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06.06.2012

12:34 Uhr

Überkapazitäten

Autoindustrie will mehr Hilfe von Regierungen

In Europa werden so wenig Autos wie seit langem nicht mehr gekauft, Überkapazitäten lasten auf manchen Firmen, die Konkurrenz wird stärker. Die EU-Autobauer wollen mehr Hilfen von den Regierungen.

Autos der Marke "Audi" bevor die Fahrzeuge auf ein Schiff für den Export verladen werden. dapd

Autos der Marke "Audi" bevor die Fahrzeuge auf ein Schiff für den Export verladen werden.

BrüsselDie EU-Autoindustrie hofft im Kampf gegen immer stärkere weltweite Konkurrenz und hohe Überkapazitäten auf Hilfe durch die Regierungen der Europäischen Union. Sie möchte mehr öffentliche Gelder, eine „kluge und selektive“ Gesetzgebung sowie handelspolitische Anstrengungen zur besseren Öffnung ausländischer Märkte. Dies geht aus einem Bericht von Spitzenvertretern der Industrie, der Politik und der Gewerkschaften über die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Autoindustrie in den kommenden Jahren hervor.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Die Finanzkrise habe die Branche in Europa schwer getroffen - besonders bei kleinen Personenwagen, heißt es in dem Bericht. Gewinne werden in Europa vor allem bei teureren Autos gemacht, ansonsten auf Auslandsmärkten wie beispielsweise in China. Für dieses Jahr werden in Europa schätzungsweise 12,4 Millionen Autos verkauft. Das sind drei Millionen weniger als vor der Krise und so wenig wie 1996. Die Zahl der Beschäftigten sank von um rund 12 Prozent auf 12 Millionen. Die Exporte erreichten hingegen 2011 einen neuen Rekord von 160 Milliarden Euro.

In dem Bericht der Arbeitsgruppe „Cars21“, der an diesem Mittwoch von EU-Kommissar Antonio Tajani offiziell vorgestellt wird und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, wird die „strategische Bedeutung“ der Branche und die Notwendigkeit betont, die Produktion in der EU zu erhalten. Die Autoindustrie stehe aber vor großen Überkapazitäten, vor allem bei Kleinwagen und vor allem im südlichen Europa. „Es scheint, als überstiegen die vorhandenen Kapazitäten beträchtlich die in den kommenden Jahren zu erwartende Produktion“, heißt es in dem Bericht.

Es gebe erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Firmen und Ländern, doch beeinträchtigten die Überkapazitäten die gesamte Branche: „Die derzeitige Struktur der Industrie entspricht nicht dem Bemühen um Wettbewerbsfähigkeit, vor allem nicht im Bereich der Massenprodukte.“

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

06.06.2012, 13:20 Uhr

Die Zulieferer der Autoindustrie sind Spitzenreiter im Lohndumping, im Einsatz von Sklavenhändlern. All das dient der Gewinnoptimierung.

Durch die dadurch bedingte geringere Kaufkraft dieser Mitarbeiter trägt wesentlich zur verringerten Nachfrage bei.

Warum soll also der Steuerzahler (niemand anderes wäre es) die Gewinne der Konzerneigner sichern? Sie können es selbst tun, durch höhrere Margen für die Zulieferer.

Account gelöscht!

06.06.2012, 14:10 Uhr

Nicht zu vergessen, dass dies nahezu vollständig durch den Druck der Automobilunternehmen her kommt, von welchen die Zulieferer zu abhängig sind um eine ausreichende Verandlungsbasis zu haben.
Man schaue sich einfach mal die Gewinnmargen der Automobilzulieferer an, die trotz überdurchschnittlich guter Quartale, verhältnismäßig gering sind.

Anbei: Ist heute beim Handelsblatt einfach mal Tag der Weltuntergangsüberschriften?

General-Investigation

06.06.2012, 15:49 Uhr

@ Redaktion

" In Europa werden so wenig Autos wie seit langem nicht mehr gekauft,..."

Sollte es nicht statt gekauft verkauft heißen? Gekauft werden ja Autos (Gebrauchte) nur eben keine Neufahrzeuge.

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