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13.04.2006

08:47 Uhr

Übernahme

Bayer macht Schering-Aktionären ein Angebot

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat seine milliardenschwere Offerte für den Konkurrenten Schering nun auch offiziell vorgelegt. Die Leverkusener machten klar, dass sie die Berliner gänzlich übernehmen wollen.

HB FRANKFURT. Die Annahmefrist für das Angebot von 86 Euro in bar je Schering-Aktie ende am 31. Mai um Mitternacht (MESZ), teilte Bayer am Donnerstag in Leverkusen mit. Eine weitere Annahmefrist laufe dann vom 9. bis 22. Juni, sollte bis zum 31. Mai die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent erreicht worden sein. Schering-Anteilsinhaber könnten sich deshalb nicht darauf verlassen, das Bayer-Angebot in jedem Fall auch in der weiteren Annahmefrist annehmen zu können, heißt es in der Mitteilung weiter.

Ziel von Bayer sei es, Schering zu 100 Prozent zu übernehmen. In Abhängigkeit von der Übernahmequote werde der Konzern erwägen, Schering in Deutschland von der Börse zu nehmen.Soweit dies nach den gesetzlichen Bestimmungen möglich sei, könnten auch die Börsennotierung in der Schweiz und die Registrierung in den USA beendet werden.

Die Offerte liegt um knapp 40 Prozent über dem Schlusskurs der Schering-Aktie vor dem Auftreten erster Übernahmespekulationen. "Für die Schering-Aktionäre lohnt es sich also, unser Angebot anzunehmen", warb Bayer-Chef Werner Wenning bei den Anteilseignern des Berliner Traditionsunternehmens.

Die Leverkusener wollen Schering in der größten Übernahme ihrer mehr als 142-jährigen Firmengeschichte für insgesamt 16,5 Mrd. Euro schlucken. Die höhere Wert im Vergleich zu den bislang genannten 16,3 Mrd. Euro sei im wesentlichen eine Folge der bei Schering laufenden Mitarbeiter-Optionsprogramme, teilte Bayer mit.

Finanzieren will der Bayer-Konzern die Großakquisition mit Barmitteln von 3 Mrd. Euro sowie mit Krediten von Credit Suisse und Citigroup. Die Kredite sollen später durch eine Kombination aus Eigenkapitalmaßnahmen von bis zu 4 Mrd. Euro sowie über Fremdkapital und Verkäufe refinanziert werden. Bayer hatte bereits durch die Begebung einer Pflichtwandelanleihe etwa 2,3 Mrd. Euro eingenommen. Zudem will sich Bayer zur Finanzierung von seinen Chemie-Töchtern H.C. Starck und Wolff Walsrode mit 1,25 Mrd. Euro Umsatz trennen.

Mit Schering wollen die Leverkusener zu den zehn weltweit führenden Unternehmen im Bereich Spezial-Pharmazeutika aufrücken. Die Pharma-Sparten von Bayer und Schering sind zum Großteil ähnlich ausgerichtet. Schering ist mit Verhütungsmitteln, Hormonmedikamenten und Präparaten gegen Multiple Sklerose ein Nischenanbieter. Vor allem Fachärzte sind die Adressaten. Bayer konzentriert sich inzwischen ebenfalls mit Präparaten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Bluterkrankheit und Krebs auf wenige Spezialgebiete. Überschneidungen gibt es in der Krebsforschung. Beide haben zudem nennenswerte Aktivitäten in der Diagnostik.

Bayer macht Schering in der Übernahmeofferte auch Zugeständnisse: Die künftig unter "Bayer-Schering-Pharma" firmierende Sparte mit einem Jahresumsatz von mehr als 9 Mrd. Euro soll künftig am Schering-Stammsitz Berlin angesiedelt werden. Allerdings sind bei der Übernahme rund 6 000 Stellen gefährdet. Weltweit kommen beide Unternehmen in ihren Gesundheitssparten auf zusammen rund 60 000 Beschäftigte.

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