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25.01.2005

08:21 Uhr

Türkei privatisiert ihren größten Stahlhersteller

Ausländer stehen Schlange bei Erdemir

VonGerd Höhler

Die kurz bevorstehende Privatisierung des größten türkischen Stahlproduzenten Erdemir stößt auf reges Interesse in der Branche. Mehrere ausländische Stahlkonzerne wollen für das Unternehmen bieten.

ISTANBUL. Noch im ersten Quartal 2005 will sich der türkische Staat von seinem 49,93-Prozent-Anteil an Erdemir trennen, die restliche Anteile befinden sich im Streubesitz. Mit einer Jahreskapazität von 5,5 Mill. Tonnen Rohstahl rangiert Erdemir im Mittelfeld der internationalen Stahlproduzenten. Zum Vergleich: Die deutsche Nummer eins Thyssen-Krupp belegt mit 17 Mill. Tonnen Platz neun der Weltrangliste.

Der Erdemir-Verkauf ist Teil eines größeren Privatisierungsprogramms, mit dem die Regierung in Ankara in diesem Jahr Einnahmen von vier Mrd. Dollar zu erzielen hofft. Mit der Telefongesellschaft Türk Telekom, die zu 55 Prozent privatisiert werden soll, und dem Raffineriebetreiber Tüpras, von dem zwei Drittel der Anteile zum Verkauf stehen, gehört Erdemir zu den Schwergewichten des Programms.

Erst vorige Woche signalisierte der britisch-niederländische Stahlkonzern Corus Interesse an Erdemir. Der Einstieg würde es Corus ermöglichen, „in einen der am schnellsten wachsenden Stahlmärkte der Welt zu expandieren“, sagte Corus-Chef Philippe Varin. Zuvor hatten bereits der europäische Stahlkonzern Arcelor und der aus Indien stammende britische Stahlunternehmer Lakshmi Mittal Gebote für die Erdemir-Beteiligung angekündigt. Die Mittal-Gruppe, die mit der im Oktober angekündigten Übernahme des drittgrößten US-Herstellers International Steel Group 2005 zur neuen Nummer eins in der Stahlbranche aufsteigen wird, will sich den Einstieg bei Erdemir nach Informationen aus Branchenkreisen rund eine Mrd. Dollar kosten lassen. Als weitere Interessenten werden in Istanbuler Finanzkreisen US Steel und der russische Stahlkocher OAO Severstal genannt.

Der Erdemir-Konzern verfügt über insgesamt vier Standorte bei Eregli an der Schwarzmeerküste, Kirikkale nahe Ankara, beim Mittelmeerhafen Iskenderun sowie in Rumänien und beschäftigt 15 200 Mitarbeiter. In den ersten neun Monaten 2004 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 3,33 Mrd. Neue Lira (2,15 Mrd. Dollar) und erwirtschaftete einen Nettogewinn von umgerechnet 426 Mill. Dollar. Für das Gesamtjahr 2003 hatte der Konzern 271 Mill. Dollar Gewinn gemeldet. Die Produktion konnte in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 5,1 Mill. Tonnen gesteigert werden. Mit einem zurzeit laufenden Investitionsprogramm von 1,5 Mrd. Dollar will der Konzern seine Kapazitäten bis 2007 auf sieben Mill. Tonnen jährlich steigern. Im Rahmen der Modernisierungen sollen unter anderem die Produktionsanlagen der Tochtergesellschaft Isdemir in Iskenderun von Lang- auf Flachstahl umgestellt werden.

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