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24.07.2013

09:37 Uhr

Turbinenbauer

MTU stutzt Gewinnziele

Trotz eines starken Umsatzwachstums hat der Turbinen- und Triebwerkshersteller MTU seine Gewinnerwartungen gekürzt. Das Geschäft sei teilweise hinter den Erwartungen zurückgeblieben, heißt es aus München.

Schlechte Zeiten für Turbinenmacher: Das erste Halbjahr verlief für MTU enttäuschend. dpa

Schlechte Zeiten für Turbinenmacher: Das erste Halbjahr verlief für MTU enttäuschend.

MünchenDer Triebwerkshersteller MTU hat wegen eines schwachen Ersatzteilgeschäfts überraschend seine Gewinnziele für 2013 zurückgefahren. Das bereinigte Ergebnis werde im Gesamtjahr 235 Millionen Euro betragen und damit lediglich auf dem Niveau des Vorjahres liegen, trotz eines erwarteten Umsatzwachstums um bis zu zwölf Prozent auf knapp 3,8 Milliarden Euro, teilten die Münchner am Mittwoch mit. Ursprünglich hätte das Ergebnis im gleichen Umfang wie der Umsatz wachsen sollen.

Grund für die Gewinnwarnung seien auch die neuen Großserienmodelle. "Es ist eine wichtige Grundlage für das zukünftige Wachstum der MTU, dämpft aber zunächst die Ergebnisentwicklung. Allerdings ist das Ersatzteilgeschäft in einzelnen Programmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben und kann daher aktuell keinen vollständigen Ausgleich leisten", erklärte der scheidende Vorstandschef Egon Behle. "Darüber hinaus stagniert der Industriegasturbinen-Bereich. Die MTU rechnet im zweiten Halbjahr nur mit einer leichten Verbesserung dieses Trends."

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Im zweiten Quartal war der MTU-Umsatz binnen Jahresfrist um gut fünf Prozent 907,5 Millionen Euro gestiegen. Vor allem Bestellungen von Triebwerken für den Airbus A320 und A80 sowie die Boeing -Maschinen 787 Dreamliner und 747-8 hätten die Einnahmen beflügelt, hieß es. Der bereinigte Gewinn sank allerdings nahezu im gleichen Maßstab auf 50,6 Millionen Euro. Im zivilen Servicegeschäft und mit militärischen Turbinen verdiente MTU weniger. Außerdem lahmt das Geschäft mit Industrieturbinen, deren Einsatz sich immer weniger rechnet.

Börsianer, die lange von MTU mit einem Erfolg nach dem anderen verwöhnt wurden, warfen die Aktien aus ihren Depots. Der Titel stürzte zu Handelsbeginn im MDax um zehn Prozent ab. "Wir sind von der Gewinnwarnung überrascht", erklärte DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald. Die Auftragslage verspreche allerdings Trost. "Das Seriengeschäft wächst weiter und wird automatisch den Ersatzteilabsatz in den nächsten Jahren ankurbeln." Jüngst verschobene Wartungen müssten zudem früher oder später nachgeholt werden.

Von

rtr

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