa zwei Mrd. Umsatz beisteuert, erzielt dagegen nur etwa drei Prozent, erläuterte Wennemer. Der Conti-Chef erhofft sich zwar eine Entlastung für das Ergebnis durch gesunkene Rohstoffpreise. Sie werden die Lücke durch die Motorola-Konsolidierung aber nicht schließen können.

Trotz der Belastungen durch die Integration von immer neuen Zukäufen hat Wennemer die Lust an Akquisitionen nicht verloren. Nachdem beim Konkurrenten Goodyear der wochenlange Streik in den nordamerikanischen Fabriken zu Ende ist, erhofft er sich nun eine schnelle Einigung über den Kauf des Goodyear-Bereichs Engineered Products. Auch mit dem britischen Unternehmen Thermopol und dem slowakischen Reifenhersteller Matador ist Conti in Gesprächen: „Wir sind an einer Reihe von Projekten dran, aber keines davon wird in den nächsten Tagen oder Wochen spruchreif“, dämpfte Wennemer allzu hohe Erwartungen. Dem Konzern standen zum Jahresende etwa 3,5 Mrd. Euro für Akquisitionen zur Verfügung.

Die prall gefüllte Kasse weckt auch Begehrlichkeiten bei den Aktionären. Wennemer und Conti-Finanzchef Alan Hippe werden daher wohl eine Anhebung der Dividende um 25 Prozent auf 1,25 Euro vorschlagen. Auch ein zusätzlicher Sonderbonus, der deutlich höher liegen dürfte, ist im Gespräch.

Geld braucht Conti auch für den geplanten Bau eines Reifenwerkes in China. Rund 200 Mill. Euro will sich Wennemer den Neubau kosten lassen, in dem dann jährlich bis zu vier Millionen PKW- und bis zu 250 000 LKW-Reifen für den asiatischen Markt produziert werden sollen. Die Verhandlungen ziehen sich bereits über ein Jahr hin, zwei Standorte sind noch in der engeren Auswahl. Eine Entscheidung erhofft sich der Vorstand nun für die erste Jahreshälfte, „ein Jahr später könnten die ersten Reifen aus der Fabrik rollen“, kündigte Wennemer an.

Die Gründe, warum der französische Versicherer Axa zum Wochenstart seinen Anteil an Continental reduziert hat, wollte der Vorstand nicht kommentieren. Mit nunmehr 9,52 Prozent der Conti-Aktien bleibt Axa weiter größter Aktionär. Trotz des breiten Streubesitzes hält Wennemer die Gefahr eines feindlichen Übernahmeversuchs momentan für gering. Er begründet dies mit der zuletzt deutlich gestiegenen Börsenbewertung.

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