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20.09.2013

17:58 Uhr

U-Bahn in Sao Paulo

Siemens droht nach Selbstanzeige Prozess

Siemens könnte die Genehmigung verlieren, mit dem Bundesstaat São Paulo Geschäfte zu machen. Hintergrund ist die Selbst-Anzeige des Unternehmens wegen Preisabsprachen beim U-Bahn-Bau in der Metropole São Paulo.

Siemens droht nach einer Selbstanzeige wegen Preisabsprachen beim U-Bahn-Bau in Sao Paulo ein Prozess in Brasilien . dpa

Siemens droht nach einer Selbstanzeige wegen Preisabsprachen beim U-Bahn-Bau in Sao Paulo ein Prozess in Brasilien .

São PauloMit einer Selbstanzeige wegen mutmaßlicher Kartellbildung beim U-Bahn-Bau in São Paulo hat der Elektroriese Siemens Ermittlungen ausgelöst, die sich nun auch gegen den Konzern richten. Die U-Bahn-Gesellschaft der Elf-Millionen-Einwohner-Stadt und die Regionalregierung leiteten nach Medienberichten interne Prüfverfahren ein. Möglicherweise könne dies dazu führen, dass Siemens die Eignung für Geschäfte mit dem Bundesstaat São Paulo verliert. Ein Sprecher wollte die Berichte am Donnerstagabend (Ortszeit) nicht kommentieren. Man wisse davon nur aus den Medien.

Allerdings stehe Siemens nach wie vor hinter der Anzeige, die das Unternehmen bei der Wettbewerbsbehörde CADE eingereicht hatte. Die Vorgänge datierten aus der Zeit vor 2008, als Siemens die strengen Vorgaben zur Einhaltung ethischer Regeln (Compliance) eingeführt habe, sagte der Sprecher. Diese Regeln hätten weltweit Geltung. „Siemens hat sich auf die Verteidigung des freien Wettbewerbes verpflichtet mit sauberen und ethischen Geschäftspraktiken.“ Dies sei nicht verhandelbar, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

Das Thema sorgt in Brasilien für erhebliches Aufsehen. Über ein Dutzend Firmen soll an illegalen Preisabsprachen von 1998 bis 2007 beim Bau der U-Bahn und bei der Lieferung und Wartung von Zügen beteiligt gewesen sein. Siemens entdeckte Hinweise auf Kartellbildung und meldete sie CADE vor einigen Monaten. Zugleich traf das Unternehmen eine für solche Fälle vorgesehene Kronzeugenregelung, die für die Kooperation im Gegenzug eine Strafimmunität oder -minderung für Mitarbeiter vorsieht, sollte sich der Kartellverdacht bestätigen.

„Wegen der laufenden Ermittlungen und der in der Abmachung vereinbarten Vertraulichkeit kann das Unternehmen keine weiteren Details zu dem Fall nennen“, hieß es offiziell. CADE prüft derzeit, ob es sich wirklich um ein Kartell handelte. Ein erster Bericht der Behörde wird vermutlich erst in zwei bis drei Monaten vorliegen.

Brasiliens Siemens-Chef Paulo Stark hatte im August versichert, dass der Konzern vollständig mit den Behörden kooperiere. Er begründete die Anzeige mit dem ernsten Bemühen, illegale Praktiken aufzudecken und zu vermeiden: „Das ist eine nicht verhandelbare von uns weltweit eingegangene Verpflichtung, mit der ein derartiges Verhalten eliminiert werden soll und die uns an die vorderste Front der Veränderungen stellt, die jeder für die Gesellschaft will.“

Von

dpa

Kommentare (3)

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Observer

20.09.2013, 02:22 Uhr

Bestechung als Geschaeftsprinzip = Siemens und das ausnahmslos und weltweit! Das gilt auch fuer deren gesamte Tochtergesellschaften und ich weiss wovon ich schreibe!

lknl

20.09.2013, 05:55 Uhr

Wer Brasilien kent weiss dass man dort garnicht anders vorgehen kann. Wer hier keine Absprachen trifft ist aus dem Rennen. Und wer denkt dass man gut fährt wenn man aus dem rennen ist der hat keine ahnung.

Frieda

20.09.2013, 09:04 Uhr

Auch für US Firmen gilt, dass Bestechung gesetzlich verboten ist. Ausgenommen sind die off-shore angesiedelten Tochtergesellschaften.

Geht es um großes Geld / große Aufträge dürften wohl alle Anbieter mit allen Mitteln arbeiten. Auch wenn man das in Deutschland nicht wahrhaben will.

Nur erwischen lassen darf man sich nicht. Leider ist das so.

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